Georg Wildmann

Wildmann bei der Festansprache zur Bibliotheks- und Archiveröffnung, Marchtrenk 2018

Georg Wildmann (* 29. Mai 1929 in Filipovo, deutsch Filipowa, Batschka, Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen; † 9. April 2022 in Linz) war ein österreichischer Hochschullehrer, Verbandsfunktionär und Autor von Büchern zur donauschwäbischen Geschichte.

Leben und Werk

Georg Wildmann war der älteste Sohn des Kaufmanns Karl Wildmann und dessen Ehefrau Anna, geborene König. Ein Vorfahre väterlicherseits, Fidelis Wildmann, zog 1763 von Sentenhart in das damalige Filipowa, heute Bački Gračac. Hier besuchte Wildmann vier Jahre die Volksschule, danach von 1940 bis 1944 die ersten vier Gymnasialklassen am Deutschen Gymnasium in Vrbas. Im November 1944 wurde er als „Volksdeutscher“ auf allgemeinen Beschluss des Antifaschistischen Rats der Nationalen Befreiung Jugoslawiens (AVNOJ) als Zwangsarbeiter interniert. Ab März 1945 verbrachte er 14 Monate in Arbeitslagern, darunter auch kurze Zeit in dem berüchtigten Lager Gakowa. Im August 1946 gelang ihm die Flucht nach Ungarn und im Dezember 1946 nach Österreich.

In Linz absolvierte er das Realgymnasium und studierte Philosophie und Theologie. An der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom setzte er seine Studien fort und erreichte 1953 das Licentiat in Philosophie und 1957 in Theologie. 1959 promovierte er zum Doctor theologiae. Seine Dissertation schrieb er über die Philosophisch-theologische Grundlegung des Solidarismus. Nach 1959 war er als Oberstudienrat hauptsächlich als Religions- und Philosophielehrer an Höheren Schulen tätig. Von 1971 bis 1974 war Wildmann ordentlicher Professor für Philosophie an der Philosophisch-theologischen Hochschule der Diözese Linz und hielt Vorlesungen in Logik, Wissenschaftstheorie, Sprachphilosophie und Philosophischer Ethik. 1956 wurde Wildmann in Rom zum Priester geweiht, im Herbst 1974 wurde ihm von Papst Paul VI. die Dispens vom Priesteramt gewährt.

Georg Wildmann war Vortragender in der Erwachsenenbildung. 1961 war er einer der Mitbegründer des Vereins der Filipowaer Ortsgemeinschaft in Österreich; ab 1982 bis 2016 war er Kulturreferent des Vereins; von 1966 bis 2016 war er als Redakteur für die Filipowaer Heimatbriefe verantwortlich. Von 1975 bis 1999 arbeitete er an der Strukturanalyse, Geschichte und Bilddokumentation seiner Heimatgemeinde Filipowa. In Zusammenarbeit mit Paul Mesli und Franz Schreiber sind zu diesem Thema zwischen 1978 und 1999 acht Text-Bildbände erschienen (Mesli/Schreiber/Wildmann: Filipowa – Bild einer donauschwäbischen Gemeinde). Er war Mitinitiator der 1983 gegründeten, länderübergreifenden Hauptversammlung der Filipowaer Ortsgemeinschaften (ARGE-Filipowa).

Ab 1975 beschäftigte er sich mit der Geschichte und Kultur der Donauschwaben und hielt Vorträge bei donauschwäbischen Kultur- und Gedenktagen in Salzburg, Wien, München, Dinkelsbühl, Sindelfingen, Stuttgart/Hohenheim, Berlin, Leutenbach, Speyer, Linz, Wels, Pasching, Leonding und Marchtrenk. Von 1996 bis 2019 war er Mitglied in der Vertreter-Versammlung der Donauschwäbischen Arbeitsgemeinschaft (DAG). 1996 war er zusammen mit Leopold Fink und Fritz Frank Hauptautor der Festschrift zur Eröffnung des Hauses der Heimat. Von 2002 bis 2005 war er Mitglied des Internen Wissenschaftlichen Beirates (IWB) des Felix-Ermacora-Instituts, einer Forschungsstätte für die Völker der Donaumonarchie in Wien.

