Gämswurzen

Gämswurzen

Kalk-Gämswurz (Doronicum glaciale subsp. calcareum)

Systematik
Euasteriden II
Ordnung: Asternartige (Asterales)
Familie: Korbblütler (Asteraceae)
Unterfamilie: Asteroideae
Tribus: Senecioneae
Gattung: Gämswurzen
Wissenschaftlicher Name
Doronicum
L.

Die Gämswurzen (Doronicum), auch Gamswurzen und Gemswurzen genannt, sind eine Pflanzengattung innerhalb der Familie der Korbblütler (Asteraceae). Die etwa 35 Arten sind in Eurasien und Nordafrika verbreitet. Sorten weniger Arten werden als Zierpflanzen für Parks und Gärten in den Gemäßigten Breiten verwendet.

Beschreibung

Illustration aus Sturm der Kriechenden Gämswurz (Doronicum pardalianches)
Illustration aus Atlas der Alpenflora, 1882 der Österreichischen Gämswurz (Doronicum austriacum)
Blütenkörbe von der Seite mit den Hüllblättern des Involucrum von Doronicum carpetanum
Blütenkorb mit gelben Strahlen- und Röhrenblüten von Doronicum orientale
Achänen von Doronicum orientale

Vegetative Merkmale

Die Gämswurz-Arten sind ausdauernde krautige Pflanzen, die Wuchshöhen von meist 10 bis 60 (selten bis 90, und nur in Ausnahmen über 150) Zentimetern erreichen. Sie bilden meist Rhizome aus. Die Stängel sind einfach oder wenig verzweigt.

Die gestielten oder sitzenden Laubblätter stehen grundständig oder wechselständig am Stängel verteilt. Die einfache Blattspreite ist meist elliptisch, lanzettlich, eiförmig-kreisförmig oder eiförmig, selten länglich, geigen- oder spatelförmig. Die Blattflächen sind kahl oder spinnwebartig bis weich, manchmal drüsig-flaumig behaart, besonders entlang der Blattadern. Der Blattrand ist glatt, gekerbt oder gezähnt.

Generative Merkmale

Die meist relativ großen körbchenförmigen Blütenstände stehen einzeln oder zu mehreren in schirmtraubigen Gesamtblütenständen auf oft langen, drüsig-flaumig behaarten Blütenstandsschäften zusammen. Die Blütenstandshülle ist glockenförmig bis halbkugelig oder breiter und 22 bis 40 Millimetern groß. Die 21 bis über 30 haltbaren, aufrechten bis ausgebreiteten Hüllblätter stehen in zwei bis mehr als drei Reihen, frei oder fast frei, lanzettlich bis lineal oder pfriemförmig, mehr oder weniger gleich, deren Ränder oft bewimpert aber selten trockenhäutig sind. Die Blütenstandsböden sind konvex gewölbt bis halbkugelig und enthalten keine Spreublätter, häufig aber kurze Haare.

Die Blütenkörbe enthalten stets Röhren- und Zungenblüten. Am Rand steht eine Reihe aus selten 13 bis, meist 21 bis über 40 (bei gefülltblühenden Kulturformen sind es mehr) Zungenblüten, die weiblich und fertil sind. Innen stehen selten 50 bis, meist 100 bis über 250 Röhrenblüten (= Scheibenblüten), die zwittrig und fertil sind. Die fünf gelben Kronblätter sind röhrig verwachsen.

Die abgeflachten, breit verkehrt-eiförmigen Achänen sind fünf- oder zehnrippig, kahl oder behaart. Der haltbare Pappus besteht aus 40 bis 60 weißen bis strohfarbenen bärtigen Borsten, die in ein bis zwei Reihen stehen. Manchmal fehlt bei Zungenblüten ein Pappus, beispielsweise bei der Kriechenden Gämswurz (Doronicum pardalianches).

Die Chromosomengrundzahl beträgt x = 30.

Ökologie

Die Ausbreitung der Diasporen, es sind die Achänen, erfolgt durch Wind.

Doronicum orientale Sorte ‘Little Leo’

Vorkommen

Das weite Verbreitungsgebiet der Gattung Doronicum umfasst Eurasien und Nordafrika (Marokko und nordöstliches Algerien). Etwa zwölf Arten sind in Europa heimisch. Im deutschsprachigen Raum kommen Österreichische Gämswurz (Doronicum austriacum), Clusius-Gämswurz, auch Zottige Gämswurz (Doronicum clusii), Herzblättrige Gämswurz (Doronicum columnae), Großblütige Gämswurz (Doronicum grandiflorum) und Kriechende Gämswurz (Doronicum pardalianches) vor.

