Gerd Schwerhoff

Gerd Schwerhoff, 2026
Gerd Schwerhoff, 2016

Gerd Schwerhoff, eigentlich Gerhard Schwerhoff, (* 26. Dezember 1957 in Köln) ist ein deutscher Historiker, der eine Professur für Geschichte der Frühen Neuzeit an der TU Dresden innehat. Er ist einer der führenden deutschen Kriminalitätshistoriker.

Leben und Wirken

Gerd Schwerhoff studierte Geschichtswissenschaft, Soziologie und Pädagogik an der Universität zu Köln und der Universität Bielefeld. Nach seinem Magisterabschluss 1984 arbeitete er zunächst als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Mittelalterliche Geschichte und später im Rahmen des Sonderforschungsbereichs 177 „Sozialgeschichte des neuzeitlichen Bürgertums. Deutschland im internationalen Vergleich“ der DFG an der Universität Bielefeld.

Im Jahr 1989 erfolgte seine Promotion mit einer von Klaus Schreiner betreuten Arbeit zur Kriminalitätsgeschichte der Stadt Köln. Die Arbeit wurde mit einem Förderpreis der Westfälisch-Lippischen Universitätsgesellschaft und mit dem August-Sutter-Preis 1990 ausgezeichnet. Bis 1997 war Schwerhoff als Wissenschaftlicher Assistent bzw. wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung „Mittelalter/Frühe Neuzeit“ an der Fakultät für Geschichtswissenschaft und Philosophie der Universität Bielefeld beschäftigt, bevor er sich 1997 habilitierte und seine Lehrberechtigung für Mittlere und Neuere Geschichte erhielt. Als Vertreter eines Lehrstuhls lehrte Schwerhoff im Wintersemester 1997/98 an der Universität Bielefeld und im Sommersemester 1998 an der Universität zu Köln. Vom Herbst 1998 bis Frühjahr 2000 war er Heisenberg-Stipendiat der DFG in Bielefeld. Von April 2000 bis März 2024 hatte Schwerhoff die Professur für Geschichte der Frühen Neuzeit an der Technischen Universität Dresden inne. Einen Ruf an die Universität Hamburg lehnte er 2003 ab. Seit dem 1. April 2024 ist er Seniorprofessor an der TU Dresden.

In seinen Forschungen beschäftigt sich Schwerhoff hauptsächlich mit der Geschichte der Kriminalität und des abweichenden Verhaltens, der Geschichte der Hexerei und der Hexenverfolgung. Schwerhoff legte die erste Einführung in die Historische Kriminalitätsforschung vor. Eine umfassende Überarbeitung davon erschien 2011. Weiterhin arbeitet er zur Religionsgeschichte und zur Geschichte der Stadt in Mittelalter und Früher Neuzeit. In jüngster Zeit beschäftigte er sich intensiver mit der Geschichte des Bauernkriegs von 1525.

Schwerhoff war Mitglied und ab 2002 Sprecher des Internationalen Graduiertenkollegs 625 „Institutionelle Ordnungen, Schrift und Symbole / Ordres institutionels, ecrit et symboles“ an der EPHE, Paris und der TU Dresden. Er wirkte als Teilprojektleiter in den Sonderforschungsbereichen 537 („Institutionalität und Geschichtlichkeit“) und 804 („Transzendenz und Gemeinsinn“). Von Juli 2017 bis Juni 2022 war er Sprecher und Teilprojektleiter im Dresdner Sonderforschungsbereich 1285: „Invektivität. Konstellationen und Dynamiken der Herabsetzung“. Dem Hochschulrat der TU Dresden gehörte er von 2015 bis 2025 an.

Schriften

Monographien

Herausgeberschaften

Literatur

Commons: Gerd Schwerhoff – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen

  1. ↑ Vgl. beispielsweise Dienstjubiläen. In: Dresdner Universitätsjournal. 14/2010, S. 2 (online als PDF; 3,6 MB).
  2. ↑ Prof. Dr. Gerd Schwerhoff. In: tu-dresden.de. Abgerufen am 23. Juni 2025.
  3. ↑ Gerd Schwerhoff: Aktenkundig und gerichtsnotorisch. Einführung in die Historische Kriminalitätsforschung. Tübingen 1999 (Online als Blogbeitrag auf Kliotop).
  4. ↑ Gerd Schwerhoff: Historische Kriminalitätsforschung. Frankfurt am Main 2011. Vgl. dazu die Besprechungen von Dirk Blasius in: Vierteljahrschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte 99 (2012), S. 257 (online); Maria Heidegger in: sehepunkte 11 (2011), Nr. 12 [15. Dezember 2011], (online).
  5. ↑ Gerd Schwerhoff: Frühneuzeitliche Stadtgeschichte im Cultural Turn – eine Standortbestimmung. In: Julia A. Schmidt-Funke, Matthias Schnettger (Hrsg.): Neue Stadtgeschichte(n). Die Reichsstadt Frankfurt im Vergleich. Transcript Verlag, Bielefeld 2018, doi:10.1515/9783839434826-002.
  6. ↑ Gerd Schwerhoff: Köln im Ancien Régime 1686–1794 (= Geschichte der Stadt Köln. Band 7). Greven, Köln 2017, ISBN 978-3-7743-0450-5.
  7. ↑ EGK 625. Abgerufen am 1. November 2021.
  8. ↑ Institutionelle Ordnungsarrangements öffentlicher Räume in der Frühen Neuzeit (S). Abgerufen am 30. Mai 2024.
  9. ↑ Integriertes Graduiertenkolleg „Transzendenz und Gemeinsinn“ (MGK). Abgerufen am 30. Mai 2024.
  10. ↑ Der Vorstand des Sonderforschungsbereichs 1285 „Invektivität. Konstellationen und Dynamiken der Herabsetzung“. Abgerufen am 1. November 2021.
  11. ↑ Der Hochschulrat der TU Dresden. Abgerufen am 1. November 2021.