George Bowering wurde in Penticton, British Columbia, als Sohn der Eheleute Ewart Bowering und Pearl Brinson Bowering geboren und wuchs in der Nähe der Stadt Oliver auf, wo sein Vater als Chemielehrer an der örtlichen High School arbeitete.
Seinen Militärdienst leistete er 1954 bis 1957 als Fotograf bei der Royal Canadian Air Force ab.
Hatte die ostkanadische Literatur Ende der 50er Jahre, Anfang der 60er Jahre einen regelrecht aggressiven antiamerikanischen Unterton angenommen, so nahm diese experimentelle Gruppe von Lyrikern an der Westküste Kanadas in vollem Bewusstsein US-amerikanische Einflüsse auf. Diese Gruppe gründete damals das für Nordamerika stilbildende Avantgarde-Lyrik-Magazine TISH, das in Form eines Newsletters vertrieben wurde. In der Folge der nordamerikanischen „Black Mountain Poets“ am Black Mountain College in North Carolina wie Robert Creely, Robert Duncan und Charles Olson lehnten sie „konventionellen Formalismus und eine elitäre Bildungstradition zugunsten von Schlichtheit, Mündlichkeit und sprachspielerischer Schlichtheit ab.“
Diese freiere lyrische Sprache der „West Coast Poets“ machten sich in den folgenden Jahren völlig unterschiedliche Autorengruppierungen zunutze: Prosaschriftsteller der „mythopoetischen“ Richtung wie Margaret Atwood (The Circle Game, 1966) oder Michael Ondaatje (The Collected Works of Billy the Kid, 1970) und Robert Kroetsch (Seed Catalogue, 1977), experimentelle Dichter wie Douglas Babour, Bill Bissett, b.p. Nichol und Stephen Scobie. Fred Cogswell, Alden Nowlan und Al Purdy entwickelten aus den Grundlagen eine eher umgangssprachliche, regionalen Wurzeln verbundene Form der Lyrik.
Von 1963 bis 1966 dozierte er an der University of Calgary, die nächsten zwei Jahre an der Sir George Williams University und danach an der Simon Fraser University. Als Gastdozent weilte er an verschiedenen Universitäten in Kanada und den Vereinigten Staaten sowie in Rom, Berlin und Aarhus.
Bowering lebt in Vancouver, British Columbia und ist emeritierter Professor für Englische Literatur an der Simon Fraser University, wo er über 30 Jahre lang doziert hat.
Obwohl er niemals als Angehöriger einer bestimmten Kirche schrieb, hat er sich selbst ironisch als „baptistischerAgnostiker“ beschrieben.
Als der indische Dichter Malay Roy Choudhury in Kalkutta, Indien inhaftiert wurde, organisierte George Bowering eine Spezialausgabe des Literaturmagazins Imago, um den indischen Kollegen bei seinem Prozess zu unterstützen.
Der literarisch recht produktive Bowering hat rund 90 Bücher verfasst, wobei er neben der oben bereits angedeuteten Bedeutung die Begriffe „serial poem“ und „serial novel“ geprägt hat – letzteren seit seiner Trilogie Autobiology (1972), Curious (1973) und A Short Sad Book (1977). Ironische Stilbrüche finden sich häufig in seinen Werken. In Caprice (1987) kehrt er das für einen amerikanischen Western typische Ende um. An Stelle des männlichen Helden, der am Ende des Romans in Richtung Westen reitet, ließ Bowering eine Frau gen Osten ziehen. Seine Romane haben mit jenen Kroetschs, Susan Swans, Robertson Davies und Gwendolyn MacEwens es geschafft, „die Geschichte und Identität einer als mythenlos wahrgenommen Nation (…)zu erfinden.“
Piccolo Mondo. 1998 (zusammen mit Angela Bowering, Michael Matthews & David Bromige)
Diamondback Dog. 1998
Pinboy. Toronto, Cormorant, 2010.
Short Fiction
Autobiology. 1972
Fiddler’s Night. 1973
Flycatcher and Other Stories. 1974
Concentric Circles. 1977
Protective Footwear. 1978
A Place to Die. 1983
Einzelerz., Übers. Elfi Schneidenbach: Eine Kurzgeschichte, in Kolumbus und die Riesendame. Kurzgeschichten aus Kanada. Aufbau AtV, Berlin 1992, S. 281 – 293 (A Short Story)
The Rain Barrel. 1994
Standing on Richards. 2004
The Box. 2009
Gedichte, Langform
Baseball. Toronto, Coach House Press, 1967, 2003
Sitting in Mexico. Calgary, Beaver Kosmos, 1970
George, Vancouver. Kitchener, Weed/Flower, 1970
Geneve Toronto, Coach House, 1971
Autobiology. Vancouver, New Star, 1972. Vancouver, Pooka, 2006
Canadian Poetry Online: George Bowering – Biografie und 6 Gedichte (Van. Can., Hillside Sun, Musing on Some Poets, Wolf Between the Trees, There is, How Odd Men Are Really)
↑Linda Lamont-Stewart: George Bowering. In: Jeffrey M. Heath: Profiles in Canadian Literature, Band 7. Dundurn Press, Toronto 1991, S. 103.
↑Walter Pache: Die kanadische Literatur in englischer Sprache. In: Hauptwerke der englischen Literatur. Einzeldarstellungen und Interpretationen. Band 2. Das 20. Jahrhundert und die neuen Literaturen außerhalb Englands. Einzeldarstellungen und Interpretationen. Kindlers Neues Literatur Lexikon. Zusammengestellt von Henning Thies. Kindler Verlag München 1995, S. 506.
↑W. F. Garrett-Petts: A rhetoric of reading contemporary Canadian narratives. George Bowering, Margaret Atwood, and Robert Kroetsch. Phil. Diss. University of Edmonton 1992.
↑Ian Rae: From Cohen to Carson: the poet's novel in Canada. McGill-Queen's University Press, Montréal 2008.
↑Rudolf Beck, Hildegard Kuester, Martin Kuester (Hrsg.): Basislexikon anglistische Literaturwissenschaft. UTB, Paderborn u.a. 2007, S. 76.
↑ Birgit Neumann: Erinnerung – Identität – Narration: Gattungstypologie und Funktionen kanadischer "Fictions of Memory". de Gruyter, Berlin 2005, S. 11.