Doronicum-Arten gedeihen in Wäldern, auf offenen felsigen Standorten mit feuchten Böden, Wiesen und in der Nähe von Fließgewässern in Höhenlagen von 0 bis 5000 Metern.

Einige Arten werden als Zierpflanzen genutzt und verwildern manchmal. In Nordamerika gibt es nur Bestände von verwilderten Arten: Doronicum orientale, Doronicum plantagineum, Doronicum pardalianches.

Habitus und Blütenkörbe der Österreichischen Gämswurz (Doronicum austriacum)
Doronicum carpetanum
Clusius-Gämswurz (Doronicum clusii)
Habitus und Blütenkörbe der Herzblättrigen Gämswurz (Doronicum columnae)
Blätter und Blütenkörbe von Doronicum corsicum
Habitus und Blütenkörbe der Großblütigen Gämswurz (Doronicum grandiflorum)
Kaukasus-Gämswurz (Doronicum orientale)
Blütenkorb im Detail von Doronicum turkestanicum

Systematik und Verbreitung

Der Gattungsname Doronicum wurde 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus II, Seite 885–886 erstveröffentlicht. Typusart ist Doronicum pardalianches L. Der Gattungsname Doronicum wurde vor Carl von Linné für mindestens sechs Pflanzenarten verwendet.

Der älteste Beleg für die Herkunft des Gattungsnamens Doronicum ist das mittelfranzösische Wort deronic in einem von Olivier de La Haye übersetzten Gedicht (Poème sur la Grande Peste) von 1425, das angeblich auf eine arabisch-persische Quelle zurückgeht. Wahrscheinlich haben sich die arabischen und persischen Bezeichnungen lediglich auf ebenfalls goldgelbe Blüten bezogen. Derart lässt sich der Name dann vom altpersischen daraniya für Gold ableiten.

Die Gattung Doronicum gehört zur Tribus Senecioneae in der Unterfamilie Asteroideae innerhalb der Familie Asteraceae.

Es gibt 26 bis 35 oder bis zu 40Doronicum-Arten (Auswahl):

Historische medizinische Anwendung

Nach John Gerard (1545–1612) war die Wurzel der Gämswurz (englischer Name Leopard's Bane) giftig für Tiere wie Panther, Schweine, Wölfe, aber nicht für Menschen. Tabor nimmt daher an, dass es sich bei der Pflanze, mit der Imogen in Shakespeares Cymbeline in einen totenähnlichen Schlaf versetzt wird, um Gämswurz handeln könne.

Nicholas Culpeper (1616–1654) klassifiziert die Gämswurz (keine Art angegeben) als heiß und trocken. Die Wurzel stärke das Herz und schütze vor der Pest. Ferner helfe sie bei Schwindel, gegen den Biss giftiger Tiere, nach der Einnahme von zu viel Opium und gegen Lethargie.

Quellen

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 Ines Álvarez Fernández: Systematics of Eurasian and North African Doronicum (Asteraceae: Senecioneae). In: Annals of the Missouri Botanical Garden. Band 90, Nr. 3, 2003, S. 319–389. doi:10.2307/3298534 eingescannt bei biodiversitylibrary.org.
  2. ↑ Carl von Linné: Species Plantarum, 2, 1753, S. 885–886 eingescannt bei biodiversitylibrary.org.
  3. ↑ Helmut Genaust: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. 3., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Nikol, Hamburg 2005, ISBN 3-937872-16-7 (Nachdruck von 1996).
  4. 1 2 3 4 5 6 7 8 Yilin Chen, Bertil Nordenstam: Doronicum S. 372–374 In: Tribe Senecioneae. S. 371–496 – textgleich online wie gedrucktes Werk, In: Wu Zheng-yi, Peter H. Raven & Deyuan Hong (Hrsg.): Flora of China, Volume 20 – Asteraceae, Science Press und Missouri Botanical Garden Press, Beijing und St. Louis, 2011. ISBN 978-1-935641-07-0
  5. 1 2 3 4 5 6 7 8 Eintrag bei Werner Greuter, Eckhard von Raab-Straube (Hrsg.): Compositae. In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity.
  6. ↑ Eintrag in der Flora of Nepal.
  7. ↑ John Gerarde, The Herball or General Historie of Plantes. London, Norton, 1597, 619-622
  8. ↑ Edward Tabor, Plant Poisons in Shakespeare. Economic Botany 24/1, 1970, 86
  9. ↑ Nicholas Culpeper, Culpeper's Complete Herbal, A book of remedies for ancient ills. Ware, Wordsworth 1995, 312

Literatur für die in Mitteleuropa vorkommenden Arten

Commons: Gämswurzen (Doronicum) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien