
Gerd Hartmann (* 1957 in München) ist ein deutscher Theaterregisseur, Autor und Performer. Er lebt in Berlin.
Gerd Hartmann studierte Germanistik und Theaterwissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München, schloss das Studium jedoch nicht ab, weil er sich der praktischen Theaterarbeit zuwandte. Seine Theaterausbildung erhielt er im und durch Mitglieder des Grotowski Teatr-Laboratoriums, Wroclaw und Assistenzen bei George Tabori. Seit den 1980ern arbeitete er als Regisseur und Performer in der Freien Szene und war Mitgründer des Gaukelstuhl Theaterkollektivs (München/Berlin) und Kargo Berlin. 1993 machte er mit Da hat der Topf ein Loch seine erste Regiearbeit für das inklusive Theater Thikwa. Die Zusammenarbeit mit Künstlern mit kognitiver Behinderung beeindruckten ihn so nachhaltig, dass sich sein Arbeitsschwerpunkt im folgenden Jahrzehnt immer stärker in Richtung inklusives Theater verlagerte. Parallel dazu arbeitete er auch weiterhin in anderen Zusammenhängen. 1994 inszenierte er im Goethe-Institut Santiago de Chile eine spanischsprachige Version von Oliver Bukowskis Stück Inszenierung eines Kusses. Von 1995 bis 2001 schrieb und inszenierte er mehrere Produktionen für das Theater bodi end sole, Hallein, Österreich. 2006 erarbeitete er in dem chilenischen Dorf Puyuhuapi das Community-Theaterprojekt Memorias de la lluvia. Als Dozent war er an der Universidad Catolica in Santiago de Chile und der Escuela Municipal de Arte Dramatico in Buenos Aires tätig. Für Theater Thikwa entwickelte und inszenierte er in den letzten Jahrzehnten rund 25 Performances (Stand 2024). Von 2012 bis Mai 2023 war er (gemeinsam mit Nicole Hummel) künstlerischer Leiter des Theaters.
Ein besonderer Arbeitsschwerpunkt lag ab 2001 in Russland. Gemeinsam mit Andrej Afonin, Regisseur und Leiter des inklusiven Theaterstudios Kroog 2 Moskau, gab Hartmann mit zahlreichen Workshops, Vorträgen und Gastspielen entscheidende Impulse zur Entwicklung der inklusiven Theaterszene in Russland. Sein mit Kroog 2 inszeniertes Theaterstück Отдаленная близость (Entfernte Nähe) wurde als erste inklusive Produktion überhaupt in das Repertoire eines staatlichen Theaters aufgenommen und wurde 2014 als beste experimentelle Produktion des Jahres mit der Goldenen Maske, dem wichtigsten russischen Theaterpreis, ausgezeichnet. Als Folgeprojekt wurde 2016 die Thikwa/Kroog 2-Koproduktion „BioFiction“ realisiert. Mehrere Tourneen mit verschiedenen Performances folgten, bis die Zusammenarbeit durch den Ausbruch des Ukraine-Krieges 2022 abrupt endete.
Gelegentlich tritt Hartmann auch als Performer auf. Von 2010 bis 2012 spielte er in dem dreiteiligen deutsch-japanischen Langzeitprojekt The Thikwa plus Junkan Project des japanischen Choreografen Osamu Jareo, das in Berlin, Kyoto, Kobe und Shiga aufgeführt und 2012 zum Kyoto Experiment Festival eingeladen wurde. 2017/20 spielte er in Schweigen Impossible (Regie: Martina Couturier). In seiner eigenen Inszenierung So why – Suchen nach Siegfried hatte er 2022 einen Cameo-Auftritt.
In den 1990er Jahren schrieb Hartmann mehrere Theaterstücke. In den letzten 10 Jahren interessiert ihn die gemeinsame Autorenschaft mit dem Ensemble mehr. Fast alle neueren Stücke entstanden auf dieser Basis. (Siehe Interview im Ausstellungskatalog zu Gewächse der Seele)
Bis Ende der 1990er firmierte er unter seinem Geburtsnamen Gerhard Hartmann.
Eigen:sinnig in: Gemeinsam / Together, Hg. Susanne Hartwig 2021; Verlag Peter Lang
Interview in Theater.Rebellion Die Ausweitung der Kunstzone – Theater Thikwa, Theater Thikwa / Claudia Lohrenscheit (Hg)2018, Athena Verlag, ISBN 978-3-7455-1019-5
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Hartmann, Gerd |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Theaterregisseur und Autor |
| GEBURTSDATUM | 1957 |
| GEBURTSORT | München |