Gerhard Feldbauer

Gerhard Feldbauer (* 29. März 1933 in Zwickau) ist ein deutscher Historiker und Publizist. In der DDR war er Auslandskorrespondent und Diplomat. Seine Bücher und Artikel befassen sich mit der neueren politischen Geschichte Italiens.

Leben

Feldbauer war von 1967 bis 1970 Südostasien-Korrespondent für den Allgemeinen Deutschen Nachrichtendienst (ADN) und das Zentralorgan der SED Neues Deutschland in Hanoi. Von 1970 bis 1979 arbeitete er als Auslandskorrespondent für den ADN in Rom. Er promovierte 1972 an der Deutschen Akademie für Staats- und Rechtswissenschaft „Walter Ulbricht“ in Potsdam-Babelsberg zur „Rolle der vietnamesischen Räte im nationalen Befreiungskampf“. Mit einer Schrift zum italienischen Neofaschismus legte er 1981 die Promotion B (Dr.sc.rer.pol.) an der Karl-Marx-Universität Leipzig ab. Von 1981 bis 1983 war er Botschaftsrat in Algerien, ab November 1983 Botschafter in Zaire. Seit 2002 arbeitet er als freiberuflicher Publizist.

Feldbauer hat Bücher zur neueren politischen Geschichte Italiens verfasst. Laut verschiedenen Rezensenten gehen seine Bücher Agenten, Terror, Staatskomplott (2000) und Geschichte Italiens (2008) von einem ungebrochenen kommunistischen Weltbild aus und nehmen Verschwörungstheorien auf. Seine Studie Marsch auf Rom von 2002, die sich – so der Untertitel – mit Faschismus und Antifaschismus in Italien - Von Mussolini bis Berlusconi und Fini befasst, rezensierte Conradin Wolf in der NZZ. Feldbauer vertrete darin die These, die USA hätten die „Entfaschisierung“ Italiens verhindert. Das Buch sei dennoch eine geeignete Einführung in die Geschichte des Faschismus Italiens. Feldbauer habe die Zusammenhänge zwischen und die historische Kontinuität von altem und neuem italienischen Faschismus analysiert und gebe „einen sehr gut verständlichen Überblick über zentrale Aspekte der Geschichte Italiens der letzten 80 Jahre“, befand Silke Becker im Portal für Politikwissenschaft. Seine 2023 erschienene Abhandlung Georgia Meloni und der italienische Faschismus durchziehe „eine ideologische DDR-Sozialisation, die auch seine überkommenen Konzepte und stereotype Zuordnungen“ erkläre, schrieb Armin Pfahl-Traughber. Feldbauer habe kaum neuere Fachliteratur verwendet und neige auch immer wieder zu „konspirationsideologischen Ausführungen“, etwa wenn er behauptet: „Die CIA inszenierte … zunächst die Entführung und am 9. Mai die Ermordung Moros …“,.

Als freier Autor schreibt er für die Zeitungen Neues Deutschland, Junge Welt und Unsere Zeit (UZ) über Italien. Henning Böke warf ihm 2002 in analyse & kritik vor, in der UZ „als »Italien-Experte« (…) eine Fortsetzung seines alten DDR-Journalismus“ zu betreiben, und nennt als Beispiel die seiner Meinung nach „grotesk verdrehten, vor offener Fälschung von Zitaten nicht zurückschreckenden Darstellungen zum Strömungsstreit in der Rifondazione Comunista“. Feldbauer gehörte zu den ständigen Autoren der Monatsschrift RotFuchs, die erstmals 1998 als Kleinzeitung der DKP erschien, um „Positives aus der DDR bewahren“ und eine „strenge marxistisch-leninistische Ausrichtung“ hatte, und schrieb für die Marxistisch-leninistische Schriftenreihe für Geschichte, Politik, Ökonomie und Philosophie des Ernst-Thälmann-Verlags, wie 2006 zusammen mit Kurt Gossweiler im Heft 100: Der Versuch eines konterrevolutionären Putsches 1953 in der DDR.

Schriften

Auszeichnungen

Einzelnachweise

  1. 1 2 Feldbauer, Gerhard. In: Lothar Mertens: Lexikon der DDR-Historiker. Biographien und Bibliographien zu den Geschichtswissenschaftlern aus der Deutschen Demokratischen Republik, De Gruyter Saur, München 2006, ISBN 978-3-598-11673-5, S. 209.
  2. 1 2 Volker Reinhardt: Rezension zu: Feldbauer, Gerhard: Geschichte Italiens. Vom Risorgimento bis heute. Köln 2008. In: H-Soz-Kult, 30. Juni 2009
  3. 1 2 Ralf Mattes: Rezension zu: Agenten, Terror, Staatskomplott: der Mord an Aldo Moro, Rote Brigaden, und CIA. PapyRossa, Köln 2000. In: Archivio900.it
  4. ↑ Rainer Behring: Italien im Spiegel der deutschsprachigen Zeitgeschichtsforschung. Ein Literaturbericht (2006–2013). In: Archiv für Sozialgeschichte. Band 54, 2014, S. 353–354 (pdf)
  5. ↑ Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 14. Dezember 2002, Perlentaucher
  6. ↑ Silke Becker: Rezension zu: Gerhard Feldbauer: Marsch auf Rom. Köln: 2002, in: Portal für Politikwissenschaft, 1. Januar 2006
  7. ↑ Armin Pfahl-Traughber: Giorgia Meloni – „Faschistin“, „Post-Faschistin“ – oder was? In: Endstation Rechts, 3. Juli 2023
  8. ↑ Henning Böke: Fast ein Nachruf. Die DKP kämpft ums Überleben ihres Zentralorgans. In: analyse & kritik. Nr. 466, 18. Oktober 2002.
  9. ↑ Christian Nestler: Zeitschriftenporträt: RotFuchs. In: Uwe Backes, Alexander Gallus, Eckhard Jesse (Hrsg.): Jahrbuch Extremismus u. Demokratie, 24. Jahrgang 2012, ISBN 978-3-8329-7999-7, S. 249
Personendaten
NAME Feldbauer, Gerhard
KURZBESCHREIBUNG deutscher Journalist, Historiker und Diplomat der DDR
GEBURTSDATUM 29. März 1933
GEBURTSORT Zwickau