Georg von Below entstammte der alten Offiziers- und Beamtenfamilie von Below. Sein Großvater war der preußische GeneralleutnantGustav von Below. Seine Eltern waren Friedrich Karl Bogislav von Below (1825–1875) und dessen Ehefrau Maria Karoline Elisabeth, geborene von der Goltz (1835–1905). Der Vater war Flügeladjutant König Friedrich Wilhelms IV. und von 1849 bis 1852 Mitglied des Preußischen Herrenhauses.
An der Universität Bonn studierte Below u.a. bei dem Mediävisten Moriz Ritter und dem ihm bereits von Königsberg her bekannten Wilhelm Maurenbrecher. Georg von Below wurde 1883 in Bonn bei Ritter promoviert. An der Universität Marburg erfolgte 1886 seine Habilitation. 1886 erlangte er eine außerordentliche Professur in Königsberg und wurde 1891 ordentlicher Professor für Mittlere und Neuere Geschichte in Münster. Es folgten Berufungen nach Marburg (1897), Tübingen (1901) und schließlich 1905 nach Freiburg im Breisgau, wo er bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1924 lehrte.
Georg von Below und die Fabrikantentochter Minna Wiebel heirateten 1899. Der Ehe entstammten die Kinder Herta (1891–1963), Gerd (1893–1945), Ernst (1896–1915) und Werner (1899–1918).
Bedeutung
Below gilt heute als ein Hauptvertreter einer methodisch wie politisch konservativen deutschen Geschichtswissenschaft, der es am Ende des 19. Jahrhunderts und am Beginn des 20. Jahrhunderts gelang, methodische Innovationen abzublocken. Er trat als einer der Hauptgegner von Karl Lamprecht im Methodenstreit der Geschichtswissenschaft hervor. Seine Überzeugung, dass der starke Nationalstaat das wünschenswerte Ziel der Geschichte sei, weil allein er die „Wohlfahrt seiner Untertanen“ sichern könne, führte Below zu einer dezidiert wertenden Geschichtsschreibung. Der erste Teil seines als Standardwerk geplanten Buchs Der deutsche Staat des Mittelalters war daher eine Generalabrechnung mit abweichenden Ansichten (u.a. der Genossenschaftslehre Otto von Gierkes); ein zweiter Teil ist jedoch nie erschienen.
Auf der Basis seiner Geschichtsauffassung verteidigte Below als letzter ernstzunehmender Historiker 1927 noch einmal die These Heinrich von Sybels in der grundlegenden Kontroverse zwischen Sybel und Julius Ficker, wonach die Italien- und Kaiserpolitik des Mittelalters verhängnisvoll gewesen sei, da sie die Herausbildung eines deutschen Nationalstaates verhindert habe.
Below diskutierte mit Max Weber, dem Mitbegründer der deutschen Soziologie, den er sehr schätzte, intensiv Methodenfragen, wobei er die Soziologie als Sonderdisziplin ablehnte. Seine Soziologie-Kritik ging so weit, dass er die Installation erster soziologischer Lehrstühle nach 1918 als Maßnahme zur Herbeiführung des Sozialismus diffamierte. Dies löste scharfe Kontroversen mit Ferdinand Tönnies und Leopold von Wiese aus.
Laut Hermann Aubin entstammte der „romantische Idealismus“ in Belows Geschichtsauffassung „in erster Linie seiner überkommenen Religiosität lutherischer Prägung, in zweiter Linie seinem Nationalbewußtsein, das trotz seiner spezifisch preußischen Abkunft ganz allgemein deutsch war.“
Die Entstehung des ausschließlichen Wahlrechts der Domkapitel. Mit besonderer Berücksichtigung auf Deutschland (= Historische Studien, Heft 11). Verlag von Veit, Leipzig 1883 (Digitalisat).
Der Ursprung der deutschen Stadtverfassung. Voß, Düsseldorf 1892 (Digitalisat).
Die landständische Verfassung in Jülich und Berg bis zum Jahre 1511. Eine verfassungsgeschichtliche Studie. 3 (in 4) Teile. 1885–1891;
Teil 2: Die Zeit des bergischen Rechtsbuchs. In: Zeitschrift des Bergischen Geschichtsvereins. Band 22 = NF Band 12, 1886, S. 1–79 (Digitalisat; selbständig: Voß, Düsseldorf 1886, Digitalisat);
Teil 3: Geschichte der direkten Staatssteuern bis zum geldrischen Erbfolgekrieg. 1. In: Zeitschrift des Bergischen Geschichtsvereins. Band 23 = NF Band 13, 1887, S. 195–202 (Digitalisat; selbständig: Voß, Düsseldorf 1890);
Teil 3: Geschichte der direkten Staatssteuern bis zum geldrischen Erbfolgekrieg. 2. In: Zeitschrift des Bergischen Geschichtsvereins. Band 24 = NF Band 14, 1887, S. 39–55 (Digitalisat; selbständig: Voß, Düsseldorf 1891).
