Gerd Ludwig

Gerd Ludwig (eigentlich Gerhard Erich Ludwig, * 17. März 1947 in Alsfeld, Hessen) ist ein deutsch-amerikanischer Dokumentarfotograf und Fotojournalist.

Biografie

Studium

Gerd Ludwig studierte zunächst Germanistik, Politik- und Sportwissenschaft an der Philipps-Universität in Marburg. Er brach dieses Studium ab, um Skandinavien und Nordamerika zu bereisen, wo er sich mit Gelegenheitsjobs als Maurer, Seemann und Tellerwäscher durchschlug. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland studierte er Fotografie bei Otto Steinert an der Folkwang Hochschule in Essen (jetzt Folkwang Universität der Künste) und schloss das Studium als Fotodesigner 1974 ab. Im selben Jahr gründete er VISUM, Deutschlands erste Fotografenagentur, zusammen mit André Gelpke und Rudi Meisel. Von 1978 an wohnte er in Hamburg und begann für internationale Magazine und Werbeagenturen zu arbeiten.

Arbeit für National Geographic

1984 zog er nach New York und wurde in den frühen 1990er Jahren Vertragsfotograf für National Geographic. Im Mittelpunkt seiner Fotografie stehen Umweltthemen und die Veränderungen in den Republiken der ehemaligen Sowjetunion. Als 10-Jahres-Retrospektive der sozialen, ökonomischen und politischen Umwälzungen nach dem Zerfall der Sowjetunion erschien 2001 sein Buch Broken Empire – After the Fall of the USSR (Deutscher Titel: Russland – Eine Weltmacht im Wandel), gleichzeitig wurden die Fotos des Buches in den USA und Europa in Ausstellungen gezeigt. Seine Berichterstattung über die Zeit nach dem Fall der Sowjetunion hat ihm international den Ruf als der führende westliche Fotograf, der die Region dokumentiert, eingebracht.

Gerd Ludwig hat an fast allen der von David Cohen und Rick Smolan initiierten Buchprojekte „A Day in the Life of…“ mitgewirkt. Neben zahlreichen anderen Auszeichnungen erhielt er 2006 den Lucie Award als International Photographer of the Year. 2014 verlieh ihm die Deutsche Gesellschaft für Photographie (DGPh) den Dr. Erich Salomon Preis, der im Gedenken an Erich Salomon für das fotografische Lebenswerk vergeben wird. Im Herbst 2015 zeichnete ihn die Universität von Missouri mit ihrer begehrten Ehrenmedaille (Missouri Honor Medal) aus, die seit 1930 an Personen und Institutionen für ihre langjährige Leistungen im Journalismus vergeben wird.

Gerd Ludwig lebt in Los Angeles, Kalifornien, USA und fotografiert weiterhin hauptsächlich für National Geographic, gelegentlich auch für andere renommierte Zeitschriften und Buchprojekte sowie für Werbeagenturen. Außerdem lehrt er an Universitäten und gibt weltweit Workshops, seine Fotos werden international in Galerien, Museen und auf Festivals wie dem Visa pour L’Image in Perpignan ausgestellt. Daneben fotografiert er persönliche Projekte wie Sleeping Cars und arbeitet Werke aus seinem Archiv auf, darunter Porträts von Joseph Beuys und Friedensreich Hundertwasser.

Tschernobyl

Gerd Ludwig fotografierte die Folgen des Unglücks von Tschernobyl für National Geographic erstmals 1993 und kehrte 2005 dorthin zurück. Anlässlich des 25-jährigen Jahrestags des Unglücks 2011 versuchte er vergebens, mediales Interesse für weitere Berichterstattung zu gewinnen. Gerd Ludwig wandte sich schließlich Crowdfunding zu und begann dieses im Dezember 2010 als einer der ersten international bekannten Dokumentarfotografen für ein persönliches Projekt zu nutzen. Seine Kickstarter-Kampagne unterstützte eine Rückkehr in die Sperrzone von Tschernobyl, um die Folgen des größten Atomunfalls in der Geschichte weiterhin dokumentieren zu können. Das Unglück von Fukushima am 11. März 2011 ereignete sich, während das Crowdfunding noch lief, und lenkte das öffentliche Interesse erneut auf Tschernobyl und das Thema Atomenergie. Das Projekt erzielte schließlich mehr als 200 % der ursprünglich benötigten Summe.

