Gerda Lampalzer

Gerda Lampalzer (auch Gerda Lampalzer-Oppermann; * 1959 in Wien, aufgewachsen in Mödling) ist eine österreichische Medienkünstlerin, Medientheoretikerin, Hochschullehrerin und Feministin.

Leben

Gerda Lampalzer studierte an der Universität Wien Kommunikationswissenschaften und dissertierte 1989 zum Thema Videokunst. 1992 wurde die Arbeit unter dem Titel Videokunst. Historischer Überblick und theoretische Zugänge im Promedia Verlag veröffentlicht. 2016 habilitierte sie sich mit der Publikation Randsprünge. Medien Kunst Denken, herausgegeben im Verlag Walter de Gruyter, an der Kunstuniversität Linz im Fach Medienkunst mit Schwerpunkt künstlerische Forschung. Schon während des Studiums schloss sie sich dem Kollektiv der Medienwerkstatt Wien an, mit dem sie 1980 im Rahmen der Wiener Festwochen Alternativ mit der Volks stöhnenden Knochenschau (Sammlung Wien Museum) ein erstes größeres partizipatives Medien-Projekt durchführte. Seitdem ist sie im kollektiven Leitungsteam der Medienwerkstatt Wien, unter anderem mit Manfred Neuwirth. Seit 2002 ist sie Mitglied von FLUSS NÖ Initiative für Foto und -Medienkunst, seit 2003 der Vereinigung bildender Künstler Wiener Secession und der IG Bildende Kunst, seit 2017 des Feministischen Rats.

Seit 1993 verbindet Gerda Lampalzer mit Manfred Oppermann eine künstlerische Zusammenarbeit als Lampalzer/Oppermann (Eigenschreibweise LAMPALZER/OPPERMANN). Gerda Lampalzer lebt und arbeitet in Wien und Kritzendorf.

Künstlerische Tätigkeit

Gerda Lampalzer arbeitet interdisziplinär in den Bereichen Video, Fotografie, Installation, Objektkunst, Konzeptkunst und Text. Sie startete ihre künstlerische Tätigkeit mit experimentellen Videodokumentationen, die auf zahlreichen internationalen Festivals liefen. Mitte der 1980er Jahre wandte sie sich vermehrt der klassischen Videokunst zu. In ihren Arbeiten erforschte sie die Möglichkeiten einer spezifischen Videopoesie, die sich bald auf Videoobjekte und Rauminstallationen erweiterte. Daraus folgte neben Festivalteilnahmen auch eine zunehmende Ausstellungstätigkeit. Ab 2000 entwickelte Lampalzer einen verstärkt konzeptuellen Zugang zur Medienkunst, der sich vor allem in ihrem Zyklus zu videografischen Sprachumschnitten (Translation, Transformation) und Fotoassemblagen manifestierte. Parallel dazu lag der Schwerpunkt der Arbeiten als Lampalzer/Oppermann im Bereich inszenierte Fotografie, Rauminstallation und Performance Lecture, was zu site-spezifischen Ausstellungen, Auftritten und Versuchsanordnungen führte. Seit den 2020er Jahren erweiterte Lampalzer ihre Arbeiten in den bildnerischen Bereich. Ausgehend von dem Display des Diagramms entwickelte sie textile Objekte, die sie in weiterer Folge mit Textelementen aus LED-Schriften kombinierte. Eine umfangreiche Werkserie bilden auch ihre genähten Assemblagen.

Lampalzer erhielt zahlreiche Stipendien, z. B. 1993 für das Progetto Civitella d’Agliano Italien, sowie 1994 und 2000 das Videostipendium des Bundesministeriums für Kunst und Kultur, heute Bundesministerium für Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport. Artist in Residence Programme absolvierte sie 1997 bei United Media Arts in Durham, Kanada, 2002 in Hamburg und 2004 verbrachte sie einen künstlerischen Gastaufenthalt auf den Philippinen. Gerda Lampalzers Arbeiten befinden sich in der Sammlung des Landes Niederösterreich, der Artothek des Bundes, des Rupertinums Salzburg und im Ursula-Blickle-Videoarchiv sowie international z. B. im Zentrum für Kunst und Medien in Karlsruhe und in privaten Sammlungen.

