Georg Keil

Georg Keil (* 21. September 1905 in Jauer, Provinz Schlesien; † 18. Mai 1990 in Kiel) war ein deutscher Volkswirt und Raumplaner. Georg Keil kam aus der bündischen Jugendbewegung, befasste sich seit Mitte der 1930er Jahre mit Raumordnung und Landesplanung, regionaler Strukturpolitik, der Entwicklung von Siedlungsstrukturen und Großstadt-Umland-Problemen. Als Leiter der Landesplanungsbehörde in Kiel arbeitete Keil an amtlichen Schriften der Landesplanung in Schleswig-Holstein mit.

Ausbildung und frühe Weggefährten

1927 schloss Georg Keil ein Studium der Rechts- und Staatswissenschaften an den Universitäten Breslau, Wien und Kiel (1924–1927) als Diplom-Volkswirt ab. 1931 wurde er zum Dr. sc. pol. an der Universität Kiel promoviert. In den Jahren 1930 bis 1933 arbeitete Keil als Lehrer und wissenschaftlicher Mitarbeiter in Löwenberg. Er befasste sich in dieser Zeit vor allem mit Fragen der Arbeitslager-Bewegung. Georg Keil leitete das „Grenzvolksschulheim Boberhaus“ in Löwenberg/Schlesien. Geht die Akademie für Raumforschung und Landesplanung von einer Leitungsfunktion Keils seit 1931 aus, so nennt Walter Greiff den 1. Januar 1933. Mitte Juni 1933 habe Greiff dann Georg Keil in der Leitung des Heims abgelöst. Unter dem Druck der schlesischen NSDAP musste Keil bereits Monate zuvor sein Amt Ende April 1933 niederlegen. In einer weiteren Veröffentlichung werden die Jahre 1932/1933 für Keils Leitungsfunktion genannt.

Um das Grenzvolksschulheim hatte sich seit Mitte der 1920er Jahre der „Boberhaus-Kreis“ gebildet, dem u. a. Adolf Reichwein, Artur von Machui, Hans Raupach, Heinz Beutler und Eugen Rosenstock-Huessy angehörten (s. dazu auch: Löwenberger Arbeitsgemeinschaft, Schlesische Jungmannschaft, Kreisauer Kreis).

Diverse Reisen führten Mitglieder der Schlesischen Jungmannschaft nach Südosteuropa. Nach Jürgen von der Trappen leitete Georg Keil (in Vertretung von Adolf Reichwein) die Studienfahrt von 1929 durch Südosteuropa. Am Boberhaus wurden Südosteuropa-Kollegs abgehalten (1932, 1934, 1935), über die Keil zum Teil berichtete. Der Leipziger Soziologe Gunther Ipsen startete in Verbindung mit der Jungmannschaft seine "Soziologischen Dorfwochen" (1930/1931). Über Kontakte Leipziger Sozialwissenschaftler nach Rumänien kamen auch dorfsoziologische Arbeitsmethoden nach Deutschland. Wechselbeziehungen zwischen Landesplanung, Raumforschung und Soziologie blieben durch (ehemalige) Leipziger Sozialwissenschaftler auch im ersten Nachkriegsjahrzehnt bestehen (Hans Freyer, Karl Heinz Pfeffer, Hans Jürgen Seraphim, Hans Linde, Erich Dittrich, Karl C. Thalheim, Wolfgang Schmerler u. a.).

Georg Keil setzte sich nach Peter Dudek für die Teilnahme von Frauen an der Arbeitslagerbewegung ein, offenbar auch durch die Unterstützung von Magdalena Keil.

Im Rahmen des Dorfforschungsprojekts Rogau-Rosenau leitete Georg Keil gemeinsam mit Hans Raupach im September 1931 die Dorfwoche in Märzdorf.

Georg Keil wurde Ende 1933 zum Leiter der neu gegründeten Bauernschule Groß-Bölkau bei Danzig ernannt. Er blieb in dieser Funktion bis Mitte 1935.

Einmündung in die NS-Landesplanung

1935 erschien Keils Dissertation „Das niederschlesische Industriegebiet. Seine Entwicklung und Notlage“ (Berlin). Zwischen 1937 und 1939 wirkte Georg Keil als Bezirksplaner bei der Regierung in Köslin (Koszalin), zuvor habe er sich vergeblich in der schlesischen Landesplanung beworben. Von 1940 bis 1942 war Keil Dezernent beim Generalreferenten für Raumordnung in Danzig (Ewald Liedecke). In einer Quelle zum "Generalplan Ost" wird ein "Dr. Keil" erwähnt, der im Rahmen der Siedlungsplanung für die Ukraine sowohl für Rosenberg als auch für Himmler gearbeitet hätte (März 1943).

Nach 1945: Landesplaner in Schleswig-Holstein

In den Jahren 1945 und 1946 engagierte sich Georg Keil beim Aufbau des Wohnungs- und Flüchtlingsamtes für den Kreis Rendsburg sowie eines Kleingartenreferates beim Oberpräsidenten in Kiel (Theodor Steltzer). Keil baute wesentlich die Raumplanung, die nun vornehmlich als Landesplanung alleinige Ländersache geworden war, in Schleswig-Holstein auf (ab 1946). Keil stand der Kartograf Werner Witt bei dieser Aufgabe zur Seite.

