

Gerade und ungerade Funktionen sind in der Mathematik zwei Klassen von Funktionen, die bestimmte Symmetrieeigenschaften aufweisen. Eine reelle Funktion ist
In der Schulmathematik gehört die Untersuchung eines Funktionsschaubildes auf diese Symmetrien hin zu den ersten Schritten einer Kurvendiskussion.
Eine reelle Funktion mit einer bezüglich der Null symmetrischen Definitionsmenge heißt gerade, wenn für alle Argumente
gilt, und sie heißt ungerade, wenn für alle
gilt. Anschaulich ist eine reelle Funktion genau dann gerade, wenn ihr Funktionsgraph achsensymmetrisch zur y-Achse ist, und ungerade, wenn ihr Funktionsgraph punktsymmetrisch zum Koordinatenursprung ist.
Die einzige Funktion, die gleichzeitig gerade und ungerade ist, ist die Nullfunktion .
Es gibt auch Funktionen, die weder gerade noch ungerade sind, zum Beispiel die Funktion . Jede Funktion mit einer bezüglich der Null symmetrischen Definitionsmenge lässt sich jedoch als Summe einer geraden und einer ungeraden Funktion schreiben. Das heißt
wobei
den geraden Anteil der Funktion und
den ungeraden Anteil der Funktion darstellt. Diese Zerlegung einer Funktion in gerade und ungerade Komponenten ist eindeutig, d. h., es gibt keine andere Möglichkeit, eine Funktion in gerade und ungerade Komponenten zu zerlegen. Dies folgt aus den Tatsachen, dass sowohl die Menge aller geraden Funktionen als auch die Menge aller ungeraden Funktionen jeweils einen Untervektorraum des Raums aller Funktionen bilden, und dass die einzige Funktion, die sowohl gerade als auch ungerade ist, die Nullfunktion ist. Beim Beispiel ist damit
und
Allgemeiner definiert man in der Algebra durch obige Definition auch gerade und ungerade Funktionen zwischen zwei Mengen und , auf denen eine Verknüpfung mit additiv Inversem gegeben ist, beispielsweise (additive) Gruppen, Ringe, Körper oder Vektorräume. Auf diese Weise lassen sich beispielsweise auch gerade und ungerade komplexe Funktionen oder gerade und ungerade vektorwertige Funktionen definieren.
In der mathematischen Physik wird das Konzept der geraden und ungeraden Funktionen durch den Begriff der Parität verallgemeinert. Diese ist vor allem für Wellenfunktionen etwa in der Quantenmechanik von Bedeutung.