Die Bilder, die Gerd Ludwig während seiner Rückkehr nach Tschernobyl aufnahm, wurden weltweit veröffentlicht und ausgestellt, zum Beispiel im Sitz der European Bank for Reconstruction and Development (EBRD) in London und beim LOOK3 Charlottesville Festival of the Photograph in Virginia vorgestellt. In Zusammenarbeit mit Lightbox entwickelte er die App „The Long Shadow of Chernobyl“. Sie wurde im Jahr 2012 mit dem 1. Platz in der Kategorie Tablet des „Best of Photojournalism“ - Wettbewerbs der National Press Photographers Association (NPPA) ausgezeichnet.

Im Jahr 2013 kehrte Gerd Ludwig anlässlich des 20. Jahrestages seiner Tschernobyl-Berichterstattung in die Sperrzone zurück, um die Aufräumarbeiten und die Fortschritte beim Bau des Sarkophags zu dokumentieren. Zusammen mit dem österreichischen Verlag Edition Lammerhuber veröffentlichte er 2014 den retrospektiven Bildband „Der lange Schatten von Tschernobyl“ (mit einem Essay von Michail Gorbatschow, Zitaten von Swetlana Alexijewitsch). Um den Druck des Buchs zu unterstützen, nutzte Gerd Ludwig erneut Kickstarter. Die Buchvorstellung fand im Rahmen einer umfassenden Ausstellung im Naturhistorischen Museum Wien statt. „Der lange Schatten von Tschernobyl“ stieß auf weltweite Anerkennung und wurde u. a. als Fotobuch des Jahres (Photobook of the Year) von POYi (Pictures of the Year international) ausgezeichnet.

Zitat

Reportagen in National Geographic

Bibliographie

Anthologien

Einzelnachweise

  1. ↑ VISUM Website von Visum. Abgerufen am 28. November 2015.
  2. ↑ Englischsprachiger Buchtitel. Abgerufen am 28. November 2015
  3. ↑ Buchtitel. Abgerufen am 28. November 2015
  4. ↑ Website der Lucie Awards. Abgerufen am 28. November 2015
  5. ↑ Bericht über die Preisverleihung an Gerd Ludwig auf der Website der DGPh. Abgerufen am 28. November 2015
  6. ↑ The Missouri Honor Medal (Memento vom 13. November 2015 im Internet Archive) Website der Universität zur Honor Medal. Abgerufen am 28. November 2015
  7. ↑ Bericht über die Auszeichnung Gerd Ludwigs. Abgerufen am 28. November 2015
  8. ↑ AUGUST 31 TO SEPTEMBER 15, 2013 EXHIBITIONS - PHOTOGRAPHERS (Memento vom 28. April 2014 im Internet Archive) Gerd Ludwig im Festivalprogramm 2014 von Visa pour L'Image. Abgerufen am 28. November 2015
  9. ↑ Website zum Projekt Sleeping Cars von Gerd Ludwig. Abgerufen am 28. November 2015
  10. ↑ Joseph Beuys — Gerd Ludwig Photography (Memento vom 8. Dezember 2015 im Internet Archive) Gerd Ludwigs Fotografien von Joseph Beuys. Abgerufen am 28. November 2015
  11. ↑ Gerd Ludwigs Kickstarter-Kampagne. Abgerufen am 28. November 2015
  12. ↑ Photoshelter berichtete über Gerd Ludwigs Kickstarter-Kampagne. Abgerufen am 28. November
  13. ↑ Website zu Gerd Ludwigs Fotoprojekt in Tschernobyl. Abgerufen am 28. November 2015
  14. ↑ Bericht der BBC über Gerd Ludwigs Ausstellung in der EBRD. Abgerufen am 28. November 2015
  15. ↑ Video-Mitschnitt von Gerd Ludwigs Projektpräsentation auf dem LOOK3 Festival in Charlottesville auf YouTube. Abgerufen am 28. November 2015
  16. ↑ Archivierte Kopie (Memento des Originals vom 10. Dezember 2014 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. Die App zu The Long Shadow of Chernobyl im App Store. Abgerufen am 28. November 2015
  17. ↑ Best Of Photojournalism (Memento vom 18. November 2015 im Internet Archive) Offizielle Website des „Best of Photojournalism“ - Wettbewerbs. Abgerufen am 28. November 2015
  18. ↑ (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im April 2018. Suche im Internet Archive) ( Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.) Bericht über die Auszeichnung Gerd Ludwigs durch die NPPA. Abgerufen am 28. November 2015
  19. ↑ Website des Verlags Lammerhuber. Abgerufen am 28. November 2015
  20. ↑ Website zum Bildband. Abgerufen am 28. November 2015
  21. ↑ Unterlagen zur Ausstellung "Nach Tschernobyl", die 2014 im Naturhistorischen Museum Wien stattfand.
  22. ↑ Website von POYi mit den Gewinnern des Fotobuchpreises im Jahr 2014. Abgerufen am 28. November 2015