Bertati studierte zunächst am Priesterseminar des Bistums Treviso. Er schrieb 1763 sein erstes Libretto, La morte di Dimone („Dimons Tod“), zu Musik von Antonio Tozzi. Zwei Jahre später wurde L’isola della fortuna („Die Insel des Glücks“), basierend auf Bertatis Libretto und Andrea Lucchesis Musik, in Wien aufgeführt. 1770 besuchte Bertati mehrfach Wien, wo er mit Baldassarre Galuppi zusammenarbeitete. Kaiser Leopold II. verlieh ihm den Titel des Poeta dei cesari teatro („Poet der kaiserlichen Theater“), den zuvor Lorenzo da Ponte innehatte, der ein Jahr zuvor beim Kaiser in Ungnade gefallen war.
Während seiner Karriere als Librettist widmete sich Bertati fast ausschließlich dem Schreiben von drammi giocosi. Sein berühmtestes Libretto ist Il matrimonio segreto („Die heimliche Ehe“) zur Musik von Domenico Cimarosa, uraufgeführt am 7. Februar 1792 in Wien. Goethe lobte den Librettisten, ohne seinen Namen zu kennen, als einen „der geschicktesten, die in diesem Fache gearbeitet haben“, da die italienischen Operntexte leicht und heiter seien, doch machten sie „nicht mehr Forderungen an den Komponisten und an den Sänger, als inwieweit beide sich hinzugeben Lust haben.“
Lorenzo Da Ponte orientierte sich bei seinem Libretto zu MozartsDon Giovanni teilweise an Bertatis Text.
Libretti
Die folgende Liste enthält die 70 Libretti Bertatis, die Jahreszahlen beziehen sich auf die Uraufführungen.
La morte di Dimone ossia L’innocenza vendicata (Musik von Antonio Tozzi, 1763)
La donna instabile (Musik von Giovanni Battista Borghi, 1776; Musik von Antonio Boroni, 1776; Musik von Pasquale Anfossi, 1776; Musik von Giovanni Battista Borghi unter dem Titel Gli tre pretendenti, 1777)
Isabella e Rodrigo ossia La costanza in amore (Musik von Pasquale Anfossi, 1776)
Lo sposo disperato (Musik von Pasquale Anfossi, auch unter dem Titel Il zotico incivilito, 1777; Musik von Vicenzo Nusco, 1808)
Il curioso indiscreto (Musik von Pasquale Anfossi, 1777) – unsichere Zuschreibung
La forza delle donne (Musik von Pasquale Anfossi, auch unter dem Titel Il trionfo delle donne, 1778; Musik von Bernardo Ottani unter dem Titel Le amazzoni, 1784; Musik von Peter von Winter unter dem Titel Ogus ossia Il trionfo del bel sesso; Musik von Giuseppe Nicolini unter dem Titel Ogus ossia Il trionfo del bel sesso, 1799)
La statua matematica (Musik von Giovanni Valentini, 1780; Musik von Luigi Caruso unter dem Titel L’antiquario burlato ossia La statua matematica, 1786)
Le teste deboli (Musik von Francesco Salari, 1780)
L’imbroglio delle tre spose (Musik von Pasquale Anfossi, 1781)
Il serraglio di Osmano (Musik von Giuseppe Gazzaniga, 1784)
Le spose ricuperate (Musik von Luigi Caruso, auch unter dem Titel I campi elisi ossia Le spose ricuperate, 1785)
L’amore costante (Musik von Giuseppe Gazzaniga, 1786; Musik von Pierre Dutillieu unter dem Titel Nannerina e Pandolfino ossia Gli sposi in cimento, 1792)
Amor rende segace (Musik von Domenico Cimarosa, 1793)
La principessa di Amalfi (Musik von Joseph Weigl, auch unter dem Titel La contessa di Amalfi, 1794)
La bella Lauretta (Musik von Francesco Gardi, 1795)
L’intrigo amoroso (Musik von Ferdinando Paër, auch unter den Titeln Il male vien dal buco, Saed ossia Il serraglio und Gli intrighi del serraglio, 1795)
Le tre orfanelle ossia la Scola di musica (Musik von Marcello Bernardini, 1798)
Gli umori contrari (Musik von Sebastiano Nasolini, 1798)
La bella selvaggia (Musik von Antonio Salieri, 1802)
Literatur
John Warrack, Ewan West: The Oxford Dictionary of Opera. Oxford University Press, Oxford u. a. 1992, ISBN 0-19-869164-5.
Einzelnachweise
↑Goethe, Italienische Reise, Zweiter Römischer Aufenthalt, Bericht vom November 1787; die Bemerkung wurde wohl erst bei der Überarbeitung und Edierung des Reisetagebuchs 1813–1817 eingefügt.