Gerhard Samuel

Gerhard Samuel (* 20. April 1924 in Bonn, Deutsches Reich; † 25. März 2008 in Seattle) war ein US-amerikanischer Komponist, Dirigent und Hochschullehrer.

Leben

Stolperstein für Gerhard Samuel in Bonn

1924 in Bonn geboren, wanderte Gerhard Samuel mit seiner Familie 1939 in die USA aus, um der Verfolgung durch die Nationalsozialisten zu entgehen. 1943 wurde er US-amerikanischer Staatsbürger. Er studierte zunächst Dirigieren und Geige an der Eastman School of Music in Rochester, New York und später bei Paul Hindemith an der Yale University in New Haven, Connecticut. Zudem besuchte er 1946 und 1947 die sommerlichen Dirigierkurse von Sergej Koussevitzky am Berkshire Music Center in Tanglewood.

In den 1940er- und 1950er-Jahren arbeitete Samuel u. a. als Geiger beim Rochester Philharmonic Orchestra, Musical-Dirigent am Broadway und als Geiger und Associate Conductor (Musikalischer Assistent) des damaligen Minneapolis Symphony Orchestra, wo der ebenfalls aus Europa emigrierte Antal Doráti Musikdirektor war, ehe er 1959 die musikalische Leitung des Oakland Symphony Orchestra und 1960 des San Francisco Ballet übernahm. Er gründete das Oakland Chamber Orchestra und wurde erster Musikchef des 1963 von den Komponisten Lou Harrison, Robert Grove Hughes u. a. ins Leben gerufenen Cabrillo Festivals of Contemporary Music in Santa Cruz, Kalifornien.

1971 wurde Samuel unter dem Musikdirektor Zubin Mehta Associate Conductor des Los Angeles Philharmonic Orchestra. 1972–1976 gehörte er der Fakultät des California Institute of the Arts im Stadtteil Valencia von Santa Clarita an. Ab 1976 arbeitete er am College-Conservatory of Music der University of Cincinnati, Ohio. Bis 1997 wirkte er als Musikdirektor des dortigen Cincinnati Philharmonia Orchestra, wobei er sich in hohem Maß für zeitgenössische Musik einsetzte. Im März 1989 brachte er mit dem Orchester die bis dahin unaufgeführte Symphonie E-Dur von Hans Rott aus den Jahren 1878–1880 zur Uraufführung, die er auch für CD einspielte und die in der Folge internationale Bekanntheit erlangte.

Auch nachdem Samuel in den Ruhestand getreten war, nahm er weitere musikalische Aufgaben in den USA und im Ausland wahr. Für seine Arbeit als Dirigent wurde er 1994 mit dem Alice M. Ditson Award ausgezeichnet. 1996 ließ Samuel sich in Seattle nieder, wo er am 25. März 2008 an einem Herzversagen starb. Im Spätherbst 2023 wurden an der ehemaligen Wohnadresse in der Bonner Colmantstraße 10a Stolpersteine zum Gedenken an Gerhard Samuel und seine Familie verlegt.

Werke (Auswahl)

Musiktheater

Orchester

Soloinstrument(e) und Orchester

Kammerensemble

Duo und Kammermusik

Vokalmusik

Einzelnachweise

  1. ↑ „Samuel Will Again Lead S.F. Ballet” und „Samuel to Lead Oistrakh Concert“, in: Oakland Tribune, 15. Dezember 1963
  2. ↑ John Henken: Music Reviews: Gerhard Samuel Leads Monday Evening Concert, in: Los Angeles Times, 12. Dezember 1990
  3. ↑ Steve Vasta: Hans Rott – CD Review, auf: http://hans-rott.de
  4. ↑ Tom Consolo: In Cincinnati and on the Road with Hans Rott, auf: www.musicincincinnati.com, 19. Februar 2010
  5. ↑ Gerhard Samuel verstorben, in magazin.klassik.com, 2. April 2008, abgerufen am 27. April 2024
  6. ↑ Mary Rourke: Conductor and composer had strong L. A. ties. Nachruf, in: Los Angeles Times, 3. April 2008 (englisch)
  7. ↑ Selina Stiegler: Patienten blieben dem jüdischen Arzt treu, Kollegen wandten sich ab, auf: https://ga.de, General-Anzeiger, 15. November 2023
  8. 1 2 3 Timothy Mangan: Review: ‘Premiere of Samuel’s Apollo and Hyacinth’, December 6, 1989, auf classicallife.net, 17. Januar 2019
Personendaten
NAME Samuel, Gerhard
KURZBESCHREIBUNG US-amerikanischer Komponist, Dirigent und Hochschullehrer
GEBURTSDATUM 20. April 1924
GEBURTSORT Bonn
STERBEDATUM 25. März 2008
STERBEORT Seattle