Gerd Rokahr

Gerd Rokahr

Gerd Rokahr (* 17. August 1942 in Hannover) ist ein deutscher Maler, Grafiker und Autor.

Leben und Wirken

Gerd Rokahr verbrachte seine Kindheit und Jugend in Esens, Ostfriesland. Nach einer Lehre als Schaufenstergestalter studierte er Malerei und Graphik an der Staatlichen Kunstschule Bremen bei Winfred Gaul und Karl Heinrich Greune. 1967 erhielt er ein Förderstudium an der Staatlichen Kunstschule Bremen sowie eine „Künstlerförderung“ durch den Senator für das Bildungswesen Bremen. Von 1971 bis 2001 war er in Esens als Kunsterzieher und von 1975 bis 1978 als Dozent für Malerei und Graphik an der Kreisvolkshochschule Wittmund tätig. Rokahr ist seit 1976 Mitglied des Bundesverbandes Bildender Künstlerinnen und Künstler (BBK Ostfriesland).

Im Zentrum des künstlerischen Schaffens Gerd Rokahrs steht der Mensch mit seinen Eigenarten. „Mit bisweilen subtilem Humor und in einer unkonventionellen, an die kindliche Ausdrucksweise erinnernden Formensprache übersetzt der Graphiker menschliche Schwächen und Verhaltensweisen in eindrucksvolle Bilder. Auch Träume, das Unbewusste und Geheimnisvolle werden von ihm auf phantasievolle Weise gestaltet. Seine Landschaftsbilder zeigen dagegen die Besonderheiten der Nordseeküste, während die politischen Arbeiten aktuelle gesellschaftliche Konflikte aufgreifen. Das mit der visuellen Wahrnehmung spielende Gesamtwerk zeichnet sich durch Mehrsinnigkeit aus“.

Als Autor hat sich Gerd Rokahr insbesondere mit der Geschichte der Stadt Esens beschäftigt. In Würdigung seines Engagements verlieh ihm der Stadtrat 1992 den „Silbernen Bären“ der Stadt Esens. Gerd Rokahrs Buch „Die Juden in Esens“, welches 1987 als erste Monographie des Arbeitskreises „Geschichte der jüdischen Gemeinden in Ostfriesland“ bei der Ostfriesischen Landschaft in Aurich erschien, galt nach seiner Veröffentlichung als Vorbild für alle nachfolgenden Monographien des Arbeitskreises. Sein Buch Eine Chronik der Stadt Esens gilt als die erste wissenschaftlich begründete und umfassende Chronik einer ostfriesischen Stadt.

1987 wurde der „Ökumenische Arbeitskreis Juden und Christen in Esens“ gegründet, den Rokahr bis 1996 als 1. Vorsitzender leitete. 1990 konnte während einer „Woche der Begegnung“ von Juden und Christen aus dem Harlingerland in Esens das „August-Gottschalk-Haus“ als Gedenkstätte und Museum zur Geschichte die Juden in Ostfriesland eingeweiht werden.

Gerd Rokahr lebt und arbeitet als Graphiker und Autor regionalgeschichtlicher Studien in Esens, Ostfriesland.

Gerd Rokahr wurde mit seinem Werk in die „Künstlerdatenbank und Nachlassarchiv Niedersachsen“ aufgenommen. Für seine Verdienste um Ostfriesland wurde ihm im Jahre 2022 das Ostfriesische Indigenat erteilt.

Ausstellungen (Auswahl)

Ölbilder, Zeichnungen und Druckgraphiken von Gerd Rokahr wurden in 19 Einzelausstellungen und 150 Gruppenausstellungen im In- und Ausland gezeigt.

