Gerardus de Vries

Gerardus de Vries

Gerardus de Vries (auch: Gerhard von Vries, Gerard de Vries; * 15. August 1648 in Utrecht; † 1. Dezember 1705 ebenda) war ein niederländischer Philosoph und reformierter Theologe.

Leben

De Vries lässt sich 1659 als Schüler der Hieronymusschule in Utrecht in der Klasse Septanorum (9. Unterklasse) nachweisen. 1667 immatrikulierte er sich unter dem Rektorat von Johann Georg Graevius an der Universität Utrecht. Hier absolvierte er Studien an der philosophischen Fakultät und hörte Vorlesungen an der theologischen Fakultät bei Gisbert Voetius. Am 28. April 1671 setzte er seine philosophischen Studien an der Universität Leiden fort und erwarb sich dort am 28. Mai 1671 den akademischen Grad eines Magisters der Philosophie.

Bald darauf kehrte er nach Utrecht zurück, um als Dozent Privatvorlesungen zu halten. Die Ereignisse des Niederländisch-Französischen Krieges nötigten ihn, Utrecht zu verlassen. Er wechselte am 8. September 1673 abermals nach Leiden, wo er seine Vorlesungen fortsetzte und im Dezember desselben Jahres eine Anstellung am Staten-Collegium erhielt. Am 11. Mai 1674 wurde er zum Professor der Logik und Metaphysik an der Universität Utrecht berufen, welche Stelle er am 1. September 1674 mit der Rede Prologus de sectis philosophorum, inprimis hodiernis antrat. Als Aristoteliker vertrat er den Standpunkt, dass die Göttlichkeit der heiligen Schrift anders als durch die Vernunft bewiesen werden könnte.

Dies versuchte er auch seinen Schülern zu vermitteln, wurde aber gerade wegen dieser Überzeugung von anderen Gelehrten wie Frans Burman kritisch hinterfragt. Zudem wurde Vries am 4. März 1685 außerordentlicher Professor der Theologie. Als solcher etablierte er sich als methodisch konservativer, eklektischer Anhänger der näheren Reformation des Gisbert Voetius und als Gegner der cartesianischen Philosophie des René Descartes. Er verstarb unverheiratet und verfügte testamentarisch, dass er in aller Stille beigesetzt würde und ihm keine Leichenpredigt gehalten werden sollte. Als Utrechter Hochschullehrer beteiligte er sich auch an den organisatorischen Aufgaben der Akademie und war in den Jahren 1678/79 sowie 1692/93 Rektor der Alma Mater.

Der Historiker, Philosoph und Dichter Simon de Vries war sein Verwandter, möglicherweise sein Bruder.

Werke (Auswahl)

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Lijsten van Leerlingen der Hieronymus-School te Utrecht, gedurende de jaren 1631, 1632, 1633, 1658 en 1659, getrokken uit Bescheiden op het Gemeente-Archief te Utrecht aanwezig. Stoom-Boek- en Steendrukkerij „de Industrie“ (K. A. Manssen), Utrecht, 1877, S. 19, Sp. a.
  2. ↑ Universität Utrecht: Album studiosorum Academiae rheno-traiectinae MDCXXXVI–MDCCCLXXXVI. Verlag J. L. Beijers / J. van Boekhoven, Utrecht, 1886, Sp. 61.
  3. ↑ Guilielmus du Rieu: Album studiosorum academiae Lugduno Batavae MDLXXV–MDCCCLXXV. Verlag Martin Nijhoff, Den Haag, 1875, S. 568.
  4. ↑ P. C. Molhuysen: Album Promotorum Academiae Lugduno Batavae 1575-1812. Den Haag 1913–1924.
  5. ↑ Gerardus de Vries: De mundo. (PDF) 1671.
  6. ↑ Guilielmus du Rieu: Album studiosorum academiae Lugduno Batavae MDLXXV-MDCCCLXXV. Verlag Martin Nijhoff, Den Haag, 1875, S. 584.
  7. ↑ de Vries (Simon). In: Christian Gottlieb Jöcher (Hrsg.): Allgemeines Gelehrten-Lexicon. Band 4: S–Z. Johann Friedrich Gleditsch, Leipzig 1751, Sp. 1731 (Textarchiv – Internet Archive – war des Gerhards Anverwanter oder Bruder).
Personendaten
NAME Vries, Gerardus de
ALTERNATIVNAMEN Vries, Gerhard von; Vries, Gerard de
KURZBESCHREIBUNG niederländischer Philosoph und reformierter Theologe
GEBURTSDATUM 15. August 1648
GEBURTSORT Utrecht
STERBEDATUM 1. Dezember 1705
STERBEORT Utrecht