
Geraldine Finlayson (geboren am 31. Oktober 1960 in Gibraltar) ist eine gibraltarisch-britische Anthropologin. Sie ist seit 2014 Leiterin des Gibraltar National Museum. Sie ist Spezialistin für Unterwasser-Archäologie. Mit ihrer Forschungsgruppe machte sie wichtige Entdeckungen über die Neandertaler-Kultur an den Plätzen, an denen die weltweit letzten Vertreter dieser Menschenart vor 30.000, eventuell bis 25.000 Jahren siedelten.
Geraldine Finlayson kam 1960 in Gibraltar zur Welt. Sie besuchte die Gilbraltar Girls Comprehensive School. Von 1981 bis 1993 arbeitete Finlayson als Angestellte in der gibraltarischen Verwaltung. 1993 wurde sie Direktorin des großen Kulturzentrums von Gibraltar, der John Mackintosh Hall. Sie leitete zahlreiche öffentliche Veranstaltungen wie Konferenzen, Ausstellungen und Konzerte.


Finlayson widmete ihre Zeit auch der Erforschung der Präsenz von Neandertalern in Gibraltar. Sie führte mehrere archäologische Ausgrabungen in der Region durch, viele davon auch unter Wasser. Sie ist ausgebildete Taucherin und Tauchlehrerin und unterrichtet bei der Nautical Archaeology Society sowie am Gibraltar Museum.
Finlayson entwickelte mit der sogenannten Gibraltar-Methode einen integrativen, landschafts- und meeresbezogenen Forschungsansatz, mit dem sie in und um die Gorham-Höhle die Kultur der Neandertaler im Kontext ihres gesamten Lebensraums rekonstruieren konnte. Dabei werden archäologische Funde wie Werkzeuge, Feuerstellen, Tierknochen, Gravuren nicht isoliert betrachtet, sondern stets im Zusammenhang mit der damaligen Küstenlinie, Vegetation, Tierwelt und dem Mikroklima analysiert. Land- und Unterwasserbereiche werden als ein gemeinsames Siedlungs- und Wirtschaftsgebiet verstanden, weshalb Tauchuntersuchungen an heute überfluteten Höhlen und Küstenzonen zum festen Bestandteil des Ansatzes gehören. In der Gorham-Höhle kombinierte das Team stratigraphische Grabung, Datierung (u. a. Radiokarbon- und geochemische Analysen), mikroskopische Untersuchung von Sedimenten (z. B. Holzkohlepartikel, Schnittspuren an Knochen) und die Auswertung der Lage der Höhle in der damaligen Landschaft, um damit das gesamte Nutzungs- und Lebensumfeld der Neandertaler über sehr lange Zeiträume zu rekonstruieren. Im Jahr 2008 besuchte Finlayson gemeinsam mit Prof. Clive Finlayson und Dr. Darren Fa auf Einladung der maltesischen Denkmalschutzbehörde eine archäologische Ausgrabungsstätte auf Gozo und beriet die dortigen Teams auf Grundlage der eigenen Erfahrungen. Außerdem wurden die Möglichkeiten für langfristige Kooperationen zur Anwendung des Gibraltar-Modells auf die maltesischen Inseln erörtert. Finlayson trat 2012 als Expertin in der Folge „Das dunkle Geheimnis der Neandertaler“ der populärwissenschaftlichen österreichischen Fernsehserie „Terra Mater“ auf.
Im Oktober 2011 wurde Finlayson stellvertretende Leiterin der Kulturerbeverwaltung von Gibraltar, seit 2014 ist sie Leiterin der Institution und des Gibraltar National Museum. Sie ist außerdem Co-Direktorin der Underwater Research Unit (URU). Zu deren Aufgaben gehören die Kartierung des Meeresbodens und der Höhlen im Rahmen des Gibraltar Caves Project, die Durchführung einer umfassenden Bestandsaufnahme des Unterwassererbes von Gibraltar für die Heritage Database sowie die Untersuchung von Wracks und die Durchführung von Voruntersuchungen an archäologischen Stätten.
Von 2014 bis 2017 absolvierte sie parallel an der University of Leicester einen Masterstudiengang in Museologie und erwarb anschließend an der Anglia Ruskin University in Cambridge ihren PhD. Der Titel ihrer Dissertation war "Climate, vegetationand biodiversity: a multiscale study of the south of the Iberian Peninsula."
2018 wurde sie Adjunct Professor an der Liverpool John Moores University.
Geraldine Finlayson ist mit Clive Finlayson verheiratet, er ist Evolutionsökologe und Kurator am Nationalmuseum von Gibraltar. Gemeinsam beteiligen sie sich an Ausgrabungen in den Neandertalerhöhlen von Gibraltar und anderen Orten. Über diese Aktivitäten betreibt er einen Blog (clivehumanevo.blogspot.com). Sie verfassten gemeinsam zahlreiche Artikel und andere Schriften. Er ist der Autor des Buches „Neanderthals and Modern Humans“. Sie haben einen gemeinsamen Sohn.
Im Jahr 2003 wurden Finlayson und das übrige Team des Gibraltar Museums im Rahmen des Programms „Adopt-a-Wreck“ der National Archeological Society für ihre Arbeit am bewaffneten Trawler HMS Erin mit dem ersten Preis ausgezeichnet. 2006 erhielt sie den Gibraltar Award im Rahmen der Queen’s Birthday Honours. Im Jahr 2019 wurde Finlayson zusammen mit ihrem Ehemann Clive für ihre Arbeit an der Gorham-Höhle mit der Gibraltar-Medaille ausgezeichnet.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Finlayson, Geraldine |
| KURZBESCHREIBUNG | gibraltarisch-britische Archäologin und Museumsdirektorin |
| GEBURTSDATUM | 31. Oktober 1960 |
| GEBURTSORT | Gibraltar |