Georges Boris Pallot

Georges Boris „Bill“ Pallot (* 17. Februar 1964 in Digoin, Département Saône-et-Loire) ist ein französischer Kunsthistoriker und Kunstsammler. Auf Grund seiner Expertise erhielt den Spitznamen „Père Lachaise“ (dt. Der Vater des Stuhls, Anspielung auf den gleichnamigen Friedhof Père Lachaise).

Georges Boris Pallot (2013)

Leben

Pallot wurde als Sohn des Antiquitätenhändlers Maurice-Claude Pallot geboren. Er studierte zunächst an der Universität Lyon Literaturwissenschaften und Kunstgeschichte, wechselte dann aber zur Universität Paris IV (Sorbonne). Er schloss 1986 mit dem Diplôme d’études approfondies in Kunstgeschichte mit der Arbeit Les Tilliard et les Foliot, menuisiers en sièges aux XVIIe et XVIIIe siècles ab. An der Universität Paris IV war er auch als Lehrbeauftragter tätig.

In dem Antiquariat Didier Aaron et Cie leitete er die Möbelabteilung. Er spezialisierte sich auf die Möbel und die Innenausstattung des 18. Jahrhunderts und wurde Sachverständiger in diesem Gebiet. Mit den beiden Publikationen L’Art du siège au XVIIIe siècle en France und Le Mobilier du musée du Louvre - sièges et consoles XVIIe et XVIIIe siècles erwarb er internationale Anerkennung als Experte.

Er ist Träger des Ordre des Arts et des Lettres, seit 2011 im Offiziersrang.

Kontroversen

Bereits 2000 machte Pallot auf sich aufmerksam, weil er die Echtheit zweier Stühle aus dem Schloss Bagatelle anzweifelte. Bei der Nachprüfung sprach sehr vieles für die Echtheit. 2001 bewertete er einen Sessel, der aus dem Belvédère-Pavillon des Petit Trianon stammen und bei Sotheby’s versteigert werden sollte. Da er den Sessel als nicht echt einstufte, sahen die Versailler Museen von einem Erwerb schließlich ab. Der Sessel wurde für 2 Millionen Franc nach Amerika verkauft und erzielte 2015 bei einer Auktion in London den nahezu achtfachen Preis.

Strafverfahren

Im Juni 2016 wurden Pallot und der Kunsthändler Laurent Kraemer nach Ermittlungen des Office central de lutte contre le trafic des biens culturels (Spezialeinheit der französischen Polizei für Kulturgutkriminalität) wegen organisierten Betrugs und Geldwäsche festgenommen. Wenig später wurde auch der Restaurator Joël Loinard aus der Werkstatt Bruno Desnoues angeklagt. Später wurde Bruno Desnoues die Fertigung der Stühle nachgewiesen. Ihnen wurde vorgeworfen, gefälschte Stühle (Nachahmungen aus dem Belvédère-Pavillon) verkauft zu haben. Diese Stühle waren im Dezember 2013 als nationales Kulturgut eingestuft worden, wobei die Bewertung die „hervorragende Qualität“ und die „besondere Vergoldung“ lobte. Die Stühle wurden für zwei Millionen Euro an einen ausländischen Sammler verkauft. Es wurde dahinter der Emir von Katar vermutet. Laurent Kraemer behauptete, selbst betrogen worden zu sein und stritt die Vorwürfe ab. Er hat die düpierten Käufer entschädigt. Pallot und Desnous wurden am 11. Juni 2025 zu Haft- und Bewährungsstrafen verurteilt, während Kraemer freigesprochen wurde. Beide hatten zudem hohe Geldstrafen und Schadensersatz zu leisten.

Werke (Auswahl)

Pallot hat zahlreiche Aufsätze und Artikel veröffentlicht, und zwar sowohl in Handbüchern, Nachschlagewerken, Auktions- und Ausstellungskatalogen als auch in Fachmagazinen für Kunst und Kunsthandwerk so in: Antique, Connaissance des Arts, Dossier de l’Art, L’Estampille, France Antiquités, Le Journal des arts, L’Objet d’Art, La Revue des Musées de France - Revue du Louvre.

Commons: Bill Pallot – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ NZZ.ch (Philipp Gollmer) vom 12.06.2025: Ein Kunsthistoriker aus Paris fälschte antike Stühle und narrte damit auch das Schloss Versailles. Jetzt wurden er und sein Komplize verurteilt
  2. ↑ Le Journal des arts vom 30. Juni 2000: Toujours contestées - L’affaire des chaises de Bagatelle
  3. ↑ Christies: Lot 18: A royal Louis XVI giltwood fauteuil en bergere. Zuschlag: 9. Juli 2015
  4. ↑ Avis n° 2013-08 de la Commission consultative des trésors nationaux
  5. ↑ BBC vom 7. Juni 2025: The furniture fraud who hoodwinked the Palace of Versailles
  6. ↑ FAZ.de (Bettina Wohlfarth) vom 10. Juni 2025: Fälschungen, denen sogar Versailles aufsaß
  7. ↑ Le Monde (Pascale Robert-Diard) vom 11. Juni 2025: Emprisonnement avec sursis et lourdes amendes pour les faussaires des sièges Marie-Antoinette