
Als Flachglas wird jedes Glas in flacher Form bezeichnet, unabhängig vom angewandten Herstellungsverfahren.
Flachglas wird heute überwiegend im Floatglasverfahren hergestellt. Strukturierte Gläser sowie Spezialgläser werden auch durch Gießen und Walzen gefertigt. Mit historischen Verfahren wie dem Libbey-Owens- oder Zylinderblasverfahren werden nur noch Gläser zum Einsatz in Denkmalschutz und Altbausanierung produziert.
Flachgläser werden als Glasscheibe oder Scheibe bezeichnet und hauptsächlich im Bauwesen als Fenster- oder Architekturglas eingesetzt. Weitere Einsatzbereiche sind Automobilverglasungen, Spiegel, Solargläser für Photovoltaik, Solarthermie und Gewächshäuser sowie Displaygläser für Bildschirme von Computern, Fernsehern und Smartphones.
Die meisten Flachgläser werden nach der Produktion beschichtet (bedampft) oder anderen Veredelungsschritten unterzogen, um sie den jeweiligen Einsatzbedingungen anzupassen.
2000 ― 1900 ― 1800 ― 1700 ― 1600 ― 1500 ― 1400 ― 1300 ― 1200 ― 1100 ― 1000 ― 900 ― 800 ― 700 ― 600 ― 500 ― 400 ― 300 ― 200 ― 100 ― |
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Zeittafel: Entwicklung der Fensterscheibe
Siehe auch: Geschichte des Glases#Flachglas
Bereits in der Antike wurde Flachglas hergestellt. Die in Herculaneum, Pompeji und vielen anderen römischen Städten gefundenen Flachglasfragmente belegen, dass die Römer ab dem 1. Jahrhundert n. Chr. Flachglas herstellten und damit ihre Fensteröffnungen verschlossen. Anfangs wurde Fensterglas im Gussverfahren hergestellt, bei dem geschmolzenes Glas auf eine flache, hitzebeständige Oberfläche gegossen und das heiße, zähflüssige Material zu einer rechteckigen Form ausgestreckt wurde. Das Ergebnis war eine relativ dicke, durchscheinende Glasscheibe von hellgrüner oder hellblauer Farbe. Diese mehr oder weniger rechteckigen Scheiben wurden in genuteten Rahmen aus Metall, Marmor oder Holz gehalten. Die Fenster waren manchmal durch hölzerne Sprossen unterteilt, wie jene, die in Vindonissa (Windisch) im Kanton Aargau in der Schweiz entdeckt wurden.
In Thermen und Villen des antiken Roms wurden einzelne Glasscheiben zudem zu mehreren Quadratmeter großen Fenstern zusammengesetzt, indem sie in Gitterrahmen eingelegt und jeweils durch vier Klammern am Rand gehalten wurden.
Ab dem 4. Jahrhundert sind aus dem vorderen Orient Glasscheiben bekannt, die Glasbläser herstellten, indem sie zunächst Kugeln bliesen, dann aufschnitten und umformten. In Europa wurden ab der Zeit der Völkerwanderungen über einen Zeitraum von mehreren Jahrhunderten zunächst so gut wie keine Glasscheiben mehr hergestellt.
Im Mittelalter wurden neue Verfahren zur Herstellung von Flachglas eingeführt. Ab dem 11. Jahrhundert wurden Fassadenöffnungen insbesondere in Nordeuropa wieder mit Fensterglas verschlossen, wohl zunächst mit kleinen runden Scheiben, sogenannten Butzenscheiben, später auch mit kleinen rechteckigen Gläsern. Bis ins 18. bzw. 20. Jahrhundert wurde der Großteil des Spiegel- bzw. Fensterglases geblasen.

Seit der Gotik wird das Zylinderblas- und streckverfahren in Mitteleuropa angewandt. Das geblasene Glas wird zu einem offenen Zylinder geformt, von der Pfeife abgelöst (abgesprengt) und im Streckofen zu Flachglas gestreckt. Ab dem 16. Jahrhundert wird in Murano auch flaches Spiegelglas hergestellt.

An der Glasmacherpfeife wird eine Kugel geblasen, die Pfeife abgesprengt und die Kugel zu Mondglas geschleudert. Dabei entstanden kreisrunde Scheiben bis 1,2 m Durchmesser, die in vier- oder sechseckige Stücke geschnitten wurden. Produktionsbedingt wies das Mittelstück der Scheibe, an dem das Mondglas an der Glasmacherpfeife haftete, eine Verdickung auf, den Butzen.

