Rosa centifolia

Rosa × centifolia L.
Rosa × centifolia L. (Rosarium Sangerhausen)

Rosa × centifolia L. (Rosarium Sangerhausen)

Gruppe Zentifolien
bekannt seit vor 1600
Liste von Rosensorten

Rosa × centifolia (lateinisch: centifolia = „hundertblättrig“), auch Zentifolie (und früher auch Rosa centifolia L.), ist eine Rosengruppe mit gefüllten Blüten, die zu den alten Rosen zählt. Sie wird auch Gartenrose genannt.

Geschichte

Bereits Theophrast und Plinius erwähnten eine rosa centifolia, weshalb man früher glaubte, dass es sie schon im Altertum in Nordgriechenland oder Kleinasien gegeben habe und dass sie die älteste aller Rosen sei. Im Gegensatz zu der barocken oder modernen Rosa centifolia beschrieb Plinius seine hundertblättrige Rose jedoch als geruchslos.

Heute vermutet man, dass die Rosa × centifolia erst gegen Ende des 16. Jahrhunderts vermutlich in Holland durch Züchtung entwickelt wurde. Clusius berichtete 1601 in seiner Rariorum Plantarum Historia, dass er 1589 zwei Pflanzen der angeblichen rosa centifolia des Plinius bekommen habe und beschrieb sie als 'Rosa centifolia batavica' („holländische Zentifolie“). Jean Bauhin sah im Juli 1595 in Pforzheim eine solche Rose, die angeblich aus dem griechischen Delphi stammte und unheimlich teuer gewesen sein soll. Kurz danach erwähnte der englische Botaniker John Gerard eine Zentifolie in seinem Catalogus (1596) und beschrieb sie in seinem Herball von 1597 als 'Rosa Hollandica sive Batava' („holländische oder batavische Rose“).

Zentifolien wurden seit etwa 1600 besonders häufig von flämischen und niederländischen Malern in Stillleben und anderen Gemälden abgebildet, weshalb sie auch als „Rose des Peintres“ (französisch: „Rose der Maler“) bekannt wurden (siehe unten). Das wahrscheinlich früheste Bild einer Zentifolie schuf Jacques de Gheyn II. im Jahr 1603.

Eine mögliche frühere volkssprachliche Erwähnung findet sich in einem 1543 datierten Kochbuch von Ludwig Neer („Kunst- und Artzneibuch“, heute in der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel, Cod. Guelf. 42.3-5. Aug. 4°). Ein Rezept für „Rosenhonig“ verwendet 300 „kolrosen knopff“ (Kohlrosenknospen), die im selben Satz auch als „rosen“ bezeichnet werden. Dies wäre eine frühere volkssprachliche Nennung als die bislang älteste bekannte botanische Beschreibung durch Clusius (1601, zu 1589 erhaltenen Pflanzen). In einem 1554 datierten Augsburger Kochbuch der Maria Stenglerin taucht dieselbe Schreibung „kollrosen“ unabhängig davon in zwei Rezepten auf, einem Kraftwasser und einem Rosenzucker.

Eigenschaften

Pierre Joseph Redouté (1759–1840): Rosa centifolia 'foliacea' (vor 1810)

Genetische Untersuchungen haben ergeben, dass es sich wahrscheinlich um eine Kreuzung aus Rosa gallica, Rosa moschata, Rosa canina und Rosa × damascena handelt. Der Wuchs der Rosa × centifolia ist vergleichbar mit der Wildrose Rosa gallica, stark bestachelte Sträucher bis 2 m hoch, ihre Blüten sind üppig, in Gruppen, überhängend und stark gefüllt – entsprechend dem Namen „centifolia“ (hundertblättrig). Die Farbe ist meist Rosa, doch kommen auch weiße und purpurrote Töne vor.

Die Zentifolien sind in Bauerngärten sehr beliebt, winterhart und lieblich duftend. Ihre Blütenblätter werden zur Gewinnung von Rosenöl und Rosenwasser, für kosmetische Zwecke und Parfüm, sowie zur Zubereitung von Rosenkonfitüre verwendet.