1993 wurde Lampalzer mit dem Preis des belgischen Fernsehens R.T.B.F. für den Film ASUMA ausgezeichnet und 1992 mit dem Österreichischen Förderungspreis für Videokunst. Es folgten 2005 der Karl-Hofer-Preis der Universität der Künste Berlin für das Projekt Translation, 2006 der Würdigungspreis des Landes Niederösterreich für Medienkunst und 2013 der Österreichische Kunstpreis für Medienkunst.

Lehrtätigkeit

Von 1987 bis 2024 lehrte sie an der Universität für angewandte Kunst Wien im Bereich Medientheorie. Im Rahmen ihrer Projekte realisierte sie zahlreiche Ausstellungen mit ihren Studierenden, unter anderem im Kunsthalle Wien project space, im Schikaneder Kino, in der Zentralsparkasse Favoriten, im Künsterhaus 1050, in der Seestadt Aspern, beim Kunst- und Stadtteilprojekt Soho in Ottakring in Sandleiten in Wien-Ottakring.

Von 2013 bis 2015 arbeitete Lampalzer als Gastprofessorin im Masterprogramm für zeitbasierte Medien der Kunstuniversität Linz, wo sie im Offenen Kulturhaus Oberösterreich gemeinsam mit Gitti Vasicek das Projekt EXTRAUni durchführte. Von 2001 bis 2006 war Lampalzer Dozentin im Masterstudium Qualitätsjournalismus an der Donauuniversität Krems. Von 2006 bis 2011 und 2015 bis 2025 war sie als Lektorin an der Kunstuniversität Linz tätig.

Außeruniversitär leitete Gerda Lampalzer teilweise gemeinsam mit Manfred Oppermann Workshops, Seminare und Projekte in den Bereichen Fotografie und Medienkunst, unter anderem in der 10. Sommer Fotoschule DOM FOTOGRAFIE in Poprad, Slowakei, bei den Weinviertler Fotowochen im Schloss Wolkersdorf, in internationalen Workshop- und Vortragsreihen der Medienwerkstatt Wien, sowie im schulischen Bereich zum Teil in Zusammenarbeit mit KulturKontakt.

Videoprojekte und mediale Installationen (Auswahl)

Festivals (Auswahl)

Ihre Filme werden auf Internationalen Festivals gezeigt, z. B. der Kurzfilm Die Gedanken sind frei am Festival K3 in Udine und Villach, der Dokumentarfilm Über Vergewaltigung (1984) auf der Diagonale 2019. Lampalzer nahm u. a. auch am Crosstalk Video Art Festival Budapest, an Video Culture Toronto, am 1. Golden Orange Short Film Video Festival Antalya, am Querspur Videofestival Linz, am Fullframe Kunst und Kurzfilmfestival Wien, am World Wide Videofestival Den Haag, an der Manifestation international de Video Montbéliard, an den Kurzfilmtage Oberhausen, an VIPER Basel, an Schräg.SPUREN in Klagenfurt, am if Forum Tokyo und am Alpe Adria Cinema Festival Triest teil.

Auszeichnungen

Publikationen (Auswahl)

