Gebirge Venezuelas

Reliefkarte Venezuelas mit den Venezolanischen Anden im Nordwesten, dem Venezolanischen Küstengebirge im Norden und dem Guayana-Schild im Südosten

Die Gebirge Venezuelas bestehen aus mehreren Gebirgszügen in nordwestlichen und nördlichen Bereichen sowie aus einem Gebirgshochland im Südosten. Der nordwestliche Gebirgszug sind die Venezolanischen Anden mit der Cordillera de Mérida, die auch die nordöstliche Verlängerung der Anden darstellen. Der nördliche Gebirgszug schließt östlich an die Cordillera de Mérida an und bildet das Venezolanische Küstengebirge. Das große Gebirgshochland wird vom Guayana-Schild repräsentiert. Die beiden Gebirgszüge sind insbesondere wegen ihrer Seismizität und starken Erdbeben auffällig.

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Venezolanische Anden

Karte der Venezolanischen Anden mit dem Maracaibo-Becken und dem Maracaibo-See

Die Venezolanischen Anden bilden ein Gebirgssystem der nördlichsten Ausläufer der Anden. Sie werden daher auch als Nordanden bezeichnet (siehe auch → Nordanden). Sie schließen nördlich an die kolumbianische Cordillera Oriental an. Die Venezolanischen Anden gliedern sich in die größere, geradlinig von Südwesten nach Nordosten erstreckende Cordillera de Mérida und kleinere, leicht von Südwesten nach Nordosten verlaufende Sierra de Perijá. Zwischen beiden befindet sich das Maracaibo-Becken mit dem Maracaibo-See.

Karte der Südamerikanischen Platte mit der Nasca-Platte

Die tektonische Entwicklung der Venezolanischen Anden steht im Zusammenhang mit der Bildung der Anden. Die Andenorogenese erfolgte in mehreren Phasen zwischen dem Jura vor etwa 150 bis 140 mya bis zum Eozän um etwa 45 mya und dem Miozän. Sie setzt sich jedoch weiter rezent fort. Ursache ist die Subduktion der Nasca-Platte unter die Südamerikanische Platte.

Cordillera de Mérida

Die Cordillera de Mérida zweigt von der kolumbianische Cordillera Oriental (siehe auch → Naturräume Kolumbiens) ab und erstreckt sich in nordöstlicher Richtung mit einer Länge von etwa 400 km und einer Fläche von ca. 40.000 Quadratkilometern (km²) von der Grenze zwischen Venezuela und Kolumbien im Südwesten bis zu dem Venezolanischen Küstengebirge im Nordosten am Rand zum Karibischen Meer. Die Cordillera de Mérida bedeckt den größten Teil der venezolanischen Bundesstaaten, beginnend in Táchira über Mérida und Trujillo. Die südöstlichen Flanken des Gebirges werden von Zuflüssen des Orinoco entwässert, während die Flüsse an den nordwestlichen Flanken in den Maracaibo-See münden. Im Zentrum dieses Gebirges befindet sich die namensgebende Stadt Mérida. Zwei Nebengebirge erstrecken sich zu beiden Seiten der Stadt: die Sierra de la Culata im Norden und die Sierra Nevada de Mérida im Süden. Der Pico Bolívar ist mit 4978 Metern der höchste Berg Venezuelas. Bekannt ist auch der zweithöchste Gipfel Pico Humboldt mit 4925 m, benannt nach Alexander von Humboldt.

Sierra de Perijá

Die Sierra de Perijá schließt an die kolumbianische Cordillera Oriental an und verläuft von dort in leicht nordöstlicher Richtung zwischen Kolumbien und Venezuela mit einer Länge von ca. 310 km, wo sie weiter nördlich auf der Guajira-Halbinsel endet. Sie bedeckt eine Fläche von ca. 500 km². Sie trennt den Maracaibo-See und dessen Einzugsgebiet vom Tal des Río Cojedes, einem Nebenfluss des Río Magdalena. Die Sierra de Perija bildet die östliche Grenze der kolumbianischen Región Caribe. Zu diesem Gebirgszug gehören die Serranía de Los Motilones, die Sierra Valledupar und die Sierra Oca. Die höchsten Erhebungen sind der Cerro Pintado mit ca. 3660 m und der Cerro Irapa mit ca. 2033 m, beide direkt an der Grenze zu Kolumbien.

Verwerfungen und Erdbeben

In den Venezolanischen Anden entwickelten sich die das Boconó-Verwerfungssystem und das Oca–Ancón-Verwerfungssystem.

Verlauf des Boconó-Verwerfungssystems und des Oca–Ancón-Verwerfungssystem

Boconó-Verwerfungssystem

Das Boconó-Verwerfungssystem ist bedeutendes Strukturelement mit einem rechtslateralen Blattverschiebungssystem, das sich über etwa 500 km Länge nordostwärts durch die venezolanische Cordillera de Mérida erstreckt. Die Ursache sind die NNO-Bewegungen des Kolumbianischen Massivs relativ zur stabilen Südamerikanischen Platte. Die kumulativen Verschiebungen erreichen bis zu etwa 80 km Länge mit Verschiebungsraten von ca. 0,5 bis 1 cm/Jahr. Es ist auffällig wegen seiner Erdbeben mit z. T. schweren Folgen. Erdbeben ereigneten sich zwischen etwa 1894 und 1894 n. Chr.

