Gert Otto

Gert Otto (* 10. Januar 1927 in Berlin; † 13. März 2005 in Mainz) war ein evangelischer Theologe.

Leben

Gert Otto wurde sechzehnjährig zum Kriegsdienst verpflichtet. Nach polnischer und sowjetischer Kriegsgefangenschaft kehrte er erst 1946 zurück und studierte nach dem Abitur 1947 Evangelische Theologie, Pädagogik und Germanistik. Nach der Promotion an der Humboldt-Universität zu Berlin 1952 wurde Otto zuerst Lehrer auf Spiekeroog und anschließend Referent im Katechetischen Amt der Hannoverschen Landeskirche in Loccum. 1958 wurde er Dozent an der Universität Hamburg, wo er sich 1960 habilitierte (zum Thema Schule – Religionsunterricht – Kirche). 1963 wurde er auf einen Lehrstuhl für Praktische Theologie an der Universität Mainz berufen, den er bis zur Emeritierung 1992 innehatte. Zudem amtierte er von 1976 bis 1988 als Universitätsprediger. Von 1968 bis 1982 vertrat Otto seine Fakultät in der Synode der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau.

Die Schwerpunkte seines akademischen Wirkens und seiner Publikationen lagen in den Bereichen Homiletik (Predigtlehre) und Religionspädagogik. In beiden Fällen schlug er neue Wege gegenüber einer von der Dialektischen Theologie dominierten Position ein, die bislang in den evangelischen Kirchen Deutschlands herrschend gewesen war. Den Religionsunterricht wollte er nicht mehr in der Tradition der vor allem von Martin Rang und Helmuth Kittel vertretenen Evangelischen Unterweisung als „Kirche in der Schule“ verstehen, sondern vom Kontext der Schule her bestimmen. Die Aufgabe der Predigt sah er nicht primär in der Verkündigung, sondern in der Kommunikation, wodurch die Rolle der Rhetorik als Hilfswissenschaft der Homiletik wieder stark betont wurde. Beide Ansätze, die auch zum Programm der von Otto 1966 gegründeten und über Jahrzehnte redigierten Zeitschrift Theologia Practica (seit 1994 Praktische Theologie. Zeitschrift für Praxis in Kirche, Gesellschaft und Kultur) gehörten, verband er mit seiner Bestimmung der Praktischen Theologie als „kritische Theorie religiös vermittelter Praxis in der Gesellschaft“. Die durch ihn eingeleitete „empirische Wende“ in der Praktischen Theologie hat sich bald weitgehend durchgesetzt. Dazu trugen auch seine unmittelbaren Schüler bei, zu denen Henning Luther, Hans-Joachim Dörger, Jürgen Lott, Albrecht Grözinger und Ursula Baltz-Otto (mit der er ab 1984 verheiratet war) gehörten.

Ottos Zwillingsbruder war der Kunstpädagoge Gunter Otto.

Schriften

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Gert Otto: Praktische Theologie als Kritische Theorie religiös vermittelter Praxis in der Gesellschaft. Thesen zum Verständnis einer Formel. In: Theologia Practica 9 (1974), S. 105–115.
  2. ↑ Heiratsurkunde. Kopie des Dokuments liegt beim WP:Support vor und kann von Berechtigten eingesehen werden. Ticket:13642979
  3. ↑ Gert Otto, Gunter Otto: Anmerkungen zu G. von G. In: Albrecht Grözinger, Henning Luther (Hrsg.): Religion und Biographie. Perspektiven zur gelebten Religion [Festgabe für Gert Otto]. Kaiser, München 1987, S. 13–29.
Personendaten
NAME Otto, Gert
KURZBESCHREIBUNG deutscher evangelischer Theologe
GEBURTSDATUM 10. Januar 1927
GEBURTSORT Berlin
STERBEDATUM 13. März 2005
STERBEORT Mainz