Gerda Baumbach (* 1950 in Thal) ist eine deutsche Theaterwissenschaftlerin.
Nach dem Studium der Theaterwissenschaft an der Theaterhochschule „Hans Otto“ in Leipzig promovierte Gerda Baumbach 1978 mit einer Schrift über theatrale Qualitäten von Texten Heiner Müllers. Die Dissertation mit dem Titel Dramatische Poesie für Theater. Heiner Müllers BAU als Theatertext blieb unveröffentlicht. Erst später wurden die zugrundeliegenden, gemeinsam mit Gottfried Fischborn getätigten Interviews mit Heiner Müller veröffentlicht. Neben der Lehre an der Theaterhochschule war sie in der Theaterpraxis tätig. Seit 1986 war sie Mitarbeiterin bei Rudolf Münz am Lehrstuhl Ältere Theatergeschichte. 1993 erfolgte die Habilitation mit einer Schrift zu Parodieverfahren, Akteuren und Theater an der Universität Wien am Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft. Dort war sie zudem bis 2003 regelmäßig als Lehrbeauftragte engagiert.
Seit 1994 arbeitet Gerda Baumbach als Professorin für Theaterwissenschaft an der Universität Leipzig, sie ist seit April 2017 emeritiert. Sie ist Autorin und Herausgeberin verschiedener Bücher und Verfasserin diverser Beiträge zu Theatergeschichte, Theatertheorie und Theateranthropologie. Die Reihe Leipziger Beiträge zur Theatergeschichtsforschung wird von ihr seit 2009 herausgegeben. Zudem hält sie regelmäßig Vorträge und Gastvorlesungen im In- und Ausland. Zusätzlich besteht eine Forschungskooperation mit italienischen Theaterhistorikern und Theateranthropologen der Universitäten Mailand, Rom und Turin, wobei sie das deutsch-italienische Projekt „Historische Anthropologie der Akteure und der Theater“ leitet.
Gerda Baumbachs Forschungsergebnisse am Institut für Theaterwissenschaft der Universität Leipzig sind über die Website theaterstudien.de ersichtlich. Hier werden für die ausgeführten Publikationen, Veranstaltungen und Projekte zwei zentrale Grundsätze benannt:
Die Buchreihe Leipziger Beiträge zur Theatergeschichtsforschung konzentriert sich vor allem auf europäische Theatertraditionen vom 11. bis zum 18. Jahrhundert. Der Fokus liegt dabei auf gegenwärtiges und künftiges Theater.
2012 erschien ihr Buch Schauspieler. Historische Anthropologie des Akteurs. Band 1: Schauspielstile im Leipziger Universitätsverlag, Band 2: Historien folgte 2018. Im Zentrum der Untersuchung steht das Verhältnis des Akteurs zum Publikum, wobei die Methode der Allgemeinen Historischen Anthropologie, wie sie vom Institut der Erziehungswissenschaft an der Universität Innsbruck definiert wird, Anwendung findet. Diese bezieht sich auf das menschliche Sein mit seiner kulturellen Gestaltung existenzieller Bereiche in ihrem jeweiligen historischen Wandlungsprozess. Innerhalb dieses Prozesses werden überlieferte Traditionen mit historisch bedingten Ereignissen vermischt.
Im ersten der beiden Bände von Schauspieler. Historische Anthropologie des Akteurs beschreibt Baumbach die historische Herausbildung von drei sich in struktureller Hinsicht unterscheidenden Schauspielstilen im Zeitraum von der frühen Neuzeit bis zum Ende des 19. Jahrhunderts. Dabei stehen diese jeweils stellvertretend für eine bestimmte Auffassung vom Menschen:
Im zweiten Band geht es nach der eigenen Beschreibung um die „Historien von der jahrhundertelangen europäischen Auseinandersetzung, die den Darsteller stets aufs Neue gegen den Comödianten in Stellung bringt.“
Beiträge u. a. zu: Theatergeschichte, Theatertheorie und Theateranthropologie, Commedia all’improvviso und Renaissancetheater, Theateravantgarde (ein Schwerpunkt V. E. Meyerhold), Maske, Schauspielkunst, Theaterfiguren, Fachgeschichte der Theaterwissenschaft.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Baumbach, Gerda |
| KURZBESCHREIBUNG | deutsche Theaterwissenschaftlerin |
| GEBURTSDATUM | 1950 |
| GEBURTSORT | Thal (Ruhla) |