
Gerhard Pfaff (* 19. Oktober 1953 in Meiningen) ist ein deutscher Chemiker und Professor für Anorganische Festkörperchemie. Er widmete sich insbesondere der Industrie-Forschung und der Ausbildung auf dem Fachgebiet Anorganische Pigmente mit Schwerpunkt Effektpigmente.
Gerhard Pfaff wurde als Sohn des Lehrers Manfred Pfaff und dessen Ehefrau, der Sachbearbeiterin Ilse Pfaff, geb. Arnold, in Meiningen, Bezirk Suhl geboren. Hier besuchte er ab 1960 bis zur 8. Klasse die Martin-Luther-Oberschule (Polytechnische Oberschule, POS) und danach die Henfling-Oberschule in Meiningen, wo er 1972 das Abitur ablegte.
Sein anschließendes Studium der Chemie führte ihn an die Friedrich-Schiller-Universität Jena. Er erlangte hier 1978 seinen Abschluss als Diplom-Chemiker mit einer Diplomarbeit über spezielle Schwefel- und Selen-Verbindungen des Germaniums im Bereich Anorganische Festkörperchemie der Sektion Chemie (Betreuer: Professor Adalbert Feltz).
Die Promotion zum Dr. rer. nat. erfolgte 1983 an der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät der Friedrich-Schiller-Universität Jena mit einer Dissertation zum Thema „Zur Chemie der Chalkogenokomplexe des Germaniums und Siliciums mit Element-Element-Bindungen“ im Bereich Anorganische Festkörperchemie (Betreuer: Professor Adalbert Feltz). Aus dieser wissenschaftlichen Arbeit sind insgesamt 8 Publikationen hervorgegangen.
Erste Berufserfahrungen als Chemiker sammelte er von 1978 bis 1987 während seiner Tätigkeit als Wissenschaftlicher Assistent und anschließend von 1987 bis 1991 als Oberassistent im Bereich Anorganische Festkörperchemie der Sektion Chemie in Jena. Hier oblagen ihm vielfältigen Lehrverpflichtungen (Praktikumsassistent, Seminarassistent, Praktikumsleiter), mehrere Vorlesungen (Anorganische Grundvorlesung, Pulverpräparation für keramische Werkstoffe und Pigmente) sowie die Mitbetreuung von Diplomarbeiten.
Seit 1983 leistete er Forschungsarbeiten zur Präparation und Charakterisierung sowie zum Sinterverhalten von oxidischen Pulvern, vor allem von Eisenoxiden, Zinndioxid, Erdalkalititanaten, Erdalkalistannaten und Erdalkalizirkonaten. Er war leitender Themenbearbeiter bei vier Industrieforschungsprojekten auf den Gebieten Hochleistungskeramik und Pigmente (Zusammenarbeit mit den Betrieben Keramische Werke Hermsdorf und Leuchtstoffwerk Bad Liebenstein). In den Jahren 1986 und 1987 folgte ein halbjähriger Arbeitsaufenthalt am Institut für Festkörperchemie der Universität Bordeaux mit Arbeiten zur Präparation, Charakterisierung und zum Sinterverhalten von Zinndioxid.
Ab 1991 arbeitete er als Laborleiter bei der Merck KGaA in Darmstadt, ab 1993 war er Gruppenleiter und ab 1994 Abteilungsleiter für Produktentwicklung (Effektpigmente und funktionelle Materialien). Von 2006 bis 2014 war er als Leiter der Pigment- und Kosmetikforschung der Merck KGaA tätig mit der Verantwortung für die Forschungsstandorte Darmstadt, Onahama (Japan) und Savannah (USA). Unter seiner Leitung wurde die Klasse der speziellen Effektpigmente (transparente Effektpigmente, Perlglanzpigmente) um eine Vielzahl von Pigmenten mit Schicht-Substrat-Struktur erweitert (Pigmente auf Basis der Substrate natürlicher Glimmer, synthetischer Glimmer, Siliciumdioxid, Aluminiumoxid, Borosilicatglas). Hinzu kamen innovative Produktentwicklungen auf Aluminiumplättchen sowie Pigmente mit speziellen funktionellen Eigenschaften: Pigmente mit hoher elektrischer Leitfähigkeit, infrarotreflektierende Pigmente sowie Pigmente für die Lasermarkierung von Kunststoffen.
Seit 1992 pflegte er enge Kontakte zur TH/TU Darmstadt, insbesondere durch Mitbetreuung von Diplom- und Doktorarbeiten. Seit 1994 übernahm er durchgängig in jedem Semester spezielle Vorlesungen „Perowskite: Darstellung, Strukturen, Anwendungen“ bzw. „Anorganische Pigmente“ im Fachbereich Chemie der TH/TU Darmstadt. 1997 erfolgte seine Habilitation (Gutachter: Professor Rüdiger Kniep) mit der Schrift „Synthese und Charakterisierung von Erdalkalititanaten, -stannaten und -zirkonaten sowie von Eisenoxid-Pulvern“ am Fachbereich Chemie der TH Darmstadt und die Verleihung des Titels Privatdozent. Aus dieser wissenschaftlichen Arbeit sind insgesamt 32 Publikationen und 7 Patente hervorgegangen.
2008 wurde Pfaff zum außerplanmäßigen Professor am Fachbereich Chemie der TU Darmstadt ernannt. Seit seiner Habilitation hat Pfaff über 90 weitere Fachpublikationen und 70 Patente auf dem Gebiet der Pigmente und funktionellen Materialien hervorgebracht sowie insgesamt mehr als 150 wissenschaftliche Vorträge gehalten, verschiedene Buchveröffentlichungen vorgelegt und die Mitbetreuung von Diplom- und Doktorarbeiten besorgt. Seit 2009 hat er die Vorlesungen „Anorganische Materialien und Werkstoffe – Effektpigmente“ sowie „Anorganische Materialien und Werkstoffe – Funktionelle Pigmente“ an der Goethe-Universität in Frankfurt (Main) übernommen.
Seit 2018 ist Pfaff Mitglied der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin e. V. 2019 übernahm er dort die Funktion des Sekretars der Klasse für Naturwissenschaften und Technikwissenschaften und wurde Mitglied des Präsidiums dieser Gelehrtengesellschaft. Seit seiner Zuwahl in die Leibniz-Sozietät organisiert er regelmäßig Vorträge, Kolloquien und Tagungen. Er publiziert in den Zeitschriften der Sozietät (Sitzungsberichte der Leibniz-Sozietät, Abhandlungen der Leibniz-Sozietät, Leibniz Online) und ist Mitherausgeber verschiedener Bände dieser Zeitschriften.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Pfaff, Gerhard |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Chemiker und Hochschullehrer (anorganische Festkörperchemie) |
| GEBURTSDATUM | 19. Oktober 1953 |
| GEBURTSORT | Meiningen |