Giovanni Morone

Giovanni Girolamo Morone (* 25. Januar 1509 in Mailand; † 1. Dezember 1580 in Rom) war ein katholischer Bischof und Kardinal. Er war von 1536 bis 1541 päpstlicher Legat in Deutschland, wo er an mehreren Religionsgesprächen zur Reformation teilnahm, er wurde 1557 von der Inquisition wegen Häresie angeklagt, 1560 rehabilitiert und 1563 auf dem Konzil von Trient schließlich dessen Präsident.

Kardinal Giovanni Morone
Kardinalswappen Morones

Leben und Wirken

Morone war das zweitjüngste von zehn Kindern von Girolamo und Amabilia Fisiraga, die bekannte Adlige in Mailand waren. Sein Vater war Senator, Botschafter der Sforza, Graf von Lecco, Kanzleichef in Mailand, Gefangener der Franzosen und starb 1529 in Florenz. Giovanni wuchs wegen der Verbannung der Familie aus Mailand in Modena auf, er studierte Jura in Padua und durch die Beziehungen seines Vaters kam er an den Hof von Clemens VII. Dort half er die hohe Summe aufzutreiben, um seinen Vater aus der Gefangenschaft der Franzosen freizukaufen. Wegen der Verdienste seines Vaters designierte ihn der Papst 1528 zum Bischof von Tortona und am 7. April 1529 von Modena, wo er zuerst nur kurz während der französischen Besetzung von Mailand war. 1531 war er am römischen Hof, und am 12. Januar 1533 wurde er zum Priester geweiht und gleichzeitig als Bischof von Modena eingesetzt. Vor (ab 1520), während und auch noch zehn Jahre nach seiner geistlichen Herrschaft (bis 1560) war der neue evangelische Glaube in seinem Bistum geduldet, und er konnte sich sogar etwas entfalten, namentlich waren der Graf Giovanni Rangoni, der Prior Isodoro Chiari und der Schulgründer Giovanni Grillenzoni als Evangelische bekannt. Später kam Morone nach Bologna.

Während dem Pontifikat von Paul III. ab 1534 schloss sich Morone der Gruppe von Reformkardinälen um Gasparo Contarini und Reginald Pole an, die dem neuen, wachsenden evangelischen Glauben mit glaubwürdigen katholischen Reformen begegnen wollten. 1536 wurde er von Papst Paul III. nach Deutschland gesandt, um den Gang der Reformation zu beobachten. Er wohnte dem Hagenauer Religionsgespräch (1540), dem Religionsgespräch von Worms und dem Reichstag von Regensburg (1541) sowie dem damit verbundenen Religionsgespräch bei.

Im Jahr 1542 gründete er das Deutsche Kolleg in Rom. Am 2. Juni 1542 wurde er von Papst Paul III. zum Kardinalpriester von San Vitale erhoben, bekam 1549 Santo Stefano al Monte Celio und 1553 San Lorenzo in Lucina als Titelkirche. 1548 wurde er Bischof von Novara und 1555 päpstlicher Legat auf dem Reichstag zu Augsburg. Morone war an sechs Konklaven beteiligt, erstmals 1549/1550, dann im April 1555, im Mai 1555, 1559, 1565/1566 und 1572 als Vorsitzender.

Am 31. Mai 1557 wurde er in der Engelsburg (italienisch: Castel Sant’Angelo) gefangengesetzt, weil er angeblich angesichts des Augsburger Religionsfriedens die Rechte der katholischen Kirche verraten habe. Papst Paul IV. hielt Morone auch für einen Krypto-Lutheraner wegen dessen Verständigungsbereitschaft, die er beim Religionsgespräch von 1541 an den Tag gelegt hatte. Deshalb wurde ein umfangreicher Inquisitionsprozess gegen Morone angestrengt. Fra Tommaso Scotti da Vigevano wurde mit den Ermittlungen beauftragt, er suchte Anklagepunkte in Florenz, Rom, Bologna und Modena zu finden, zudem wurde Morones Palast durchsucht und seine Papiere beschlagnahmt. Erst am 13. Juni 1559 gewährte das Gericht Morone ein Recht auf Verteidigung, und er fand tüchtige römische Anwälte, die umfangreiches Material an Briefkorrespondenz und Texten zusammentrugen und Entlastungszeugen für ihn aus Rom, Bologna, Modena, Cremona und Mailand fanden. Paul IV. setzte alles daran, Morone in den letzten Lebenswochen zu verurteilen, was ihm wegen seinem Tod am 18. August 1559 nicht mehr gelang. Trotzdem wurde Morone als Angeklagter bis dahin gefangen gehalten.

