Gerhard Roese (* 14. Februar 1962 in Darmstadt, aufgewachsen in Stuttgart und Worms) ist ein deutscher Bildhauer, Kunsthistoriker und Architektur-Modellbauer. International bekannt wurde er im Zusammenhang mit der Aufklärung des Systems des sexuellen Missbrauchs an der Odenwaldschule.
Von 1975 bis 1982 war Roese Schüler an der Odenwaldschule. Nach dem Abitur 1982 mit gleichzeitigem Abschluss als Chemisch-Technischer Assistent vor der Industrie und Handelskammer des Kreis Bergstrasse studierte er von 1984 bis 1989 das Fach Bildhauerei bei Hiromi Akiyama an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe. Von 2001 bis 2003 schloss sich ein weiterführendes Studium der Kunstgeschichte, klassischen Archäologie, christlichen Archäologie und byzantinischen Kunstgeschichte an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz an.
Das erste Atelier bestand im ehemaligen Bahnhof von Friedrichstal (Stutensee) bei Karlsruhe. Dort entstanden großformatige Skulpturen aus verschweißten Aluminiumblechen, von denen wegen ihrer teilweise enormen Ausmaße und ihres Gewichts keine erhalten sind. Diese Arbeiten besitzen noch eine formale Nähe zur strengen Formensprache Akiyamas, es liegt ihnen aber bereits ein gegenständliches Konzept zugrunde.
Nach seiner Übersiedlung nach Darmstadt erhielt Roese von 1989 bis 2009 ein Atelier in einem ehemaligen Baracken-Klassenraum an der Georg-Büchner-Schule. Hier schuf er überwiegend Stahl- und Betongussskulpturen. Auch sie waren streng in der Formensprache und berichteten mit klaren Flächen und präzisen Linien von zukünftigen Überbleibseln unserer heutigen Zivilisation.
Nach 2004 hat Roese seine bildhauerische Arbeit in Form der von ihm so genannten „Layersculpture“ völlig neu erfunden. Hier werden nicht mehr die Gegenstände selbst gezeigt, sondern es werden skulptural ausgeformte Rekonstruktionshinweise – größtenteils als Negative der weggelassenen Objekte – gegeben. In diesen Skulpturen entstehen die Objekte erst wieder in der Imagination des Betrachters.
Seit 2009 arbeitet Gerhard Roese im Atelierhaus der Stadt Darmstadt.
Roese ist bekannt für seine Skulpturen, Porträtbüsten und Architekturmodelle im Metallgussverfahren. Die notwendige Technik wurde in Zusammenarbeit mit der Firma Glassl Metallgießerei in Michelstadt erarbeitet.

Bei den aktuellen Werken steht weniger die Rekonstruktion des gezeigten Objekts im Vordergrund als vielmehr dessen Schatten, der ebenfalls eine Rekonstruktionshilfe ist.

Zwischen 1999 und 2003 entstanden Modelle von verlorener Architektur für verschiedene Ausstellungsprojekte. Für diese Arbeiten entwickelte Roese eine Methode, mittels des Modellbaus präzisere Rekonstruktionen als bisher zu ermöglichen.

| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Roese, Gerhard |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Bildhauer, Kunsthistoriker und Architektur-Modellbauer |
| GEBURTSDATUM | 14. Februar 1962 |
| GEBURTSORT | Darmstadt |