Seit 1982 war Wildmann Mitglied der Vertreter-Versammlung der Münchner Donauschwäbischen Kulturstiftung; seit 1989 Mitglied des Vorstands und Mitarbeiter im Arbeitskreis Heimat- und Volksforschung; seit 1983 Mitglied der Donauschwäbischen Landsmannschaft in Oberösterreich und seit 1999 Stellvertreter des Obmanns. Zwischen 1995 und 2008 arbeitete er dort mit dem Kulturreferenten Oskar Feldtänzer zusammen und wurde dessen Nachfolger im Amt.

2004 wurde er von der Vorsitzenden des Bundes der Vertriebenen, Erika Steinbach, in den Wissenschaftlichen Beirat des Zentrums gegen Vertreibungen in Berlin berufen, dessen Mitglied er bis 2010 war. Von 2011 bis 2016 war er Mitglied des wissenschaftlichen Beirats des Donauschwäbischen Zentralmuseums in Ulm.

Seit 1983 arbeitete Wildmann als Sachbearbeiter und Autor der Donauschwäbischen Kulturstiftung an einem fünfbändigen Projekt mit dem Titel „Donauschwäbische Geschichte“. Er war Hauptredakteur des 2010 erschienenen Bandes III „Die Tragödie der Selbstbehauptung im Wirkfeld des Nationalismus der Nachfolgestaaten 1918–1944“ und des 2015 erschienenen Bandes IV „Flucht – Vertreibung – Verfolgung – Genozid. Der Leidensweg ab 1944“. Seit 2016 arbeitete Wildmann an Band V, wobei der Halbband I den Titel „Integration in Deutschland und Österreich“ trägt.

Mit seiner Ehefrau Erika (geb. Wendtner in Český Dub, Tschechoslowakei) organisierte er die alle drei Jahre stattfindenden Erinnerungstage der Heimatvertriebenen Oberösterreichs.

Georg Wildmann übereignete am 28. Mai 2018 in Marchtrenk mehr als 500 Bücher zur Vertreibung und Integration der Donauschwaben und seine wissenschaftlichen Unterlagen und Archivalien an die Donauschwäbische Bibliothek & Archiv Dr. Georg Wildmann.

Georg Wildmann verstarb am 9. April 2022 in Linz nach einer schweren Krankheit. Er hinterließ seine Ehefrau und zwei Kinder.

Auszeichnungen

Veröffentlichungen (Auswahl)

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Matthäus Fellinger: . In: kirchenzeitung.at vom 29. Mai 2018.
  2. ↑ Biografie Georg Wildmann. In: Landsmannschaft der Donauschwaben in Oberösterreich
  3. ↑ Gerald Nowak: Erinnerungstag der Heimatvertrieben. In: tips.at vom 6. Juni 2017.
  4. ↑ Donauschwäbische Bibliothek & Archiv Dr. Georg Wildmann. In: donauschwaben.bvoe.at
  5. ↑ Stadtgemeinde Marchtrenk macht Platz für einzigartige Dokumentation eines Linzer Historikers. In: nachrichten.at vom 24. Mai 2018.
  6. ↑ Ein wichtiger Platz in der Mitte unserer Landsmannschaft in OÖ ist leer. In memoriam Georg Wildmann. In: donauschwaben-ooe.at vom 14. April 2022.
  7. ↑ Karoline Ploberger: Ein großer Historiker hat seine letzte Geschichte geschrieben. In: nachrichten.at vom 16. April 2022.
  8. ↑ Ehrenkonsulent des Landes OÖ. Prof. OStR. Dr. Georg Wildmann, Linz. In: land-oberoesterreich.gv.at
Personendaten
NAME Wildmann, Georg
KURZBESCHREIBUNG österreichischer Hochschullehrer, Verbandsfunktionär, Autor
GEBURTSDATUM 29. Mai 1929
GEBURTSORT Bački Gračac, Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen
STERBEDATUM 9. April 2022
STERBEORT Linz