Einzelausstellungen

Gruppenausstellungen

Werke in öffentlichem Besitz

Zahlreiche Arbeiten Gerd Rokahrs befinden sich heute in öffentlichen und privaten Sammlungen im In- und Ausland, unter anderem der Hochschule für Künste, Bremen, beim Senator für das Bildungswesen, Bremen, dem „Artist’s Books Archive“, Edewecht, und „The State Museum“ in Majdanek, Lublin. Mit seiner 330 Arbeiten umfassenden Rokahr-Sammlung verfügt das Kunsthaus Leer über einen umfangreichen Bestand an Ölbildern, Collagen, Zeichnungen und vor allem Druckgraphik des ostfriesischen Malers und Graphikers. Weitere 265 seiner Werke übergab Rokahr im März 2025 dem Museum Leben am Meer in Esens.

Veröffentlichungen (Auswahl)

Eine Auswahl an Literatur von und über den Künstler Gerd Rokahr, die von ihm illustrierten Bücher sowie seine regionalgeschichtlichen Veröffentlichungen ist im Katalog der Landschaftsbibliothek in Aurich zu finden.

Bildende Kunst

Illustrationen

Regionalgeschichte

Einzelnachweise

  1. ↑ Susanne Augat: Gerd Rokahr – Landschaften, Menschen und Tiere. Eine Veröffentlichung des Kunsthauses Leer. Oldenburg 2013. S. 64. ISBN 978-3-89995-958-1
  2. ↑ Axel-Alexander Ziese: Artikel: Gerd Rokahr (Memento vom 26. September 2015 im Internet Archive) In: Allgemeines Lexikon der Kunstschaffenden in der bildenden und gestaltenden Kunst des ausgehenden XX. Jahrhunderts. Abgerufen am 24. September 2015.
  3. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 Reflexion über zentrale Fragen der Menschheit. Symbolik und Hintersinn – Ausstellung des Esenser Künstlers Gerd Rokahr in der Städtischen Galerie „Müllerhaus“ (Memento vom 26. September 2015 im Internet Archive). In: Anzeiger für Harlingerland vom 8. August 2012. Abgerufen am 9. August 2024.
  4. 1 2 BBK Ostfriesland: Mitglieder (Memento vom 26. September 2015 im Internet Archive). Abgerufen am 9. August 2024.
  5. ↑ Susanne Augat, Leiterin des Kunsthaus Leer zur Ausstellung: Gerd Rokahr: Landschaften, Menschen und Tiere im Kunsthaus Leer. Abgerufen am 24. September 2015.
  6. 1 2 Klaus Wilbers (Bürgermeister der Stadt Esens) und Jürgen Buß (Stadtdirektor): Zum Geleit. In: Gerd Rokahr: Eine Chronik der Stadt Esens. Brune-Mettcker-Verlag, Wittmund 2010. ISBN 978-3-87542-075-3. S. 4
  7. ↑ Michaela Ölsner: Land der Entdeckungen. Reise ins jüdische Ostfriesland. Dokumentation zum Kooperationsprogramm. Aurich 2014, S. 28. Ebenso: Hajo van Lengen: Zum Geleit. In: Gerd Rokahr: Die Juden in Esens. Die Geschichte der jüdischen Gemeinde in Esens von den Anfängen im 17. Jahrhundert bis zu ihrem Ende in nationalsozialistischer Zeit, Aurich 1987, 1994², ISBN 3-925365-76-1.
  8. ↑ Gerd Rokahr: Erinnern, nicht verdrängen. Zehn Jahre Ökumenischer Arbeitskreis Juden und Christen in Esens. Esens/Wittmund, 1997, S. 17, 36–74, 117.
  9. ↑ Auszeichnungen und Ehrungen der Ostfriesischen Landschaft. In: Ostfriesische Landschaft. 25. August 2022, abgerufen am 23. Oktober 2026.
