Gerald Kersh (geboren am 26. August 1911 in Teddington, Middlesex; gestorben am 5. November 1968 in Kingston, New York) war ein britisch-amerikanischer Schriftsteller.
Kersh war der Sohn des Schneidermeisters Hyman Leon Kersh (geboren als Chaim Kerszenblat, 1877–1929) und dessen Frau Leah, geborene Miller (1880–1962). Er wuchs in einem säkularen jüdischen Umfeld mit zwei älteren Schwestern in Teddington und Shepherd’s Bush auf. 1922 zog die Familie nach Marylebone, London, und Kersh besuchte die Christ Church School in Ealing und studierte dann von 1924 bis 1928 mit einem Stipendium am Regent Street Polytechnic. Nach dem Tod seines Vaters arbeitete er in verschiedenen Jobs und wechselte häufig die Wohnung.
1934 erschien sein erster Roman Jews Without Jehovah. Das Buch wurde von der Kritik positiv aufgenommen, allerdings fanden sich einige Familienmitglieder in ungünstigem Licht dargestellt, verklagten den Verlag und das Buch musste zurückgezogen werden. Sein dritter Roman Night And The City (1938) war dann sehr erfolgreich und Kersh wurde mit zeitgenössischen amerikanischen Autoren wie Dashiell Hammett, John Dos Passos und Ernest Hemingway verglichen. Im gleichen Jahr heiratete Kersh Alice Thompson Rostron (1909–1986), die Ehe hatte aber keinen Bestand.
In dieser Zeit verfasste Kersh zahlreiche Kurzgeschichten und schrieb für das Courier Magazine, als dessen Mitherausgeber er 1937–1939 erschien. 1939 veröffentlichte I Got References, eine Sammlung autobiografischer Erzählungen. Nach Kriegsbeginn 1940 trat Kersh bei den Coldstream Guards ein und berichtete zugleich anonym im Daily Herald in der Kolumne The Private Life Of A Private über seine Ausbildung. Diese Beiträge waren dann Grundlage für They Die With Their Boots Clean (1941), das zusammen mit der Fortsetzung The Nine Lives Of Bill Nelson (1942) zu einem der bestverkauften Bücher über die Kriegszeit wurde. Zu einem Kampfeinsatz kam es nicht, da Kersh während des Blitz verschüttet wurde und in der Folge als untauglich eingestuft wurde. Neben diesen Büchern schrieb er Texte für die BBC, das Ministry of Information und die Ealing Studios und verfasste zahlreiche Beiträge für Zeitungen und Zeitschriften, oft unter Pseudonym. So schrieb er als Piers England für The People und als Waldo Kellar für John Bull.
1943 heiratete Kersh Claire Alyne „Lee“ Boyle, Tochter eines kanadischen Politikers. Bis Kriegsende schrieb Kersh drei weitere Romane zum Thema Krieg, nämlich The Dead Look On (1943) über das Massaker von Lidice, A Brain and Ten Fingers (1943) über den Guerillakrieg in Jugoslawien und Faces in a Dusty Picture (1944) über den Krieg in Nordafrika. Außerdem erschienen drei Story-Sammlungen, womit Kersh einer der profiliertesten Autoren in dieser Zeit war. Er beschaffte sich eine Akkreditierung als Reporter und berichtete über die Landung in der Normandie und die Befreiung von Paris. Seine Erlebnisse erschienen gesammelt als Clean, Bright and Slightly Oiled (1946).
Nach dem Krieg schrieb Kersh weiter und musste weiter schreiben, eine Kombination aus Steuerschulden, einer sich verschlechternden Gesundheit und einem sich lange hinziehenden und zu seinen Ungunsten entschiedenen Scheidungsprozess gab den Rahmen der folgenden Jahre vor. Er kaufte für 20.000 Dollar ein Haus auf Barbados, das 1949 unversichert niederbrannte. Er lebte hier und dort, zeitweise in Kanada, um schließlich US-Bürger zu werden. In dieser Zeit entstand The Thousand Deaths of Mr Small (1950) über einen kleinen Mann in großen Schwierigkeiten, der nach und nach in den Abgründen depressiver Lähmung versinkt.
1955 heiratete er ein drittes Mal. Florence Sochis war ursprünglich eine Freundin seiner ersten Frau gewesen und hatte sich schon seit einigen Jahren um Kersh gekümmert. Das Paar lebte in zunehmend prekären Verhältnissen im Bundesstaat New York und Kersh schrieb den Roman Fowlers End (1957) über einen schlauen und gierigen Kinobesitzer in Soho, Anthony Burgess zufolge „einer der besten komischen Romane des Jahrhunderts, mit Sam Yudenow (fast) so großartig gezeichnet wie Falstaff“ Seinen letzten großen Roman The Angel and the Cuckoo (1966) schrieb er bereits schwer an Krebs erkrankt. Nach einem Rezidiv seines Halskarzinoms starb Kersh 1968 im Alter von 57 Jahren verarmt im Horton Memorial Hospital in Middletown, New York.
Von der Kritik anfangs geschätzt und in den Kriegsjahren ein Bestsellerautor, wurden Kershs spätere Romane und Sammlungen weitgehend ignoriert und waren jahrzehntelang vergriffen. In den letzten Jahren ist einiges wieder aufgelegt worden und mehrere seiner Romane sind in deutscher Übersetzung erschienen.
| Personendaten | |
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| NAME | Kersh, Gerald |
| ALTERNATIVNAMEN | England, Piers (Pseudonym); Gahagan, P. J. (Pseudonym); Herbert, G. J. (Pseudonym); Kellar, Waldo (Pseudonym) |
| KURZBESCHREIBUNG | britisch-amerikanischer Schriftsteller |
| GEBURTSDATUM | 26. August 1911 |
| GEBURTSORT | Teddington, Middlesex |
| STERBEDATUM | 5. November 1968 |
| STERBEORT | Kingston, New York |