Koordinaten: 51° 29′ 14″ N, 9° 25′ 8″ O
Gauze ist die neuzeitliche Bezeichnung einer Dorfwüstung in der Gemarkung von Carlsdorf, einem Stadtteil von Hofgeismar im nordhessischen Landkreis Kassel. Sie befindet sich auf 176 m Höhe über NHN etwa 3 km südöstlich der Kernstadt Hofgeismar, rund 500 m westlich von Carlsdorf und unweit südlich der Landesstraße L 3229 von Carlsdorf nach Hofgeismar. Die Flurnamen „Gauzer Tor“, „Gauzer Seite“ und „Gauzer Kamp“ in der näheren Umgebung erinnern noch an die aufgegebene Siedlung.
Der Ort wurde im Jahre 965 unter der Bezeichnung Gotresdeshusun erstmals urkundlich erwähnt, als Kaiser Otto I. dem Mauritiuskloster in Magdeburg den Königshof Rosbach (Rösebeck) mit einer Anzahl dazugehöriger Orte und allem anderen Zubehör, darunter auch Gotresdeshusun, schenkte. Dabei wurde der Ort als in der Grafschaft des Grafen Elli I. im Hessengau liegend identifiziert (in pago Hassonum in comitatu Elli comitis). Als Teil der Herrschaft Schöneberg lag das Dorf im 13. Jahrhundert im Herrschaftsbereich der Grafen von Dassel, unter deren Oberhoheit die Herren von Schöneberg um die Mitte des 13. Jahrhunderts gefallen waren, und wurde, auf Druck der mainzischen Stadt Hofgeismar, 1272 mit der gesamten Herrschaft Schöneberg von Graf Ludolf V. von Dassel an Kurmainz verkauft.
Wichtigste Grundbesitzer im Ort waren die Edelherren von Schöneberg. Um 1000 wurde auch Besitz des Kanonissenstifts Hilwartshausen in Gauze erwähnt. Das in benachbarten Orten recht begüterte Kloster Lippoldsberg besaß in Gauze seit der Besitznahme des Dorfs durch Kurmainz den Feld- und Hubenzehnten als mainzisches Lehen. Eine dem Lippoldsberger Konvent gehörende und dem heiligen Georg geweihte Kapelle im Ort ist 1320 und noch 1439 beurkundet, ein Pleban noch 1464.
Der Ort wurde 1325 noch als Dorf bezeichnet, dann aber zogen die Bewohner, wie auch die anderer Siedlungen in der näheren Umgebung, allmählich in die nahe Stadt. Spätestens 1430, wahrscheinlich bereits früher, lag der Ort wüst.
Im Jahre 1686 ließ Landgraf Carl von Hessen-Kassel eine Anzahl von Hugenottenfamilien, die nach dem Edikt von Fontainebleau und der Aufhebung der Religionsfreiheit in Frankreich ihre Heimat verloren hatten, in der Nähe des aufgegebenen Dorfs ansiedeln. Es war die erste Ackerkolonie in Hessen für Glaubensflüchtlinge aus Frankreich und wurde nach dem Landgrafen „Carlsdorf“ genannt.