Ab 1688 wurden durch Walzung gleichmäßig dicke Scheiben bis 1,5 m erreicht. Das geschmolzene Glas wurde zunächst auf eine Kupferplatte gegossen und durch Walzen zu Tafelglas verarbeitet. Entwickelt wurde das Verfahren in der königlich-französischen Spiegelglasmanufaktur. Seit dem 19. Jahrhundert wurde das Spiegelglas auch zur Fensterverglasung verwendet. Ab 1904 konnten auch Scheiben größerer Dimension „gezogen“ werden.
Das heute verwendete Floatglasverfahren kam erstmals 1959 zum industriellen Einsatz und macht nun den Großteil des Flachglases aus. Geprägtes Glas, welches auch komplizierte Reliefmuster aufweisen kann, wird mit dem Walzglasverfahren hergestellt. Dabei kann ein Drahtgitter eingelegt werden, um Drahtglas zu erhalten.
Das bahnbrechende Prinzip zur Industrialisierung der Tafel- oder Fensterglasproduktion war das mechanische Ziehverfahren, bei dem ein flaches Glasband aus der Schmelzwanne gezogen wird. Als erster entwarf der Engländer Clark 1857 ein solches Verfahren, das jedoch ebenso wenig Anwendung fand wie das des Franzosen Vallin, dem dafür 1871 ein Patent erteilt worden war. Erfolg hatte erst der belgische Ingenieur und Leiter der Glasfabrik Frison & Cie, Émile Fourcault (1862–1919). An ihn trat vor 1900 der belgische Glasofenkonstrukteur Gobbe mit dem Vorschlag heran, bei Frison & Cie ein Verfahren zur maschinellen Produktion von Fensterglas zu versuchen.
Das 1904 von Fourcault entwickelte gleichnamige Verfahren erlaubte erstmals, Flachglas direkt aus der Glasschmelze zu ziehen. Die Glasschmelze quillt bei diesem Verfahren durch die mittige Öffnung einer in die Glasschmelze eingehobenen, langgestreckt-wannenförmigen Ziehdüse. Der erkaltende Überstand wird von Fangeisen seitlich gefasst und in die Höhe gezogen. Walzenpaare befördern die erstarrende Glasmasse durch einen 8 m hohen Kühlofen. Es lässt sich nicht vermeiden, dass beim senkrechten Transport der noch nicht vollständig erstarrten Glasmasse durch die Walzenpaare eine leichte Welligkeit im Glas verbleibt, die besonders in Verglasungen, die vor dem Zweiten Weltkrieg hergestellt wurden, sichtbar ist. Um die Wellen weniger sichtbar zu machen, wurden diese Glasscheiben mit horizontal verlaufender Wellenrichtung eingesetzt.
Zur Verwendung in Altbausanierung und Denkmalpflege ist nach dem Fourcault-Prozess hergestelltes Fensterglas heute noch erhältlich und wird oft als Restaurierungsglas bezeichnet.
Im Jahre 1899 begann der Amerikaner Irving W. Colburn damit, eine Methode zur Herstellung von flachem Glas im Ziehverfahren zu entwickeln. Das Verfahren wurde 1904 von ihm patentiert und wird darum alternativ auch als Colburn-Verfahren bezeichnet. Es dauerte bis 1913, bis die ersten erfolgreichen Ergebnisse zustande kamen. Colburn hatte zu diesem Zeitpunkt das Patent bereits an die Toledo Glass Company verkauft, die sich in Libbey-Owens Sheet Glass Company umbenannte. Heute findet es keine Anwendung mehr.
Ähnlich dem Fourcault-Verfahren wurde das Glasband zunächst vertikal aus der freien Oberfläche der Glasschmelze nach oben gezogen, nach ca. 70 cm aber über eine polierte Stahlwalze umgebogen und horizontal durch einen Kühlkanal gezogen. Das Verfahren verzichtet auf die in der Glasschmelze liegende Ziehdüse, wodurch sich Ziehstreifen und die Welligkeit des Glases vermindern. Stattdessen wird zunächst eine Fangvorrichtung mit zwei parallelen Greifern in die Glasschmelze getaucht. Der zwischen den massiven Greifern erkaltende Glasstreifen wird zwischen diesen verklemmt und nach oben gehoben. Dabei wird ein Streifen zähflüssigen Glases nachgezogen. Um zu vermeiden, dass sich dieses Glasband zusammenzieht, wird es von seitlichen Rollern unmittelbar über der Glaswanne horizontal gestreckt. Gleich anschließend wird das Glasband über eine polierte Walze um 90° umgelenkt und horizontal durch einen bis zu 60 m langen Kühlkanal bezogen, wo es auf etwa 30 °C abkühlte. Dann wurde es geschnitten. Über die Ziehgeschwindigkeit ließen sich Glasstärken zwischen 0,6 und 20 mm einstellen. Die Breite des Glasbandes betrug bis zu 2,50 m.
Ab 1928 verwendete die Pittsburgh Plate Glass Company eine Kombination des Libbey-Owens und des Fourcault-Verfahrens. Das Glasband wurde wie beim Libbey-Owens-Verfahren aus der freien Oberfläche des Schmelzbads entnommen und anschließend wie beim Fourcault-Verfahrens senkrecht in einen bis zu 12 m hohen Kühlschacht gezogen. Die Weiterverarbeitung geschah bei diesem Verfahren auf einer Plattform, die sich ca. 10–15 m über dem Niveau der Schmelzwanne befand.
In Industrieländern wurden alle diese Verfahren ab 1960 durch das Floatglasverfahren ersetzt. Beim Floatglasverfahren wird das geschmolzene Glas auf eine Schicht flüssigen Zinns geleitet. Das Glas schwimmt auf dem schwereren Zinn und bildet nach oben und unten eine glatte Oberfläche aus. Das Verfahren ermöglichst zudem einen höheren Durchsatz der Anlage und eine höhere Glasbreite.
Die nachfolgende Tabelle vergleicht Herstellungsverfahren für durchsichtiges Flachglas:
| Verfahren | Glasstärken | Oberfläche | Lufteinschlüsse | Materialeinschlüsse | Produktionskosten pro Fläche |
|---|---|---|---|---|---|
| Zylinderblasverfahren (Antikglas) | 2,0 bis 3 mm | wellig; optisch unruhig durch Striemen und Bläschen, keine planparallele Oberfläche | einige bis viele | einige | sehr hoch (Handarbeit) |
| Gießen, Walzen, Schleifen, Polieren | ab 2,0 mm | stark gewellt | einige | keine | hoch (maschinelles Schleifen und Polieren) |
| Ziehen (Fourcault-Verfahren) | 0,8 bis 7 mm | mäßig gewellt, Ziehstreifen, optisch unruhig | wenige | keine | mäßig |
| Ziehen (Pittsburgh-Verfahren) | 3,0 bis 8 mm | schwach gewellt, Ziehstreifen, optisch unruhig |
sehr wenige | sehr wenige | mäßig |
| Ziehen (Libbey-Owens-Verfahren) | 0,6 bis 20 mm | schwach gewellt, Ziehstreifen, optisch unruhig |
sehr wenige | sehr wenige | mäßig |
| Overflow-Downdraw-Verfahren oder Fusions-Verfahren (u. a. für Flüssigkristallbildschirme) | ab 0,1 mm | nicht gewellt | keine | keine | hoch |
| Floatprozess | < 1 bis 24 mm | nicht gewellt | keine | praktisch keine, lediglich unter Ultraviolett sichtbar | niedrig (große Mengen) |




