Gelbes Windröschen

Gelbes Windröschen

Gelbes Windröschen (Anemone ranunculoides)

Systematik
Ordnung: Hahnenfußartige (Ranunculales)
Familie: Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae)
Unterfamilie: Ranunculoideae
Tribus: Anemoneae
Gattung: Windröschen (Anemone)
Art: Gelbes Windröschen
Wissenschaftlicher Name
Anemone ranunculoides
L.

Das Gelbe Windröschen (Anemone ranunculoides) ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Windröschen (Anemone) innerhalb der Familie der Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae). Das gelbe Windröschen kommt vor allem in basenreichen Laubwäldern vor. Es ist allgemein seltener zu finden als das nahe verwandte Buschwindröschen, wächst dann aber gesellig.

Beschreibung

Blüte
Habitus

Das Gelbe Windröschen eine ausdauernde krautige Pflanze, die einen 10 bis 30 Zentimeter hohen, aufrechten Blütenstängel bildet. Zur Blütezeit zwischen März/April und Mai fehlen grundständige Blätter. Jedoch sitzen am Stängel in einem Quirl (Wirtel) drei kurz- oder ungestielte, jeweils dreiteilig eingeschnittene, gezähnte Hochblätter. Während das Buschwindröschen nur eine Blüte (selten zwei) pro Pflanzenexemplar entwickelt, werden beim Gelben Windröschen ein bis drei (meist zwei) Blüten pro Pflanzenexemplar gebildet. Die Blüte enthält fünf gelbe Perigonblätter und zahlreiche Staubblätter.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 32 oder 30.

Ökologie

Als Scheibenblume mit leicht zugänglichem Nektar wird sie von kurzrüsseligen Bienen, Schwebfliegen und Käfern bestäubt.

Durch das Angebot von Lock- und Futterstoffen in einem nährstoffreichen Anhängsel der Früchte, dem Elaiosom, werden Ameisen angelockt, die die Samen verschleppen und dadurch ausbreiten; diese Form der Ausbreitung heißt Myrmecochorie.

Das Gelbe Windröschen ist eine der Raupen-Futterpflanzen für den Anemonen-Blattspanner (Perizoma didymata LINNAEUS, 1758).

Giftigkeit

Das Gelbe Windröschen ist in allen Pflanzenteilen giftig. Hauptwirkstoffe sind Protoanemonin, das anscheinend beim Trocknen unwirksam wird, und andere unbekannte Giftstoffe. Vergiftungserscheinungen sind: Übelkeit, Durchfall, Blutungsneigung und Nierenschädigung. Die tödliche Dosis liegt bei 30 Pflanzen.

Vorkommen

Das Verbreitungsgebiet umfasst größere Teile im eher kontinentalen Europa, das Gelbe Windröschen fehlt auf den Britischen Inseln und entlang der Atlantikküste. Östlich ist es bis zum Kaspischen und Schwarzen Meer sowie im Kaukasus zu finden. Nahe verwandte Arten besiedeln Asien. Es wächst von der Ebene bis in mittlere Gebirgslagen (in Österreich in Höhenlagen bis zu 1350 Metern). Innerhalb Deutschlands ist eine großräumige Verbreitungslücke im nordwestdeutschen Tiefland vorhanden, während die kalkhaltigere, frühsommerwärmere Jungmoränenlandschaft Nordostdeutschlands sowie entsprechende Mittelgebirgsregionen in der Mitte und im Süden etwas stetiger besiedelt sind. In den Allgäuer Alpen steigt es in Bayern nördlich von Warth auf der Haldenwanger Alpe nahe der Speicherhütte in einer Höhenlage bis zu 1580 Meter auf.

Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 3 (mäßig feucht), Lichtzahl L = 2 (schattig), Reaktionszahl R = 3 (schwach sauer bis neutral), Temperaturzahl T = 4 (kollin), Nährstoffzahl N = 4 (nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 4 (subkontinental).

Das Gelbe Windröschen ist ein typischer Frühjahrsgeophyt, der die Krautschicht in Wäldern bildet, während die Bäume im Frühling noch kein Laub tragen. Insbesondere werden sickerfrische bis feuchte, nährstoff-, basen- und kalkreiche, tiefgründige, lehmige Mullböden in Buchen-Mischwäldern, Eichen-Hainbuchenwäldern, Auen- und Schluchtwäldern, regional auch in Erlen-Eschenwäldern sowie selten in Wiesen besiedelt. Es gedeiht in Gesellschaften der Verbände Alno-Ulmion, Carpinion, Fagion oder Tilio-Acerion. Das Gelbe Windröschen gilt als ökologisch anspruchsvoller hinsichtlich der Standortgegebenheiten als das Buschwindröschen, mit dem es syntop vorkommen kann.

Taxonomie

Die Erstveröffentlichung von Anemone ranunculoides erfolgte 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus I, Seite 541. Das Artepitheton kommt vom lateinischen Wort ranunculus = „Hahnenfuß“ und bezieht sich auf die hahnenfußähnlichen Blüten.

Trivialnamen

Für das Gelbe Windröschen sind oder waren, zum Teil nur regional, auch die Bezeichnungen Geelögschen (Schlesien), Goldhähnchen (Pommern, Schlesien), geele Haselblumen (Ostpreußen), gelbe Storchblumen (Mark Brandenburg), geele Waldhenle, gelbe Waldveilchen (Schlesien) und gelbe Waldviolen (Ostpreußen) gebräuchlich.

Habitat auf einer Wiese im Tal

Hybride

Treten das Gelbe Windröschen und das Buschwindröschen im selben Habitat auf, kommt es in seltenen Fällen zu Hybriden mit einer blassgelben Blütenfarbe. Die Hybride trägt den botanischen Namen Anemone ×seemenii. Synonyme Bezeichnungen sind Anemone ×intermedia (Bastard-Windröschen) oder Anemone ×lipsiensis Beck (Leipziger Windröschen). Unter letzterer Bezeichnung, die auf mehrere Vorkommen in der Nähe von Leipzig zurückgeht, ist diese Pflanze auch im Gartenhandel erhältlich.

Literatur

Einzelnachweise

  1. 1 2 Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. 8. Auflage. S. 402. Stuttgart, Verlag Eugen Ulmer, 2001. ISBN 3-8001-3131-5.
  2. 1 2 Anemone ranunculoides L. (Gelbes Windröschen) auf FloraWeb.de
  3. ↑ Erhard Dörr, Wolfgang Lippert: Flora des Allgäus und seiner Umgebung. Band 1, IHW, Eching 2001, ISBN 3-930167-50-6, S. 525.
  4. ↑ Anemone ranunculoides L. In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am 28. März 2022.
  5. ↑ Georg August Pritzel, Carl Jessen: Die deutschen Volksnamen der Pflanzen. Neuer Beitrag zum deutschen Sprachschatze. Philipp Cohen, Hannover 1882, Seite 30, eingescannt.
Commons: Gelbes Windröschen (Anemone ranunculoides) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien