George Ettlinger

Ello George Ettlinger (* 5. Mai 1927 in Berlin; † 15. Dezember 1993 in Twyford) war ein deutsch-britischer Neuropsychologe und pensionierter Professor an der Universität Bielefeld.

Leben

Er wurde in einer jüdischen Familie in Deutschland geboren, konnte aber nach Großbritannien emigrieren. Dort besuchte er die St. Edward’s School in Oxford. Danach studierte er als Mitglied des Royal Tank Regiment des Royal Armoured Corps Psychologie und Physiologie am Balliol College in Oxford. 1955 promovierte (Ph.D.) er an der University of London. Er begann seine Forschungskarriere unter der Leitung von Oliver Zangwill an der University of Cambridge und wurde Mitglied einer einflussreichen Gruppe von Neuropsychologen, der u. a. Brenda Milner, Mortimer Mishkin oder Hans-Lukas Teuber abgehörten. 1956/57 verbrachte er eine für ihn prägende Forschungszeit bei Karl H. Pribram in Hartford an der Yale University und seine Karriere verlagerte sich in Richtung Tierforschung; seine Hauptmotivation blieb aber stets der Versuch, das menschliche Gehirn zu verstehen.

Von 1952 bis 1960 war er Lecturer am Department of Psychological Medicine, Institute of Neurology, am King’s College London. Von 1960 bis 1962 war er hier Senior Lecturer, von 1962 bis 1966 war er Senior Lecturer am Department of Experimental Neurology, Institute of Psychiatry und von 1966 bis 1970 Senior Lecturer am Department of Psychiatry, Institute of Psychiatry; von 1970 bis 1975 war er hier Dozent und von 1976 bis 1980 Professor für Neuropsychology. 1980 nahm er einen Ruf auf eine Professur für Psychologie an der Universität Bielefeld wahr. 1989 trat er mit 62 Jahren vorzeitig von seinem Lehrstuhl für Psychologie in Bielefeld in den Ruhestand.

Werk

Er wird als „führende Persönlichkeit in der Nachkriegsentwicklung der Neuropsychologie und der empirischen Erforschung der Zusammenhänge zwischen Gehirn und Verhalten“ bezeichnet. In seinen frühen Arbeiten konnte er zeigen, dass Patienten trotz schwerer sensorischer Defizite Objekte gut erkennen konnten, während umgekehrt ein Patient agnostisch sein und nur leichte sensorische Defizite aufweisen konnte; damit hat er die Natur der visuellen Agnosie und den dem visuellen Erkennen zugrunde liegenden Hirnsystemen erkannt. In weiteren Studien verband er Human- und Tierforschung miteinander, wobei er Gehirnfunktionen von Menschen und Primaten, insbesondere in Bereichen wie Wahrnehmung, Gedächtnis und Hemisphärenspezialisierung, miteinander verglich. Dabei nutzte er „Diskonnektionstechniken“, um die entscheidende Bedeutung einer Verbindung zwischen dem primären visuellen Kortex und dem Temporallappen des Affen in derselben Hemisphäre für die visuelle Erkennung nachzuweisen. Er konzentriert sich auch auf die Bedeutung des Neocortex des unteren Temporallappens für das Lernen und das Gedächtnis der visuellen Unterscheidung bei Makaken sowie auf die Bedeutung des ventralen Temporallappens für das Sehen. Seine Interessen beschränkten sich aber nicht nur auf die neuronalen Mechanismen der visuellen Erkennung. Er forschte auch intensiv zur Rolle des Corpus callosum bei der Integration der Aktivität beider Hirnhälften, zum „crossmodalen Transfer“, durch den beispielsweise ein gesehenes Objekt durch Berührung erkannt werden kann, zur Epilepsie und ihren Auswirkungen auf das Gedächtnis, zu Links-/Rechtshänderpräferenzen sowie zu den neuronalen Mechanismen der taktilen Erkennung. Das von A. David Milner herausgegebenen Werk Comparative Neuropsychology (1998) wurde ihm gewidmet. Er wird darin als eine der prägendsten Persönlichkeiten der neuropsychologischen Forschung der letzten 40 Jahre bezeichnet.

Ehrungen/Positionen

Privates

Aus seiner ersten Ehe mit Pam stammten seine beiden Kindern Anthony und Jenni. Mit seiner zweiten Frau Madeline Cora Ettlinger (geb. Rowe) war er nur 20 Monate verheiratet. In seinem Ruhestand widmete er sich seinen Alltagsinteressen: Gartenarbeit, Bootfahren, Heimwerken, Musik und Filmen.

Publikationen (Auswahl)

Herausgeberschaften
Zeitschriftenartikel/Buchbeiträge

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ David Milner: Obituary: Professor George Ettlinger vom 28. Januar 1994, abgerufen am 15. Januar 2025.
  2. ↑ David Milner: Obituary: Professor George Ettlinger vom 28. Januar 1994, abgerufen am 16. Januar 2026.
Personendaten
NAME Ettlinger, George
ALTERNATIVNAMEN Ettlinger, Ello George (vollständiger Name)
KURZBESCHREIBUNG deutsch-britischer Neuropsychologe und Professor
GEBURTSDATUM 5. Mai 1927
GEBURTSORT Berlin
STERBEDATUM 15. Dezember 1993
STERBEORT Twyford