Giuseppe Cappelletti (* Dezember 1802 in Venedig; † 2. Februar 1876 in Venedig) war ein italienischer Priester und Historiker.
Giuseppe Cappelletti wurde in bescheidene Verhältnisse hineingeboren und schon in jungen Jahren auf das kirchliche Leben vorbereitet. Schon sehr früh widmete er sich den historischen Studien, wurde allerdings nicht ausreichend in den historiographischen und philologischen Fächern ausgebildet, so dass in seinen Werken Unzulänglichkeiten erkennbar sind. Gleichwohl werden viele seiner Bücher wegen der zahlreichen darin im Volltext zitierten oder in Zusammenfassungen wiedergegebenen Quellen bis heute zu Rate gezogen. Er war ein sehr produktiver Autor: 1875 hatte er über fünfzig monographische Werke veröffentlicht.
Sein erstes Interesse galt der Kultur Armeniens, auch dank der Hilfe der Mechitaristen von San Lazzaro degli Armeni, die ihm ihre reiche Bibliothek und ihre Druckwerke zur Verfügung stellten. So konnte Cappelletti einige Texte der armenischen Geschichte ins Lateinische übersetzen, wie z. B. die Werke des heiligen Nerses von Kla in zwei Bänden (1833), und die Werke der beiden armenischen Historiker aus dem 5. Jahrhundert Eliseo (1840) und Moses von Choren in fünf Bänden (1841). Er schrieb später seine eigenen Geschichtswerke über die Kirche in Armenien (L'Armenia, in 3 Bänden, Florenz 1841; Storia ecclesiastica armena, Florenz 1842), die auch aufgrund der Neuheit des Themas auf Interesse stießen.

Cappelletti verfasste zahlreiche Werke zur Geschichte Venedigs, darunter eine Storia della Repubblica di Venezia in 13 Bänden (Venedig, 1850–1855). Sie galt als die beste Geschichte Venedigs bis zum Erscheinen der Storia documentata di Venezia von Samuele Romanin. Im Jahr 1872 veröffentlichte er Breve corso di storia di Venezia condotta sino ai nostri giorni a facile istruzione popolare (Kurzer Verlauf der Geschichte Venedigs bis zur Gegenwart für einfache Volksbildung), eine Zusammenfassung und Korrektur der 13 Bände. 1873 schrieb er erneut eine kurze Storia delle magistrature venete und einen Band mit dem Titel I gesuiti e la Repubblica di Venezia. Documenti diplomatici, das jedoch auf den Index gesetzt wurde und ihm eine Auseinandersetzung mit Rinaldo Fulin einbrachte, der ihn beschuldigte, bereits veröffentlichte Dokumente als unveröffentlichte ausgegeben zu haben.
Auch seine Storia di Padova von der Entstehung bis heute (1874–1875) wurde der Ungenauigkeit bezichtigt, ebenso wie sein Hauptwerk Chiese d'Italia dalla loro origine ai nostri giorni (1844–1870). Als bestes Werk aus der Feder Cappellettis gilt die Storia della Chiesa di Venezia (1849–1855). Seine Schriften brachten ihn mitunter in Konflikt mit der katholischen Kirche, die mehrere seiner Werke auf den Index setzte, so 1874 seinen Kurzen Verlauf der Geschichte Venedigs und 1873 Die Jesuiten und die Republik Venedig.
Cappelletti stieß auch aufgrund seiner politischen Tätigkeit auf vielfache Kritik. Es setzte sich für die Vereinigung Italiens unter dem Haus Savoyen ein. Während der Repubblica di San Marco (1848–1849) gründete er in den Monaten der Revolution zwei Zeitungen und druckte ab dem 1. August 1848 zusammen mit Ruggiero Bandarin die Rivista dei giornali veneziani, die im Oktober in La Formica umbenannt wurde. Wegen seines Patriotismus wurde er vom Patriarchen von Venedig Giacomo Monico angegriffen, der sich jedoch mit ihm versöhnte, als er auf der Insel der Armenier Zuflucht nehmen musste, um der Gewalt der Patrioten zu entgehen, denn der Patriarch hatte am 3. August 1849 eine Petition an die Versammlung unterzeichnet, in der er die Kapitulation Venedigs vor den Österreichern forderte.
Seine letzten Lebensjahre waren von Armut und Not überschattet. Er war von der Öffentlichkeit vergessen und blieb ohne Einnahmen. So lebte er von der Unterstützung, die ihm die Congregazione di Carità gewährte. Die bedrückenden Lebensbedingungen bestimmten seine Weltsicht. Von einer stark pessimistischen Perspektive ist vor allem das 1860 erschienene Büchlein Sulla fine del mondo. Studi biblici geprägt, in dem er die zeitgenössische Kultur als eine Beute des Unglaubens und der Irreligiosität beschreibt, die von „Gleichgültigkeit“ und „unverschämten Libertinismus“ beherrscht und von einer fast universellen „Abkühlung“ der Nächstenliebe betroffen sei.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Cappelletti, Giuseppe |
| KURZBESCHREIBUNG | italienischer Priester und Historiker |
| GEBURTSDATUM | Dezember 1802 |
| GEBURTSORT | Venedig |
| STERBEDATUM | 2. Februar 1876 |
| STERBEORT | Venedig |