Eine Untergruppe der Zentifolien sind die Moosrosen. Die meisten Sorten der Moosrosen wurden bis etwa 1850 gezüchtet. Als „gelbe Centifolie“ war früher die gefüllte Rosa hemisphaerica bekannt, die jedoch keineswegs zu den Zentifolien gehört.

Sorten

Die älteste bekannte Rose dieser Gattung ist die Rosa × centifolia L., die auch 'Kohlrose' oder 'Provence-Rose' genannt wird. Von den über 200 Zentifolien, die im 17. und 18. Jahrhundert bekannt waren, sind heute noch etwa 20 Sorten der Zentifolie im Handel. Die Sorte 'Reine des Centifeulles', Belgien 1824, ist als „Königin der Zentifolien“ eine bemerkenswerte Rose mit typischem, feinem Duft und großen, dicht gefüllten rosafarbenen Blüten im Juni. Eine Auswahl beliebter Sorten im Überblick:

Zentifolien in der Kunst

Literatur

Commons: Rosa × centifolia – Album mit Bildern

Einzelnachweise

  1. ↑ Vgl. Pschyrembel.
  2. ↑ Theodor Nietner: Die Rose: Ihre Geschichte, Arten, Kultur und Verwendung nebst einem Verzeichniss von fünftausend beschriebenen Gartenrosen. Wiegandt, Hempel & Parey, 1880, S. 50.
  3. ↑ Georg August Pritzel, Karl Friedrich Wilhelm Jessen: Die deutschen Volksnamen der Pflanzen: neuer Beitrag zum deutschen Sprachschatze. Philip Cohen, 1882, S. 340.
  4. ↑ Theophrastos: Historia Plantarum, Buch VI, Kapitel VI, Zweisprachige Ausgabe von Sir Arthur Hort, 1916, Vol. 2 Seite 38
  5. ↑ Johann Daniel Denso, Übersetzung von Plinius: Naturalis historia (ca. 77 n. Chr.), 1765, Band 2 Seite 224
  6. ↑ David Austin: Alte Rosen und Englische Rosen, Dumont, Köln 1993, S. 52
  7. 1 2 3 4 5 Rosa centifolia, Artikel auf der Website der International Dendrology Society online (englisch; Abruf am 4. Februar 2020)
  8. ↑ David Austin: Alte Rosen und Englische Rosen, Dumont, Köln 1993, S. 52
  9. ↑ Ute Bauer: Alte Rosen, Seite 21, München: BLV, 2005 ISBN 3-405-16713-2
  10. ↑ Grober Rosenhonig. In: Fyndling – Sammlung mittelalterlicher Kochrezepte. Abgerufen am 20. August 2026.
  11. ↑ Cod. Guelf. 42.3-5. Aug. 4°, fol. 259v. In: Wolfenbütteler Digitale Bibliothek, Herzog August Bibliothek. Abgerufen am 20. August 2026.
  12. ↑ Kraftwasser zum Destillieren. In: Fyndling – Sammlung mittelalterlicher Kochrezepte. Abgerufen am 18. September 2026.
  13. ↑ Rosenzucker herstellen. In: Fyndling – Sammlung mittelalterlicher Kochrezepte. Abgerufen am 18. September 2026.
  14. ↑ Augspurger Kochbuoch (Neudruck 1886), Bayerische Staatsbibliothek München, bsb00076173. In: Münchener DigitalisierungsZentrum. Abgerufen am 18. September 2026.
  15. ↑ Dr. Hurst nennt Rosa phoenicea statt Rosa damascena, doch gehört R. phoenicea zu den Vorfahren der Damaszener Rose. David Austin: Alte Rosen und Englische Rosen, Dumont, Köln 1993, S. 52
  16. ↑ Rosa hemisphaerica in: HelpMeFind (englisch; Abruf am 1. Oktober 2022)
  17. ↑ Nicht zu verwechseln mit der Bezeichnung 'Provins-Rose' für die Rosa gallica. David Austin: Alte Rosen und Englische Rosen, Dumont, Köln 1993, S. 24.