Das Giebel-Rohr ist ein technisches Hilfsmittel in der Medizin zur Verbesserung von Atemnot meistens nach Operationen. Es wurde benannt nach dem Anästhesisten und Intensivmediziner Ortwin Giebel.
Seit den 1980er Jahren sind Giebel-Rohre auch im Fachhandel nicht mehr erhältlich. Seither werden sie in der Physiotherapie praktisch nicht mehr verwendet, haben also nur noch historische Bedeutung.
Verkauft wurden die Giebel-Rohre früher als komplettes Set mit einem Mundstück, mit fünf oder sechs Kunststoffsegmenten (á 100 ml Volumen für Erwachsene), mit einer Nasenklemme und mit einer Bedienungsanleitung auch für den Einsatz zur Demonstration der Atemgymnastik im Pflegeunterricht. Zu besichtigen zum Beispiel noch im Krankenhausmuseum Bielefeld (von der Herstellerfirma B. Braun Melsungen AG als „Totraumvergrößerer nach Giebel zur Atemtechnik bei Störungen der Lungenfunktion“). Es waren billige Medizinprodukte zur Verwendung für jeweils nur einen Patienten.
Man verwendete das Giebel-Rohr (Giebel-Tubus) in der Atemgymnastik zur Totraumvergrößerung. Es handelt sich um ein Kunststoffrohr aus mehreren ineinandersteckbaren Segmenten (mit jeweils 100 ml Rauminhalt) zur stufenweisen Vergrößerung des Totraums. „Die Mundatmung durch das Rohr (mit einer Nasenklemme) führt zur Erhöhung des alveolaren CO2-Partialdruckes; dadurch Atemantrieb und Steigerung der Lungenventilation.“ Ähnlich diesem Giebelschen Totraumvergrößerer arbeitet der Schnorchel beim Tauchen. „Eine Ventilationssteigerung ist [hierbei] erforderlich, um den vorgeschalteten Totraum zu kompensieren.“
Das „Giebelsche Gerät [ist ein] ‚Totraumvergrößerer‘ zur atemgymnastischen – vor allem präoperativen und postoperativen – Prophylaxe von Ventilationsstörungen. [Es] bewirkt [einen] Anstieg der arteriellen CO2-Spannung, dadurch Anregung der Atemzentren und Steigerung der Atemtiefe.“ Der „Totraumvergrößerer nach Giebel … wird teilweise in der postoperativen Periode angewandt und beugt der Entstehung von Atelektasen vor.“ Mit dem „Giebel-Rohr (englisch Giebel's tube) kommt es in der Atemtherapie … reflektorisch (CO2-Antwort) zu einer Steigerung der Ventilation“ und der Atemtiefe.
„Aufgrund seiner Kontraindikationen und Risiken [wurde die] Anwendung heute überwiegend zugunsten modernerer SMI-Trainer verlassen.“ Es gibt mittlerweile andere Atemtrainer (zur erschwerten Inspiration).
Heute verwendet man in der Anästhesie zum Beispiel Totraumadapter, Tubusverlängerungen oder sogenannte Rebreathing-Systeme. Es handelt sich dabei um definierte Totraumadapter zur gezielten Totraumvergrößerung für den Einsatz während einer Narkose in Narkosesystemen.