Flachglas dient als Basis für zahlreiche Weiterverarbeitungen.

Flachglasoberflächenfehler sind: Verkratzungen (zum Beispiel durch Vandalismus, falsche Glasreinigung, Transportschäden) oder Verätzungen (zum Beispiel durch Zementablagerungen oder Flusssäure (Vandalismus)). Grundsätzlich sind derartige Beschädigungen nur dadurch zu reparieren, dass man im Bereich des Fehlers vorsichtig und möglichst gleichmäßig Glas abträgt.
Es gibt zwei Reparaturverfahren:
Bei dem ersten Verfahren erfolgt der Glasabtrag durch einen Schleifprozess in mehreren Stufen. Hierbei wird ein Winkelschleifer mit einem flexiblen Aufnahmeteller benutzt, welcher mit Schleifscheiben unterschiedlicher Körnung bzw. mit einer Polierscheibe bestückt wird. Die erste Stufe der Schleifscheiben hat die Aufgabe, den erforderlichen Glasabtrag durch Glasabkratzen zu realisieren. Die feineren Schleifstufen haben die Aufgabe, die Oberflächenrauhigkeit so weit zu reduzieren, dass die Polierstufe die ursprüngliche Transparenz wiederherstellen kann.
Zur Reduzierung dieser Qualitätsrisiken gibt es Verfahren, bei denen auf das Glas eine mechanische Maschinenführung mittels Saugnäpfen aufgebracht wird.
Bei dem zweiten Verfahren erfolgt der erforderliche Glasabtrag durch einen sehr intensiven Polierprozess. Hierbei werden die Glaskomponenten (ungefähre Zusammensetzung: 75 % SiO2, 13 % Na2O, 12 % CaO) hydratisiert und in Wasser aufgelöst. Während des Polierens wird die ursprüngliche Transparenz des Glases nicht verändert. Für diesen intensiven Polierprozess sind folgende Bedingungen erforderlich:
Dieses Verfahren nutzt ein Unterdrucksystem zwischen Poliersuspensionstank und Poliermaschine, um der Poliermaschine das Poliermittel zu- bzw. abzuführen und um die Maschine planparallel über das Glas zu führen.
Je nach Typ kann Flachglas einen deutlich höheren Anteil an Magnesiumoxid und einen höheren Schmelzpunkt aufweisen als Verpackungsglas (Hohlglas) und wird darum getrennt vom Haushaltsglas-Recycling gesammelt und verwertet. In Deutschland und Österreich bestehen Recyclingsysteme für Flachglas, die in erster Linie von Gewerbebetrieben genutzt werden. Konsumenten haben teilweise die Möglichkeit, Fensterglas bei der kommunalen Sammelstelle abzugeben.
Auch Produkte wie Glasbausteine, Glaswolle, Schaumglas und Blähglas können in der Regel nicht mit dem Behälterglas wiederverwendet werden und werden getrennt erfasst oder als Restmüll oder Bauschutt entsorgt.