Das Duell und der germanische Ehrbegriff. Brunnemann, Kassel 1896 (Digitalisat).
Das ältere deutsche Städtewesen und Bürgertum (= Monographien zur Weltgeschichte. Band 6, ZDB-ID500713-6). Velhagen & Klasing, Bielefeld u. a. 1898 (Digitalisat).
Territorium und Stadt. Aufsätze zur deutschen Verfassungs-, Verwaltungs- und Wirtschaftsgeschichte (= Historische Bibliothek. Band 11, ZDB-ID986105-1). Oldenbourg, München u. a. 1900 (Digitalisat; 2., wesentlich veränderte Auflage. ebenda 1923).
Das parlamentarische Wahlrecht in Deutschland (= Kultur und Leben. Band 21, ZDB-ID256330-7). Curtius, Berlin 1909.
Der deutsche Staat des Mittelalters. Band 1: Die allgemeinen Fragen. Quelle & Meyer, Leipzig 1914.
Die deutsche Geschichtsschreibung von den Befreiungskriegen bis zu unseren Tagen. Geschichte und Kulturgeschichte. Quelle & Meyer, Leipzig 1916.
Probleme der Wirtschaftsgeschichte. Eine Einführung in das Studium der Wirtschaftsgeschichte. Mohr, Tübingen 1920 (Digitalisat).
als Herausgeber mit Hans von Arnim: Deutscher Aufstieg. Bilder aus der Vergangenheit und Gegenwart der rechtsstehenden Parteien. Franz Schneider, Berlin 1925 (3.–5. Tausend als: Deutschnationale Köpfe. Charakterbilder aus der Vergangenheit und Gegenwart der rechtsstehenden Parteien. Franz Schneider, Leipzig 1928).
Die italienische Kaiserpolitik des deutschen Mittelalters. Mit besonderem Hinblick auf die Politik Friedrich Barbarossas. Ein Beitrag zur Frage der historischen Urteilsbildung (= Historische Zeitschrift. Beiheft. Band 10). Oldenbourg, München u. a. 1927.
Ewald Grothe: Zwischen Geschichte und Recht. Deutsche Verfassungsgeschichtsschreibung 1900–1970 (= Ordnungssysteme. Studien zur Ideengeschichte der Neuzeit. Band 16) (Zugleich: Habilitations-Schrift Univ. Wuppertal 2003). Oldenbourg, München 2005, ISBN 3-486-57784-0.
Martha Mierendorff: Below, Georg von. In: Wilhelm Bernsdorf, Horst Knospe (Hrsg.): Internationales Soziologenlexikon. Band 1: Beiträge über bis Ende 1969 verstorbene Soziologen. 2. (neubearbeitete) Auflage. Enke, Stuttgart 1980, ISBN 3-432-82652-4, S. 27–28.
Otto Gerhard Oexle: Ein politischer Historiker. Georg von Below (1858–1927). In: Notker Hammerstein (Hrsg.): Deutsche Geschichtswissenschaft um 1900. Steiner-Verlag, Wiesbaden, Stuttgart 1988, ISBN 3-515-05059-0, S. 283–312.
Oskar Pusch: von Below. Ein deutsches Geschlecht aus dem Ostseeraum. (Auch als Reprint erschienen) (= Veröffentlichungen der Forschungsstelle Ostmitteleuropa im Lande Nordrhein-Westfalen (Ministerium für Arbeit, Gesundheit, Soziales). Reihe A, Nr. 27), Fruhauf-Distler-Bamberg, Dortmund/Oberhausen 1974, Tab. LXII, Bildportrait-Tafel XXVIII, u. S. 497–506.
↑Vgl. dazu besonders Marion Kreis: Karl Hegel. Geschichtswissenschaftliche Bedeutung und wissenschaftsgeschichtlicher Standort (= Schriftenreihe der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Band 84). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen u. a. 2012, ISBN 978-3-525-36077-4, S. 310 ff. (Zugleich: Erlangen-Nürnberg, Universität, Dissertation, 2010). Vgl. dazu E-Book und Leseprobe.
↑Hans Cymorek: Georg von Below und die deutsche Geschichtswissenschaft um 1900. Steiner, Stuttgart 1998, S. 75.
↑Titelblätter der ersten acht Jahrgänge der Zeitschrift „Deutsche Erneuerung“; Basisinformationen über die Zeitschrift: https://d-nb.info/01216867X; die Mitgliedschaft im Alldeutschen Verband erwähnt: Ascan Gossler: Publizistik und konservative Revolution. Das „Deutsche Volkstum“ als Organ des Rechtsintellektualismus 1918–1933, Lit Verlag, Münster 2001, S. 111.
↑Es erschien nur dieser Band. Michael O. Krieg: Mehr nicht erschienen. Band 1: A–L (= Bibliotheca Bibliographica. Band 2, Teil 1). Krieg, Bad Bocklet u. a. 1954, S. 61.