Giuseppe Prezzolini

Giuseppe Prezzolini, 1975.

Giuseppe Prezzolini (* 27. Januar 1882 in Perugia; † 14. Juli 1982 in Lugano) war ein italienischer Journalist, Schriftsteller und Verleger.

Leben und Werk

Prezzolini wurde in Perugia als Sohn eines Präfekten geboren. Bedingt durch den Beruf seines Vaters zog die Familie in seiner Jugend oft um. Prezzolinis Mutter verstarb noch in seiner Kindheit.

Prezzolini war ein Autodidakt. Bereits im Alter von 21 Jahren begann er seine journalistische Arbeit und gründete 1903 zusammen mit Giovanni Papini in Florenz die Zeitschrift Leonardo. Bis 1905 arbeitete er auch in Enrico Corradini nationalistischer Zeitschrift Il Regno. In ersterer war er (unter dem Pseudonym Giuliano il Sofista) Vorkämpfer einer „antirationalistischen und mystischen Philosophie“, in letzterer unterstützte er die nationalistische Bewegung und insbesondere die Rechte des Bürgertums gegen den Sozialismus. Gegen 1908 näherte er sich den idealistischen Ideen Benedetto Croces an und entwickelte Sympathien für den gewerkschaftlichen Sozialismus. Aus dieser neuen Ausrichtung heraus gründete er 1908 die Wochenzeitschrift La Voce, die – auch dank vieler berühmter Autoren wie Croce, Giovanni Amendola, Gaetano Salvemini, Emilio Cecchi, Romolo Murri und Luigi Einaudi – mit Artikeln über Literatur, Politik und Gesellschaft einige Bedeutung erlangte, und die er mit einer Unterbrechung bis 1914 leitete.

Während des Ersten Weltkriegs diente er im italienischen Heer zum Schluss als Hauptmann und nahm an den Kämpfen des Jahres 1918 um den Monte Grappa teil. 1929 zog er in die USA und unterrichtete an der Columbia University in New York City, wo er 1930–1940 Direktor der Italian Academy (Casa Italiana) war und 1940 auch die amerikanische Staatsbürgerschaft annahm. Nach 25-jährigem Auslandsaufenthalt kehrte er wieder zurück nach Italien, an die Amalfiküste.

Prezzolini schrieb über 50 Bücher und gab mehr als 70 Anthologien heraus.

In späteren Jahren arbeitete er für die Bologneser Zeitung Il Resto del Carlino und zog 1968 nach Lugano im Schweizer Tessin. Dort starb er 1982 im Alter von hundert Jahren.

Würdigung

Prezzolini war intensiv an den kulturellen und politischen Debatten im Italien des frühen 20. Jahrhunderts beteiligt und es wird seine „funkelnde Prosa“ gelobt. Während ihm zeitweise Sympathien für den Faschismus vorgeworfen wurden (was er bestritt), wird als sein herausstechendstes Merkmal der „Non-Konformismus“ bezeichnet. Er näherte sich zeitweise den Strömungen des Pragmatismus, des katholischen Modernismus und vor allem der des Idealismus Croces an und landete später bei einem „ernüchterten Konservatismus“.

Sein Wirken in den USA trug dort zu einer größeren Wertschätzung der italienischen Literatur, Philosophie und Kultur bei und war insbesondere auch für die Amerikaner italienischer Abstammung von Bedeutung. Wegen seiner Parteinahme für Benito Mussolini und seiner Mitgliedschaft in der faschistischen Partei war Prezzolini umstritten.

1971 wurde ihm der Verdienstorden der Italienischen Republik verliehen. 1982 erhielt er (rückwirkend für das Jahr 1973) die „Penna d'Oro“.

Publikationen (Auswahl)

In den USA veröffentlicht
Nach Prezzolinis Rückkehr nach Italien veröffentlicht
Nach Umzug in die Schweiz veröffentlicht
Autobiographie und Briefwechsel
Posthume Veröffentlichungen

Literatur

Commons: Giuseppe Prezzolini – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1 2 Giuseppe Prezzolini. In: Treccani, la cultura italiana. Abgerufen am 23. Januar 2017 (italienisch).
  2. ↑ History. In: Columbia University. Archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 23. Januar 2017; abgerufen am 23. Januar 2017 (englisch).  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  3. 1 2 Stephen H. Norwood, „The Third Reich in the Ivory Tower“, S. 89–93, zitiert in: Louis Proyect: When Columbia University was on the Mussolini bandwagon. Abgerufen am 23. Januar 2017 (englisch).
  4. ↑ S. J. Horner: About Books: A Mystery deepens. In: NYT. 8. August 1982, abgerufen am 23. Januar 2017 (englisch).
  5. ↑ Vittorio Feltri: Anarchica come i gatti Giuseppe Prezzolini e la destra che non c'è. In: Il Giornale. 24. Januar 2016, abgerufen am 23. Januar 2017 (italienisch).
  6. ↑ Edwin McDowell: Giuseppe Prezzolini, 100, Author and faculty member at Columbia. In: New York Times. 17. Juli 1982 (englisch, nytimes.com).
  7. ↑ Giuseppe Prezzolini, educator and philosopher, elevated Columbia University’s Casa Italiana to new heights. In: National Italian American Foundation. Archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 4. März 2018; abgerufen am 23. Januar 2017 (englisch).  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  8. ↑ Presidenza della Republica: Cavaliere di Gran Croce Ordine al Merito della Repubblica Italiana. Abgerufen am 23. Januar 2017.
  9. ↑ Penna d'oro: Riconoscimento ufficiale della Repubblica Italiana. Abgerufen am 23. Januar 2017 (italienisch).
  10. ↑ Il Premio Penna d’oro della Presidenza del Consiglio dei Ministri. 27. Juni 2014, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 23. Januar 2017; abgerufen am 23. Januar 2017 (italienisch).  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
Personendaten
NAME Prezzolini, Giuseppe
KURZBESCHREIBUNG italienischer Journalist, Schriftsteller und Verleger
GEBURTSDATUM 27. Januar 1882
GEBURTSORT Perugia
STERBEDATUM 14. Juli 1982
STERBEORT Lugano