Georg Schiele

Georg Schiele

Georg Wilhelm Schiele (* 17. November 1868 in Naumburg; † 28. September 1932) war ein deutscher Politiker (DNVP).

Leben und Wirken

Deutsches Kaiserreich (1868 bis 1918)

Georg Schiele entstammte einer bürgerlichen Familie aus Naumburg. Sein Cousin war der Politiker und Reichsinnenminister Martin Schiele.

In seiner Jugend besuchte Schiele das Domgymnasium in Naumburg. Nach dem Abitur studierte er Medizin an den Universitäten Jena, München, Halle und Berlin. Anschließend arbeitete er als Arzt in Seehausen, dann als Assistenzarzt am Diakonissenhaus in Halle. 1903 ließ Schiele sich schließlich als selbständiger Arzt in Naumburg nieder. Erste politische Aktivität entfaltete er während dieser Zeit als führendes Mitglied des Alldeutschen Verbandes. Von 1905 bis 1909 bekleidete erstmals ein öffentliches Amt als Mitglied der Stadtverordnetenversammlung in Naumburg.

Am Ersten Weltkrieg nahm Schiele zunächst als Arzt beim Landwehr-Infanterie-Regiment 46 in der Armeeabteilung Worysch teil. Danach wurde er als Chirurg im Landwehr-Feldlazarett 22 eingesetzt. Für diese Tätigkeit wurde er mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse ausgezeichnet.

Seit 1917 war Schiele ausschließlich politisch und publizistisch tätig: Während der restlichen Dauer des Krieges gehörte er politisch der von seinem Freund Wolfgang Kapp mitbegründeten Vaterlandspartei an, in der er das Amt des Hauptgeschäftsführers übernahm.

Weimarer Republik (1919 bis 1932)

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Schiele zunächst Mitglied der Nationalen Vereinigung und bald darauf der Deutschnationalen Volkspartei. Schiele kandidierte bei der Reichstagswahl am 6. Juni 1920 erfolglos für einen Sitz im Reichstag.

Bereits im März 1920 hatte Schiele sich am Kapp-Putsch in Berlin beteiligt. In der kurzlebigen Putsch-Regierung bekleidete er das Amt des Wirtschaftsministers. Im Prozess gegen die Führer des Putsches (Jagowprozess) wurde Schiele freigesprochen.

Als enger Freund von Alfred Hugenberg betätigte Schiele sich in den 1920er Jahren in Hugenbergs Telegraphen-Union. Für die DNVP führte Schiele zeitweise den Landesverband von Merseburg. Er erhielt bei der Reichstagswahl am 14. September 1930 einen Sitz im Reichstag und hatte diesen bis zur Reichstagswahl im Juli 1932 inne. Als Schiele 1929 die Landvolkpartei wegen ihrer „Undankbarkeit“ gegenüber der DNVP rhetorisch scharf angriff, erklärte die Landvolkpartei, jede Zusammenarbeit mit der DNVP im Reichsausschuss aufzukündigen; bald darauf gelang aber eine Aussöhnung.

Publizistische Tätigkeit

Seit 1895 betätigte Schiele sich als Schriftsteller auf volkswirtschaftlichem Gebiet: In der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg schrieb er unter anderem für den Grenzboten und die Preußischen Lehrbücher. Während des Krieges begann er eine rege Tätigkeit als Autor von Informationsschriften und Broschüren, die bis zu seinem Tod 1932 anhielt. Seit 1917 gab er zudem die Naumburger Briefe heraus.

Schiele schrieb vor allem über Themen wie Wohnungswesen, innere Kolonisation und Sozialversicherung. Insbesondere verfocht er eine völkische Agrarpolitik, die eine wirtschaftliche Autarkie verwirklichen sollte.

Schiele war Mitglied der Akademie gemeinnütziger Wissenschaften zu Erfurt.

Schriften

Einzelnachweise

  1. ↑ Reinhold Weber: Konservative Politik im Übergang vom Kaiserreich zur Weimarer Republik, 2001, S. 235.
  2. ↑ Eugene Davidson: The Making of Adolf Hitler: The Birth and Rise of Nazism, 1997, S. 147.
  3. ↑ Heidrun Holzbach: Das "System Hugenberg", 1981, S. 117.
  4. ↑ Reinhold Quaatz: Die Deutschnationalen und die Zerstörung der Weimarer Republik. Aus dem Tagebuch von Reinhold Quaatz 1928–1933, 1989, S. 77.
  5. ↑ voller Titel: Eiserne Ration Naumburger Briefe zur Verteidigung der wirtschaftlichen Freiheit.
  6. ↑ europeana.eu
  7. ↑ europeana.eu
Personendaten
NAME Schiele, Georg
ALTERNATIVNAMEN Schiele, Georg Wilhelm (vollständiger Name)
KURZBESCHREIBUNG deutscher Politiker (DNVP), MdR
GEBURTSDATUM 17. November 1868
GEBURTSORT Naumburg
STERBEDATUM 28. September 1932