  10. ↑ Susanne Augat: Gerd Rokahr – Landschaften, Menschen und Tiere. Eine Veröffentlichung des Kunsthauses Leer. Oldenburg 2013 (ISBN 978-3-89995-958-1). Liste der Einzel- und Gruppenausstellungen von 1965–2012 auf S. 66–70, Detlef Kiesé: Auch in einigen Nachbarländern Kunst gezeigt. Esenser Grafiker Gerd Rokahr beteiligte sich jetzt zum 150. Mal an einer Gruppenausstellung. In: Anzeiger für Harlingerland vom 15. Oktober 2013
  11. ↑ Klaus Händel: Reflexion über zentrale Fragen der Menschheit. Symbolik und Hintersinn – Ausstellung des Esenser Künstlers Gerd Rokahr in der Städtischen Galerie „Müllerhaus“. In: Anzeiger für Harlingerland vom 9. August 2012
  12. ↑ Andrea Lieder-Hein: Szenenapplaus für die Beschreibung der neuen Bilder. Gerd Rokahr-Ausstellung wurde im Kunsthaus in Leer eröffnet / Zahlreiche Besucher. In: Ostfriesen-Zeitung vom 17. April 2013.
  13. ↑ Detlef Kiesé: Jüdisches Leben mit der Radiernadel interpretiert. Ausstellung. Gerd Rokahr schuf beeindruckende Arbeiten zu Texten über jüdisches Leben in Ostfriesland. In: Anzeiger für Harlingerland vom 7. September 2015
  14. ↑ Privatbesitz. Kunstsammlungen Bremer Künstlerinnen und Künstler. Ausstellung in der Städtischen Galerie Bremen, 30. September bis 11. November 2012. Einladungskarte mit den Namen aller ausstellenden Künstlerinnen und Künstler.
  15. ↑ Christian Behrends: Ausstellung: Der Name ist Programm. 25. Ausstellung noch bis Jahresende im „Nordbrücke“-Kunsthaus. In: Anzeiger für Harlingerland vom 5. Dezember 2012
  16. ↑ Manfred Schütz: Äußerer Erfolg interessiert wenig. Der Grafiker Gerd Rokahr aus Esens sucht vor allem seine innere Selbstbestätigung. In: Ostfriesen-Zeitung (Leer), 12. vom 1996. Ebenso: Axel-Alexander Ziese: Artikel: Gerd Rokahr (Memento vom 26. September 2015 im Internet Archive) In: Allgemeines Lexikon der Kunstschaffenden in der bildenden und gestaltenden Kunst des ausgehenden XX. Jahrhunderts. Abgerufen am 9. August 2024 und: Reflexion über zentrale Fragen der Menschheit. Symbolik und Hintersinn – Ausstellung des Esenser Künstlers Gerd Rokahr in der Städtischen Galerie „Müllerhaus“ (Memento vom 26. September 2015 im Internet Archive). In: Anzeiger für Harlingerland vom 8. August 2012. Abgerufen am 9. August 2024.
  17. ↑ Susanne Augat: Gerd Rokahr – Landschaften, Menschen und Tiere. Eine Veröffentlichung des Kunsthauses Leer. Oldenburg 2013. ISBN 978-3-89995-958-1. S. 9
  18. ↑ NWZonline.de: Künstler Gerd Rokahr in Esens: Kunstnachlass bereichert Museum Leben am Meer dauerhaft. 10. März 2025, abgerufen am 25. März 2026.
  19. ↑ Johann Haddinga: Literarische Stolpersteine in Ostfriesland. Neuerscheinung. Theo Schuster dokumentiert zum zweiten Mal jüdisches Leben. In. Ostfriesischer Kurier vom 18. Dezember 2013
  20. ↑ Johann Haddinga: Neuer Band mit ostfriesischen Volksgeschichten. Aus der Schatzkammer von Theo Schuster – Märchen, Sagen, Aberglaube und Anekdoten. In: Ostfriesischer Kurier vom 29. August 2015
Personendaten
NAME Rokahr, Gerd
KURZBESCHREIBUNG deutscher Maler und Autor
GEBURTSDATUM 17. August 1942
GEBURTSORT Hannover