Geotrichum

Geotrichum

Arthrokonidien von Geotrichum candidum; Maßstab 10 µm

Systematik
Abteilung: Schlauchpilze (Ascomycota)
Unterabteilung: Saccharomycotina
Klasse: Dipodascomycetes
Ordnung: Dipodascales
Familie: Dipodascaceae
Gattung: Geotrichum
Wissenschaftlicher Name
Geotrichum
Link, 1809

Geotrichum ist eine Gattung hefeartiger Schlauchpilze aus der Familie der Dipodascaceae (Familie hefeartiger Schlauchpilze). Die Gattung wurde 1809 von Heinrich Friedrich Link aufgestellt. Ihre Typusart ist Geotrichum candidum. Vertreter der Gattung finden sich unter anderem in Böden, auf Pflanzen, in Gewässern sowie in Milch und Käse.

Beschreibung

Auf Nährböden können die Kolonien von Geotrichum hefeartig oder schimmelartig erscheinen. Kennzeichnend sind Arthrokonidien, die durch Fragmentierung der Hyphen entstehen und kettenförmig auftreten können. Morphologische Merkmale allein reichen häufig nicht für eine Artbestimmung aus; hierfür werden neben physiologischen und ökologischen Eigenschaften vor allem molekulargenetische Verfahren verwendet.

Taxonomie und Systematik

In der Erstbeschreibung von 1809 führte Link mit G. candidum zunächst nur eine Art der neuen Gattung auf. Er grenzte Geotrichum von dem verwandten Sporotrichum anhand der von ihm als groß und beidseits abgestutzt beschriebenen Sporidien ab. Für G. candidum nannte er magere Waldböden und Heideflächen als Standort, wo der Pilz einen dünnen weißen, mit bloßem Auge körnig erscheinenden Belag bilde. In älteren Klassifikationen wurden die Angehörigen der Unterabteilung Saccharomycotina weitgehend innerhalb der einzigen Klasse Saccharomycetes und der einzigen Ordnung Saccharomycetales geführt. Eine 2023 veröffentlichte, genomgestützte Klassifikation gliedert die Saccharomycotina in mehrere Klassen und Ordnungen; in ihr werden die Dipodascaceae der Klasse Dipodascomycetes und der Ordnung Dipodascales zugeordnet, zu denen auch Geotrichum gehört.

Auch die Abgrenzung der Gattung wurde anhand molekularphylogenetischer Untersuchungen überarbeitet. Historisch wurden sexuelle und asexuelle Erscheinungsformen derselben Pilze teilweise unter verschiedenen Gattungsnamen geführt, darunter Dipodascus, Galactomyces, Geotrichum, Magnusiomyces und Saprochaete. Eine Revision von 2024 unterschied zwei monophyletische Gruppen: Geotrichum, Dipodascus und Galactomyces einerseits sowie Magnusiomyces und Saprochaete andererseits. Nach dem Prioritätsprinzip wird für die erste Gruppe der Name Geotrichum, für die zweite Magnusiomyces verwendet. Ältere Literatur ist daher bei der Zuordnung von Artnamen mit Vorsicht zu verwenden.

Ökologie und Bedeutung

Vertreter der Gattung besiedeln zahlreiche Substrate, darunter Boden, Pflanzenmaterial, Milch, Wasser und Insekten. Besonders Geotrichum candidum ist Bestandteil der Mikroflora von Rohmilch und Käse und wird bei der Reifung verschiedener Weich- und Schnittkäse eingesetzt. Seine Stoffwechselaktivität kann zur Entwicklung von Geschmack und Aroma beitragen und das Wachstum anderer Mikroorganismen beeinflussen.

Arten von Geotrichum können an gelagertem Obst und Gemüse Sauerfäule verursachen. Die Pilze gelangen häufig über Verletzungen der Oberfläche in das Gewebe. Typische Symptome sind wässrig-weiche Stellen, ein weißliches bis cremefarbenes Myzel und ein säuerlicher Geruch.

Einzelnachweise

  1. ↑ Geotrichum Link. In: Index Fungorum. Royal Botanic Gardens, Kew, abgerufen am 3. Oktober 2026.
  2. 1 2 3 Simone Albino Paes; André Wilson Campos Rosado; Ailton Reis; Olinto Liparini Pereira: Molecular phylogeny and morphological characterization of the aetiological agent of sour rot on fruits and vegetables in Brazil. In: Plant Pathology. Band 71, Nr. 2, 2022, S. 386–399, doi:10.1111/ppa.13473.
  3. ↑ Heinrich Friedrich Link: Observationes in Ordines plantarum naturales. Dissertatio prima complectens Anandrarum ordines Epiphytas, Mucedines, Gastromycos et Fungos. In: Der Gesellschaft Naturforschender Freunde zu Berlin Magazin für die neuesten Entdeckungen in der gesammten Naturkunde. Band 3, 1809, S. 3–42, hier S. 17–18 (Digitalisat [abgerufen am 3. Oktober 2026]).
  4. ↑ Marizeth Groenewald; Chris T. Hittinger; Kurt Bensch; David A. Opulente; u. a.: A genome-informed higher rank classification of the biotechnologically important fungal subphylum Saccharomycotina. In: Studies in Mycology. Band 105, 2023, S. 1–22, doi:10.3114/sim.2023.105.01, PMID 38895705.
  5. ↑ Hai-Yan Zhu; Yu-Jie Shang; Xu-Yang Wei; Marizeth Groenewald; Vincent Robert; u. a.: Taxonomic revision of Geotrichum and Magnusiomyces, with the descriptions of five new Geotrichum species from China. In: Mycology. Band 15, Nr. 3, 2024, S. 400–423, doi:10.1080/21501203.2023.2294945.
  6. ↑ Rachel Boutrou; Micheline Guéguen: Interests in Geotrichum candidum for cheese technology. In: International Journal of Food Microbiology. Band 102, Nr. 1, 2005, S. 1–20, doi:10.1016/j.ijfoodmicro.2004.12.028, PMID 15924999.
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