Geotextilie

Geotextil zur Erosionssicherung einer Böschung
Verschiedene Geotextilien

Geotextilien sind flächige oder dreidimensionale Technische Textilien, die meist wasserdurchlässig sind. Sie dienen als Baustoff im Bereich des Tief-, Wasser- und Verkehrswegebaus und sind für geotechnische Sicherungsarbeiten ein wichtiges Hilfsmittel.

Geotextilien bestehen entweder aus natürlichen Fasern (wie Schilf, Jute und Kokos) oder Chemiefasern (wie Polypropylen, Polyamid, Polyester und Polyethylen) und werden zum Trennen, Drainen (Drainagieren), Filtern, Bewehren, Schützen, Verpacken und Erosionsschutz eingesetzt. Als Geotextilien kommen vorwiegend Gewebe und Vliesstoffe, aber auch zunehmend Multiaxialgelege sowie Verbundstoffe (Laminate) zum Einsatz. Aufgrund der begrenzten Haltbarkeit werden Geotextilen aus Jute- oder Kokosfasern nur verwendet, wenn die spätere Verrottung erwünscht ist.

Einteilung

Geotextilien lassen sich hinsichtlich ihrer Struktur in drei Arten unterscheiden:

Anwendungsfälle

Anwendungsfälle
Anwendungsfälle

Geotextilien eignen sich im Wesentlichen für folgende Anwendungsfälle:

  1. Erosionsschutz
  2. Schützen
  3. Filtern
  4. Bewehren
  5. Drainen
  6. Trennen
  7. Reinigen

Merkmale

Böschungssicherung im Neubau
Befestigung der Geotextilien mittels Nagelkrampen
10 Monate nach Aufbringen ist deutliches Durchwachsen zu erkennen
Geotextil als Böschungsbefestigung im Bereich eines Baumes, wo keine Pflastersteine verlegt werden können

Ausgangspunkt der Entwicklung von Geotextilien war Anfang der 1970er Jahre der Wasserbau und der Bau von Straßen auf Böden mit schlechter Tragfähigkeit teils unter hohem Wassergehalt. Um die Stabilität des Untergrundes zu verbessern, wird in diesem Fall ein textiles Vlies aufgebracht und anschließend mit Schüttmaterial überdeckt. Auf diese Weise wird die Lebensdauer und die Belastbarkeit der Verkehrsfläche erhöht. Neben der Anwendung im Straßen- und Wegebaus eignen sich Geotextilien auch für Bauaufgaben im Bahnbau.

Neben der Verwendung im Verkehrswegebau kommen Geotextilien auch im Erd- und Wasserbau zum Einsatz. So dienen sie beispielsweise als Baustoff für die Sicherung von Dämmen und Deponien oder lassen sich im Bereich der Ingenieurbiologie verwenden. Dort können mit Hilfe von natürlichen Geotextilien aus Jute, Schilf oder Kokos Bodenerosion und Hangrutschungen an Böschungen, Gräben und Gewässerufern vermieden werden. Weiterhin unterstützen sie Aufforstungen, den Ausbau von Wasserläufen sowie Renaturierung von Braunkohle-Tagebauen und Deponien.

Geotextilien können sich auf den Pflanzenwuchs vorteilhaft auswirken, da sie vor Austrocknung und direkter Sonneneinstrahlung schützen.

Ein Weg mit wabenförmiger Textilmatte als Unterbau wird in Alaska angelegt
Geocell-Matten im Lieferzustand und aufgefächert
Geocell-Waben halten das Füllmaterial bei der Herstellung eines temporären Erdwalls

Spezielle Anwendungen

Normen und Standards

Deutschland
Österreich
Schweiz

Einzelnachweise

  1. ↑ Fabia Denninger (Hrsg.): Lexikon Technische Textilien. Deutscher Fachverlag, Frankfurt am Main 2009, ISBN 978-3-86641-093-0, S. 152.
  2. ↑ Thomas Gries, Dieter Veit, Burkhardt Wulfhorst: Textile Fertigungsverfahren – Eine Einführung. 3., überarbeitete und erweiterte Auflage. Carl Hanser Verlag, München 2019, ISBN 978-3-446-45684-6, S. 338.
  3. ↑ A. Richard Horrocks, Subhash C. Annand (Hrsg.): Handbook of Technical Textiles. Volume 2: Technical Textile Applications. 2. Auflage. Woodhead Publishing, Cambridge 2016, ISBN 978-1-78242-465-9, S. 120.
  4. ↑ Wolfgang R. Dachroth: Handbuch der Baugeologie und Geotechnik. Springer Verlag, Heidelberg 2002, ISBN 3-540-41353-7, S. 369.
  5. ↑ E. Heinemann, R. Feldhaus, R. Paul: Hydraulik für Bauingenieure. Vieweg+Teubner Verlag, Wiesbaden 2003, ISBN 3-519-15082-4, S. 212 f.
  6. ↑ Georg Heerten: Geotextilien im Wasserbau. Mitteilungen des Franzius-Instituts für Wasserbau und Küsteningenieurwesen der Universität Hannover, 1981, ISSN 0340-0077, S. 261.
  7. ↑ siehe auch en:Cellular confinement
  8. ↑ Frank Heimbecher, Melanie Strutz: "TenCate GeoClean" im Hinblick auf die Bindung und den Abbau von Kohlenwasserstoffen in ölkonterminierten Abflusswässern und Böden. Greven 2019, S. 16.