Pius IV. ließ den Prozess gegen Morone revidieren, so dass er 1560 rehabilitiert werden konnte, und er ernannte ihn 1563 zum Präsidenten des Konzils von Trient. Nachdem er den Widerstand Kaiser Ferdinands I. gegen dessen Beschlüsse beschwichtigt hatte, brachte er das Konzil zum Abschluss. Er wirkte noch 1576 für die katholische Kirche in Deutschland auf dem Regensburger Reichstag, denn er war Präsident der deutschen Kongregation, die die Reformbemühungen im Reich zu überwachen hatte. Der Jesuit Peter Canisius korrespondierte mit ihm im gleichen Jahr über die desolate Situation des katholischen Glaubens im Deutschen Reich.

Von 1570 bis zu seinem Tod war Morone Kardinalbischof von Ostia und Kardinaldekan. Bestattet wurde er im rechten Seitenschiff der Kirche Sta. Maria sopra Minerva in Rom, nicht weit von dem übergroßen Grabmonument Pauls IV. Carafa, die Grabplatte ist im Boden erhalten.

Schriften (Auswahl)

Literatur

Commons: Giovanni Morone – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. ↑ Giovanni Morone, Italian cardinal, Website britannica.com (englisch, abgerufen am 30. September 2025)
  2. ↑ Silvia Schweinzer: Morone, Giovanni. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 18. Duncker & Humblot, Berlin 1997, ISBN 3-428-00199-0, S. 154–155 (deutsche-biographie.de).
  3. ↑ David M. Cheney: Giovanni Gerolamo Cardinal Morone (Moroni), Website catholic-hierarchy.org (30. Juni 2025, englisch, abgerufen am 27. September 2025)
  4. ↑ Manfred E. Welti: Kleine Geschichte der italienischen Reformation (= Schriften des Vereins für Reformationsgeschichte. Band 193). Mohn, Gütersloh 1985, ISBN 3-579-01663-6, S. 63–67
  5. ↑ Massimo Firpo: MORONE, Giovanni. In: Dizionario Biografico degli Italiani (DBI). Band 77. Rom 2012.
  6. ↑ Silvia Schweinzer: Morone, Giovanni. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 18. Duncker & Humblot, Berlin 1997, ISBN 3-428-00199-0, S. 154–155 (deutsche-biographie.de).
  7. ↑ Kardinal Giovanni Moroni, Münzkabinett, Website smb.museum-digital.de (abgerufen am 29. September 2025)
  8. ↑ David M. Cheney: Giovanni Gerolamo Cardinal Morone (Moroni), Website catholic-hierarchy.org (30. Juni 2025, englisch, abgerufen am 27. September 2025)
  9. ↑ Claus Arnold: Die römische Zensur der Werke Cajetans und Contarinis (1558–1601). Grenzen der theologischen Konfessionalisierung, Schöningh, Paderborn 2008, S. 179–184.
  10. ↑ Massimo Firpo: MORONE, Giovanni. In: Raffaele Romanelli (Hrsg.): Dizionario Biografico degli Italiani (DBI). Band 77: Morlini–Natolini. Istituto della Enciclopedia Italiana, Rom 2012.
  11. ↑ Herbert Thurston: Giovanni Morone, in: The Catholic Encyclopedia, Robert Appleton Company, New York 1911 (2023, englisch, abgerufen am 29. September 2025)
  12. ↑ Die Notlage des alten Glaubens—Peter Canisius an Giovanni Kardinal Morone (1576), in: German History in Documents and Images (2003–2025, abgerufen am 27. September 2025)
  13. ↑ Preserved Smith: Constant: La Legation du Cardinal Morone, Review, Oxford University Press on behalf of the American Historical Association (englisch, abgerufen am 30. September 2025)
  14. ↑ Josef Johannes Schmid: M. Firpo, O. Niccoli: cardinale Giovanni Morone e l'ultima fase del concilio di Trento, Frühe Neuzeit - Revolution - Empire (1500-1815), Website perspectivia.net (31. Dezember 2011, italienisch und deutsch)
  15. ↑ Stefania Salvadori: Rezension von: Massimo Firpo: Juan de Valdés and the Italian Reformation.
  16. ↑ The Career of Cardinal Giovanni Morone (1509–1580) Between Council and Inquisition Website routledge.com (2012, englische Kurzbeschreibung)
VorgängerAmtNachfolger
Francesco PisaniKardinalbischof von Ostia
1570–1580
Alessandro II. Farnese
Federico CesiKardinalbischof von Porto-Santa Rufina
1565–1570
Cristoforo Madruzzo
Federico CesiKardinalbischof von Frascati
1564–1565
Alessandro II. Farnese
Federico CesiKardinalbischof von Palestrina
1562–1564
Cristoforo Madruzzo
Robert II. de LénoncourtKardinalbischof von Sabina
1561–1562
Cristoforo Madruzzo
Pedro PachecoKardinalbischof von Albano
1560–1561
Cristoforo Madruzzo
Giulio della RovereBischof von Novara
1552–1560
Giovanni Antonio Serbelloni
Pirro GonzagaBischof von Modena
1529–1550
Egidio Foscherani OP