Zunächst war Georg Keil stellvertretender Landesplaner von Schleswig-Holstein (bis 1949), ab dem gleichen Jahr (bis 1970) Leiter der Behörde. Keil wirkte an den amtlichen Schriften „Raumordnungsplan für Schleswig-Holstein von 1948“ (und nachfolgend des Plans im Jahr 1969) sowie am „Landesraumordnungsprogramm für Schleswig-Holstein“ (1967) mit.

Keil wirkte zudem an der Arbeitsgemeinschaft der Landesplaner, der ersten Konferenz für Raumordnung, in den Gremien der Ministerkonferenz für Raumordnung und im Gemeinsamen Landesplanungsrat Hamburg/Schleswig-Holstein mit.

In den Jahren 1960 bis 1965 war Georg Keil Vizepräsident der Akademie für Raumforschung und Landesplanung (ARL, Hannover). 1970 ging er in den Ruhestand.

Mitgliedschaften

Veröffentlichungen (Auswahl)

Literatur

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. ↑ Walter Greiff: Das Boberhaus in Löwenberg/Schlesien 1933–1937. Selbstbehauptung einer nonkonformen Gruppe. Thorbecke, Sigmaringen 1985, S. 22f., 57.
  2. ↑ Mit Bezugnahme auf Greiff 1970 und 1985: Peter Dudek: Erziehung durch Arbeit. Arbeitslagerbewegung und freiwilliger Arbeitsdienst 1920–1935, Westdeutscher Verlag, Opladen 1988, S. 131.
  3. ↑ Gespräch und Aktion in Gruppe und Gesellschaft: 1919 - 1969; Freundesgabe für Hans Dehmel; im Auftrag des Boberhauskreises hrsg. von Walter Greiff. Frankfurt/Main: dipa-Verl, 1970. Eine weitere Veröffentlichung nennt: 1930-1933: Jürgen von der Trappen: Die Schlesische Jungmannschaft in den Jahren 1922 bis 1932. Ein Beitrag zur Geschichte der deutschen Jugendbewegung. Diss., Universität-Gesamthochschule Essen 1996, Anhang: Biographische Daten von Jungmannschaftsmitgliedern. S. 111.; siehe auch Jantzen 1975, S. 173.
  4. ↑ Vgl. Jürgen von der Trappen: Die Schlesische Jungmannschaft in den Jahren 1922 bis 1932. Ein Beitrag zur Geschichte der deutschen Jugendbewegung. Diss., Universität-Gesamthochschule Essen 1996, S. 230–242 (hier: S. 236 ff.).
  5. ↑ Georg Keil: Südosteuropa-Kolleg im Boberhaus. In: Zwiespruch, 1932, Bl. 26, S. 308.
  6. ↑ Walter Greiff: Das Boberhaus in Löwenberg/Schlesien 1933–1937. Selbstbehauptung einer nonkonformen Gruppe. Thorbecke, Sigmaringen 1985, S. 32, 35; G.E. Marica: Dorfsoziologische Forschungen in Rumänien. In: Kölner Vierteljahreshefte für Soziologie 12 (1933), Heft 2, S. 127–138; Anton Golopenția: Die Information der Staatsführung und die überlieferte Soziologie. Brasov-Kronstadt 1937 (Diss. Leipzig 1936); Helmut Haufe: Methode und Einsatz der Dorfforschung in Rumänien. In: Zeitschrift für Volkskunde 47 (1938) N.F. 9, S. 300–307; Hanna Meuter: Soziologie des Dorfes. In: Geistige Arbeit 5 (1938), Heft 24, S. 7–8. Dazu auch: Jörg Gutberger: Volk, Raum und Sozialstruktur. Sozialstruktur- und Sozialraumforschung im "Dritten Reich". Münster u. a.: Lit 1996, S. 90–93, 110–123.
  7. ↑ Vgl. Peter Dudek: Erziehung durch Arbeit. Arbeitslagerbewegung und freiwilliger Arbeitsdienst 1920–1935, Westdeutscher Verlag, Opladen 1988, S. 155 f.
  8. ↑ von der Trappen 1996, S. 349 ff. (hier: S. 353).
  9. ↑ Walter Greiff: Das Boberhaus in Löwenberg/Schlesien 1933–1937. Selbstbehauptung einer nonkonformen Gruppe. Thorbecke, Sigmaringen 1985, S. 69.
  10. ↑ Vgl. auch: Georg Keil: Die Bauernhochschule Groß-Bölkau im Kreise Danziger Höhe 1933-1935. In: Hinrich Jantzen (Hrsg.): Namen und Werke. Biographien und Beiträge zur Soziologie der Jugendbewegung. Band 3. dipa-verlag, Frankfurt am Main 1975 (= Quellen und Beiträge zur Geschichte der Jugendbewegung. 12), S. 174–177.
  11. ↑ Czesław Madajczyk (Hg.): Vom Generalplan Ost zum Generalsiedlungsplan. K. G. Saur, München u. a. 1994, S. 507.
  12. ↑ Akademie für Raumforschung und Landesplanung (Hrsg.): 50 Jahre ARL in Fakten. Hannover: ARL 1996, S. 182.
Personendaten
NAME Keil, Georg
KURZBESCHREIBUNG deutscher Volkswirt und Raumplaner
GEBURTSDATUM 21. September 1905
GEBURTSORT Jauer, Provinz Schlesien
STERBEDATUM 18. Mai 1990
STERBEORT Kiel