Genoveva Edroza-Matute (* 3. Januar 1915 in Santa Cruz, Manila; † 21. März 2009 in Quezon City) war eine philippinische Autorin und Lehrerin. Bis 1980 diente sie als Dekanin der Filipino-Fakultät am Philippine Normal College, wo sie sich um die Förderung der philippinischen Sprache verdient machte. Als erste Philippinerin gewann sie im Jahr 1951 den Palanca Award für Kurzgeschichten auf Filipino für Kuwento ni Mabuti, die am meisten in Anthologien veröffentlichte Geschichte auf Tagalog.
Genoveva Dizon Edroza war die Tochter von Anastacio Edroza und Maria Magdalena Dizon. Sie besuchte zunächst die Manila North High School, die später umbenannt wurde in Arellano High School. Im Anschluss besuchte sie die Philippine Normal School (PNS) und das Philippine Normal College (PNC), wo sie das Zertifikat als Grundschullehrerin erwarb. 1946 erlangte sie den Bachelor of Engineering und 1949 den Master of Arts an der Universität Santo Tomas. Nach ihrem Abschluss arbeitete sie als Lehrerin für Englisch und Filipino, sowohl an der Cecilio Apostol Elementary School, als auch der inzwischen umbenannten Arellano High School. Insgesamt unterrichtete sie für 46 Jahre. Während ihres Unterrichts war es ihr wichtiger, die Botschaft und Hauptbedeutung von Texten mit ihren Schülern zu ergründen, als bloße Fakten auswendig zu lernen. In einer Rede im Jahr 1956 erklärte sie:
“It is unfortunate that literature is not like other subjects the efficacy of which can be measured through experiments and tests. Our tests can only measure howe well we remember facts like: Who wrote that? Who is the main character? How many children does So-and-so have? What happened to the eldest child? The youngest? But no test can measure the impact of literature on the person. And what are the effects of literature? Perhaps the student will become more considerate of other people. Perhaps she now understands herself more. Perhaps she brings herself closer to the truth, to beauty, and to the light.”
„Unglücklicherweise ist Literatur nicht wie andere Fächer, deren Wirksamkeit durch Experimente und Tests gemessen werden kann. Unsere Tests können nur messen, wie gut wir uns an Fakten erinnern wie: Wer hat das geschrieben? Wer ist der Hauptcharakter? Wie viele Kinder hat So-und-so? Was geschieht mit dem ältesten Kind? Mit dem jüngsten? Aber kein Test kann die Auswirkung von Literatur auf eine Person messen. Und was sind die Effekte von Literatur? Vielleicht wird die Studentin rücksichtsvoller mit anderen Menschen. Vielleicht versteht sie sich selbst jetzt besser. Vielleicht rückt sie näher zur Wahrheit, zur Schönheit, zum Licht.“
Matute lag insbesondere die Förderung ihrer Muttersprache Tagalog und der Nationalsprache Filipino am Herzen. Bei Konferenzen fiel ihr auf, dass das Thema zwar die philippinische Sprache war, aber die Konferenz nicht in der Nationalsprache stattfand. Sie erlangte schließlich im Jahr 1964 an der Universität Santo Tomas den Doktortitel. Im PNC übernahm sie den Vorsitz der philippinischen Fakultät und somit die Lehrplangestaltung. Auf diese Weise beeinflusste sie nachhaltig die Förderung und Standardisierung der philippinischen Sprache sowie die Studien der philippinischen Literatur. Bis zum Jahr 1980 diente sie als Dekanin ihrer Fakultät.
Ab dem Jahr 1936 begann Matute zu schreiben, teils in Englisch, teils in Tagalog. In einer Zeit, da der Großteil der philippinischen Literatur in Spanisch oder Englisch abgefasst wurde, war es unüblich, in einer philippinischen Sprache zu schreiben. Mit ihrer Arbeit legte Matute einen Grundstein für Literatur auf Tagalog, der andere Autoren ermutigte, die Vielseitigkeit ihre Nationalsprache zu erforschen. Insgesamt schrieb sie 23 Bücher auf Tagalog, darunter drei Lehrbücher.
Viele ihrer Geschichten wurden für Schulen zur Pflichtlektüre. Am bekanntesten ist ihre Kurzgeschichte Kuwento ni Mabuti (deutsch: Die Geschichte von Mabuti), die in unzählige Anthologien aufgenommen wurde. Für die Geschichte erhielt sie als erste Philippinerin im Jahr 1951 den neu gestifteten Carlos Palanca Memorial Award for Literature im Bereich Kurzgeschichten in philippinischer Sprache. Sprachstil und Struktur der Geschichte wurden für nachfolgende Autoren ein Vorbild, womit sie direkten Einfluss auf die Tagalog-sprachige Literatur hatte. Von Literaturkritikern und Lehrkörpern wird Kuwento ni Mabuti daher oft als Maßstab für philippinische Kurzgeschichten zitiert. Der Kritiker Teodoro Agoncillo schrieb über Matute:
„In ihrem Werk liegen die Standhaftigkeit des Mulawin-Baumes, die Schönheit der lächelnden Morgendämmerung, die Melancholie der Abenddämmerung, die Gelassenheit der Mitternacht und das Geheimnis der frühen Morgenstunden.“
Typisch für Matutes Werke waren fiktionale Szenen aus der philippinischen Geschichte, in denen sie die sozialen und kulturellen Umstände ihres Landes beleuchtete. Andere Geschichten beschäftigten sich intensiv mit dem Innenleben philippinischer Schüler und Lehrer. Weiterhin schrieb sie über den Alltag und die gesellschaftlichen Pflichten philippinischer Frauen. In den 1950ern entwickelte und produzierte Genoveva Matute zudem das Programm Die Geschichte der Knaben, das sowohl im Radio als auch auf diversen Fernsehprogrammen übertragen wurde und sich großer Beliebtheit erfreute. Ihr Werk nahm somit eine Brückenfunktion ein, das sowohl traditionelle Erzählstrukturen als auch moderne Selbstbetrachtungen verwendete und maßgeblich am Aufbau der philippinischen Identität beteiligt war.
1954, im Alter von 39 Jahren, heiratete Genoveva Dizon Edroza den Journalisten Epifanio Matute, der das beliebte Radio- und TV-Programm Kuwentong Kutsero produzierte. Die Ehe blieb kinderlos.
Genoveva Matute überlebte ihren Ehemann für eine unbestimmte Zeit. Sie selbst starb am 21. März 2009 im Alter von 94 Jahren und wurde am 25. März auf dem Manila North Cemetery beigesetzt.
Bis zum Jahr 1961 gewann Genoveva Matute viermal den Carlos Palanca Memorial Award. Zusätzlich erhielt sie den Republic Literary Award und den Outstanding Citizen Award der Städte Quezon City und Manila.
Am 3. Januar 2020 wurde Genoveva Matute anlässlich ihres 105. Geburtstags mit einem Doodle geehrt.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Matute, Genoveva |
| ALTERNATIVNAMEN | Edroza-Matute, Genoveva; Dizon Edroza, Genoveva |
| KURZBESCHREIBUNG | philippinische Autorin |
| GEBURTSDATUM | 3. Januar 1915 |
| GEBURTSORT | Manila |
| STERBEDATUM | 21. März 2009 |
| STERBEORT | Quezon City |