Oca–Ancón-Verwerfungssystem

Das Oca–Ancón-Verwerfungssystem ist ein Verwerfungskomplex, das sich zwischen dem Nordosten Kolumbiens und dem Nordwesten Venezuelas einerseits und zwischen der Karibischen Platte und der Südamerikanischen Platte andererseits erstreckt. Tektonisch bildet ein nahezu vertikales rechtslaterales Blattverschiebungssystem mit einer Länge von insgesamt etwa 550 km. Entlang dieser Verwerfungen ereigneten sich mehrere Oberflächenbruchereignisse zwischen etwa 7755 und 1945 mya. Die Bewegungsrate wird auf 2 Millimeter pro Jahr geschätzt und ist damit höher als die der meisten anderen Verwerfungen in Venezuela, verbunden damit sind z. T. starke Erdbeben.

Venezolanisches Küstengebirge

Das Venezolanische Küstengebirge ist ein Gebirgszugssystem am nordwestlichen Kontinentalrand der Südamerikanischen Platte und dem südöstlichen Rand der Karibischen Platte, wo es eine natürliche Barriere zum Karibischen Meerbildet. Es schließt an die nordöstlichen Ausläufer der Cordillera de Mérida der Venezolanischen Anden an und erstreckt sich etwa 800 km vom Bundesstaat Yaracuy ostwärts bis zur Paria-Halbinsel im Bundesstaat Sucre. Dieser Gebirgszug besteht aus der nördlichen Serranía del Litoral und der südlichen Serranía del Interior, die durch von Verwerfungen verlaufende Täler, wie das Caracs-Tal voneinander getrennt sind. Das Venezolanische Küstengebirge erhebt sich auf Höhen von über 2000 m mit dem höchsten Berggipfel des 2765 m hohen Pico Naiguatá im Nationalpark El Ávila in unmittelbarer Nachbarschaft zur Hauptstadt Caracas.

Verwerfungen und Erdbeben

Im Venezolanischen Küstengebirge entwickelte sich ein komplexes Verwerfungssystem, bestehend im Wesentlichen aus dem San-Sebastián- und El-Pilar-Verwerfungssystem sowie dem La Victoria-Verwerfungssystem. Ersteres verläuft zwischen dem nördlichen Kontinentalrand der Südamerikanischen Platte und dem südöstlichen Rand der Karibischen Platte und schließt überlappend südlich an das östliche Segment des Boconó-Verwerfungssystems an. Letzteres erstreckt sich südlich davon auf der Südamerikanischen Platte. Das San-Sebastián-, El-Pilar-Verwerfungssystem bildet ein kompressives, rechtslaterales Blattverschiebungssystem, das einen Großteil der dextralen Bewegung zwischen der Südamerikanischen Platte und der Karibischen Platte mit etwa 20 mm pro Jahr aufnimmt. Dessen Verschiebungen breiten sich weiter östlich in Verwerfungen um Trinidad aus. An diesem Plattengrenzensystem wurden mehrere große historische Erdbeben im Norden Venezuelas in Verbindung gebracht, darunter Ereignisse in den Jahren 1641, 1766, 1812, 1900 und 1967. Die letzten beiden Beben hatten eine Magnitude Mw von 7,6 bzw. 6,6. Das Doppelerdbeben am 24. Juni 2026 wurde verursacht durch zwei starke Blattverschiebungen im Nordwesten und im Zentrum Venezuelas. Das erste Beben hatte eine Magnitude Mw von 7,2, das zweite eine Magnitude Mw von 7,5. Die beiden Beben verursachten im ganzen Land, insbesondere in der Hauptstadt Caracas und vor allem in La Guaira, schwere Schäden und forderten viele Tote und Verletzte.

Guayana-Schild

Physische Karte des Guayana-Schildes

Der Guayana-Schild ist ein kratonartiger kontinentaler Krustenblock im Nordosten Südamerikas, der sich über etwa 2,5 Millionen Quadratkilometer in Teilen von Venezuela, Guyana, Suriname, Französisch-Guayana, Brasilien und Kolumbien erstreckt. Er ist Teil des größeren Amazonas-Kratons (Amazonian Craton).

Geographie

Die durchschnittliche Höhe des Guayana-Schildes beträgt etwa 270 m über dem Meeresspiegel. Geographisch zeichnet er sich insbesondere durch eine zerklüftete Topographie aus, darunter mehrere Hochlandgebiete mit Tafelbergen, Tepui genannt, die Höhe von über 2800 Metern erreichen können. Daneben breitem sich verschiedene Tieflandregionen aus mit ausgedehnten Flusssysteme, wie die des Orinocos und des Amazonas. Zudem entwickelten sich Savannen, von denen die Gran Sabana die größte ist.

Geologie und Tektonik

Der Guayana-Schild ist in mehrere geologisch/tektonische Hauptprovinzen unterteilt, darunter der neoarchaische Imataca-Komplex, der neoarchaische Tumucumaque-Komplex, der frühproterozoische Barama-Mazaruni-Grünsteingürtel, der neoarchaische bis frühpaläoproterozoische Supamo-Komplex, die sedimentäre paläoproterozoische Roraima-Supergruppe und die mittelproterozoischen Rapakivi-Granite.

Die tektonische und paläogeographische Entwicklung vom Guayana-Schild steht im Zusammenhang mit verschiedenen Superkontinentzyklen, beginnend vor etwa 2200 bis 1700 mya mit der Formierung des hypothetischen Superkontinents Columbia. In dieser Paläogeographie war der Amazonas-Kraton (Amazonian Craton) mit dem Westafrika-Kraton verbunden. In der weiten tektonischen Entwicklung wurde der Guayana-Schild Bestandteil von Rodinia, von Westgondwana und Pangaea. Nach dessen Zerfalls verblieb der Guayana-Schild im Nordosten des heutigen Kontinents Südamerika, wo er Teil vom Amazonas-Kraton bildet (siehe auch → Zerfall Gondwanas).

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