Einzelnachweise

  1. ↑ 40 Jahre Medienwerkstatt im Filmmuseum. In: derstandard.at. 21. November 2018, abgerufen am 27. Mai 2025.
  2. ↑ Blicke und Begegnungen. In: oe1.orf.at. 9. Mai 2022, abgerufen am 27. Mai 2025.
  3. ↑ Gerda Lampalzer-Oppermann. In: kunstuni-linz.at. Abgerufen am 27. Mai 2025.
  4. ↑ Nina Rippel: Doppelbelichtungen und Anschlüsse an das kosmische Informationsfeld. In: medienwerkstatt-wien.at. 2006, abgerufen am 27. Mai 2025 (Bericht für Schnitt, das Filmmagazin).
  5. ↑ Sprache auf Montage. In: vimeo.com. Abgerufen am 27. Mai 2025.
  6. ↑ Ferial Nadja Karrasch: Unstimmig: Unstimmige Mehrstimmigkeiten. In: artmagazine.cc. 15. Oktober 2015, abgerufen am 27. Mai 2025.
  7. ↑ Isabella Reicher: Kurz und bündig. In: derstandard.at. 28. Juni 2011, abgerufen am 27. Mai 2025.
  8. ↑ Gerda Lampalzer. In: artothek.info. Abgerufen am 27. Mai 2025.
  9. ↑ Gerda Lampalzer. In: ursulablicklevideoarchiv.com. Abgerufen am 27. Mai 2025.
  10. ↑ Gerda Lampalzer. In: zmk.de. Abgerufen am 27. Mai 2025.
  11. ↑ Jörg Kirchhoff: UDK vergibt Karl-Hofer-Preis für Arbeiten über verborgene Sprache und Landminen. In: idw-online.de. 21. November 2005, abgerufen am 27. Mai 2025.
  12. ↑ Österreichischer Kunstpreis 2013 vergeben. In: idw-online.de. 26. November 2013, abgerufen am 27. Mai 2025.
  13. ↑ Gerda Lampalzer. In: medientheorie.uni-ac.at.at. Abgerufen am 27. Mai 2025.
  14. ↑ Dariusz: Gerda Lampalzer-Oppermann. In: zeitbasiertemedien.wordpress.com. Abgerufen am 27. Mai 2025.
  15. ↑ Gerda Lampalzer und Manfred Oppermann: Gegen die Trägheit des Auges. In: fotofluss.at. 14. August 1999, abgerufen am 27. Mai 2025.
  16. ↑ Redaktion: No Change: Videos aus drei Jahrzehnten. In: derstandard.at. 11. Mai 2007, abgerufen am 27. Mai 2025.
  17. ↑ Translation. In: kunstradio.at. 22. Januar 2006, abgerufen am 27. Mai 2025.
  18. ↑ Rebellinnen und Frauenbild. In: derstandard.at. 9. Dezember 2003, abgerufen am 27. Mai 2025.
  19. ↑ Transformation. In: position-n.at. 2009, abgerufen am 27. Mai 2025.
  20. ↑ Siegfried Mattl: Niederösterreich Land im Aufstieg. Ein Heimatfilm. In: position-n.at. 2014, abgerufen am 27. Mai 2025.
  21. ↑ SalonkonzertAV im Admiralkino: Tauchgang mit Plattenspieler. In: derstandard.at. 28. Januar 2016, abgerufen am 27. Mai 2025.
  22. ↑ Gerda Lampalzer im Schauraum Angewandte – quartier 21 im MuseumsQuartier. In: medientheorie.uni-ak.ac.at. 12. Januar 2017, abgerufen am 27. Mai 2025.
  23. ↑ Gewitterzelle im WUK. In: cba.media. 22. März 2020, abgerufen am 27. Mai 2025.
  24. ↑ Gerda Lampalzer-Oppermann: Auf dem Raketenpinsel durchs All während der Vollkerf punktgenau dem Hirn entschlüpft. In: fotofluss.at. 3. August 2024, abgerufen am 27. Mai 2025.
  25. ↑ Über Vergewaltigung. In: diagonale.at. 2019, abgerufen am 27. Mai 2025.
  26. ↑ NÖ Würdigungspreise 1999 werden am 8. November überreicht. In: ots.at. 14. September 1999, abgerufen am 27. Mai 2025.
  27. ↑ Gerda Lampalzer. In: medienwerkstatt-wien.at. 2005, abgerufen am 27. Mai 2025 (Medienwerkstatt Jahresbericht: Erwähnung auf Seite 42).
  28. ↑ Karl-Hofer-Preis 2005 vergeben. In: art-in-berlin.de. 25. November 2005, abgerufen am 27. Mai 2025.
  29. ↑ Kulturpreise in Niederösterreich, Linz und Salzburg. In: digitalekunst.ac.at. 22. November 2006, abgerufen am 27. Mai 2025.
  30. ↑ Österreichischer Kunstpreis - Medienkunst. In: bmkoes.gv.at. 2013, abgerufen am 27. Mai 2025.
Personendaten
NAME Lampalzer, Gerda
ALTERNATIVNAMEN Lampalzer-Oppermann, Gerda
KURZBESCHREIBUNG österreichische Medienkünstlerin, Medientheoretikerin, Hochschullehrerin und Feministin
GEBURTSDATUM 1959
GEBURTSORT Wien