Gisela Dischner

Gisela Dischner beim Festival der Philosophie in Hannover (2016)

Gisela Dischner, auch Gisela Bezzel-Dischner (* 3. November 1939 in Steinhöring, Bayern), ist eine deutsche Literaturwissenschaftlerin und Schriftstellerin.

Leben

Gisela Dischner studierte von 1961 bis 1965 in München und anschließend (bis 1967) in Frankfurt am Main Germanistik, Soziologie und Philosophie. Sie wurde dort 1968 zum Dr. phil. promoviert. Nach Stationen als Dozentin an den Universitäten von Birmingham und Gießen sowie als Professorin in Gießen trat sie 1973 die Nachfolge von Hans Mayer als Professorin für Neuere und neueste Deutsche Literatur an der damaligen Technischen Universität Hannover (heute Gottfried Wilhelm Leibniz Universität), wo sie bis zu ihrer Emeritierung im Jahr 2004 lehrte.

Schwerpunkte ihrer Arbeit sind Moderne Ästhetik, Literatur der Romantik, Autoren und Werke der von ihr so genannten „Hölderlin-Linie der Moderne“, eine Theorie des Müßiggangs sowie Literatur von Frauen. Dischners theoretische Position zeigt sich in den frühen Publikationen beeinflusst von der Kritischen Theorie der Frankfurter Schule, dem jungen Karl Marx, der Frühromantik, der Psychoanalyse, dem Existenzialismus und dem Surrealismus und nimmt in den späteren Schriften auch Impulse und Motive Nietzsches, Heideggers und Jean Baudrillards auf.

Die Studie Poetik des modernen Gedichts. Zur Lyrik von Nelly Sachs, ihre Dissertation, untersucht anhand der Werke von Nelly Sachs und Paul Celan (mit beiden stand sie im Briefwechsel) Bedingungen und Formen lyrischen Sprechens nach den Erfahrungen des Nationalsozialismus. Die breit angelegte Forschungsarbeit Ursprünge der Rheinromantik in England – Zur Geschichte der romantischen Ästhetik steht am Anfang einer lebenslangen Beschäftigung mit dem Denken und den literarischen Kunstformen der Romantik. Gedanklich organisiert werden die zahlreichen Veröffentlichungen über Bettina von Arnim, Friedrich und Caroline Schlegel, Novalis und andere von der Frage nach den Bedingungen der Möglichkeit einer Verbindung von Kunst und Leben, deren Utopie die romantische Geselligkeit ist, wie sie historisch in den von Frauen betriebenen Romantischen Salons des 19. Jahrhunderts in Erscheinung getreten ist. In ihren Arbeiten über Giordano Bruno, Hölderlin, Kleist, Nietzsche und Kierkegaard untersucht sie die Konstitutionsbedingungen von Subjektivität und die Autonomiebestrebungen des Einzelnen in einer Gesellschaft, die alle Lebensbereiche unter das Diktat von ökonomischer Effizienz und Zweckrationalität stellt. Das Gegenbild zum Ökonomismus der kapitalistischen Gesellschaft entwickelt Dischner in ihren Büchern über den Müßiggang.

Gisela Dischner war mit dem 2015 gestorbenen Schriftsteller und Sprachwissenschaftler Chris Bezzel verheiratet und lebt (Stand: 2020) in Hannover und auf Mallorca.

Publikationen

Literatur

Commons: Gisela Dischner – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ www.accademia-di-ipazia.de.
  2. ↑ Raimund Fellinger, Katharina Pektor (Hrsg.): Peter Handke. Siegfried Unseld. Der Briefwechsel. 1. Auflage. Suhrkamp, Berlin 2012, ISBN 978-3-518-79800-3 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
Personendaten
NAME Dischner, Gisela
ALTERNATIVNAMEN Bezzel-Dischner, Gisela
KURZBESCHREIBUNG deutsche Literaturwissenschaftlerin und Schriftstellerin
GEBURTSDATUM 3. November 1939
GEBURTSORT Steinhöring, Bayern