Gloydius brevicaudus

Gloydius brevicaudus

Gloydius brevicaudus

Systematik
Ordnung: Schuppenkriechtiere (Squamata)
Unterordnung: Schlangen (Serpentes)
Familie: Vipern (Viperidae)
Unterfamilie: Grubenottern (Crotalinae)
Gattung: Gloydius
Art: Gloydius brevicaudus
Wissenschaftlicher Name
Gloydius brevicaudus
(Stejneger, 1907)

Gloydius brevicaudus ist eine Art aus der Unterfamilie der Grubenottern. Gemeinhin wird diese Art als kurzschwanzige Grubenotter oder kurzschwanzige Mamushi bezeichnet. Die Art ist in der gemäßigten Klimazone Ostasiens verbreitet. Sie wird durch häufige Bissvorfälle als medizinisch relevant eingeschätzt.

Beschreibung

Gloydius brevicaudus ist eine mittelgroße, kräftig gebaute Grubenotter mit deutlich abgesetztem, dreieckigem Kopf. Die Grundfärbung variiert von hellbraun bis grau. Entlang des Rückens verläuft eine Reihe auffälliger, annähernd elliptischer oder halbbandförmiger Flecken. Diese sind braun gefärbt, in der Mitte meist etwas heller und von dunkelbraunen Rändern eingefasst. Die Flecken stehen entweder einander gegenüber oder wechseln sich seitlich ab und können sich auf der Rückenmittellinie berühren oder voneinander getrennt bleiben. Die Art weist einen Geschlechtsdimorphismus auf. Bei Männchen werden gewöhnlich 23 bis 33, bei Weibchen 25 bis 36 solcher Rückenzeichnungen gezählt.

Die Bauchseite ist überwiegend schwarz bis dunkelgrau und wird besonders zum Schwanz hin dunkler. Auf Oberkopf und Scheitel befinden sich markante dunkelbraune Zeichnungselemente, darunter eine leierförmige Nackenzeichnung. Ein kräftiger dunkel rotbrauner Streifen verläuft entlang der Kopfseiten und wird ober- und unterhalb von schmalen weißen Linien begrenzt; die obere helle Linie setzt sich über den oberen Augenrand fort. Die Zunge ist schwarz. Die Schwanzspitze ist auffällig hell gefärbt und erscheint bei lebenden Tieren gelb.

Die Art besitzt gewöhnlich 21 gekielte Schuppenreihen um die Körpermitte. Die Bauchschuppen (Ventralia) zählen bei Männchen 135 bis 145, bei Weibchen 140 bis 149. Die Anzahl der Unterschwanzschuppen (Subcaudalia) beträgt bei Männchen 35 bis 44 und bei Weibchen 30 bis 38.

Kennzeichnend sind ferner sieben Oberlippenschilde (selten acht), zehn Unterlippenschilde sowie zwei Präokular- und meist zwei bis drei Postokularschilde. Die Kombination aus Körperzeichnung, dunkler Bauchfärbung und gelber Schwanzspitze ermöglicht in vielen Fällen eine sichere Unterscheidung von anderen ostasiatischen Arten der Gattung Gloydius.

Verbreitung

Als Verbreitungsgebiet wird die Region Primorje in Russland, die koreanische Halbinsel und China angegeben. In China reicht das Verbreitungsgebiet bis an den Jangtse. Die Schlange kommt vorwiegend in Tälern und im Tiefland in strukturreichen Landschaften und Feuchtgebieten vor. Ferner in landwirtschaftlich genutzte Flächen, Kulturlandschaften und niedrig gelegene Bergwälder. Ihr Verbreitungsgebiet umfasst niedrigere Lagen als das der nahe verwandten Gloydius ussuriensis.

Lebensweise

Die Schlangen sind vorwiegend in den warmen Monaten April bis Oktober aktiv und verbringen den Winter in einer Kältestarre. Die Art ernährt sich vorwiegend von Fischen und Amphibien. Die Art ist ovovivipar, also lebendgebärend. Eier reifen im Mutterleib heran, bis die Jungschlangen entwickelt sind.

Gloydius brevicaudus schwimmend
Gloydius brevicaudus im Wasser schwimmend.

Gift

Hauptbestandteile sind Schlangengift-Metalloproteinasen (SVMP), aus Phospholipase A₂ (PLA₂), Schlangengift-Serinproteasen (SVSP), L-Aminosäure-Oxidasen (LAAO), Cystein-reichen sekretorischen Proteinen (CRISP) sowie Plasminogenaktivator-Vorstufen. Das Gift wirkt vor allem hämorrhagisch, proteolytisch und gewebeschädigend. Vor allem menschliches Fibrinogen wird innerhalb kürzester Zeit abgebaut.

Der Biss ist durch Schmerzen an der Bissstelle, Rötung und Ödeme gekennzeichnet. Außerdem kommt es zu Blutgerinnungsstörungen, Blutdruckabfall, Schwindel und Übelkeit. In schweren Fällen treten Nekrosen auf. Eine adäquate medizinische Behandlung ist erforderlich. Ein Fallbericht eines Jungen, der von „Gloydius brevicaudus“ in die Hand gebissen wurde, schildert ein starkes Anschwellen der Hand sowie eine Nekrose. Letztere erforderte nach einem Monat eine Hauttransplantation.

Durch ihr Vorkommen in niedrigen Höhenlagen kommt die Art besonders häufig mit Menschen in Kontakt. Bissvorfälle sind daher häufig, gerade weil sich die Vorkommen in Naherholungsgebieten und landwirtschaftlichen Nutzflächen finden. Etwa 60 % der Schlangenbisse in Südkorea gehen auf die drei Gloydius-Arten zurück, die meisten davon auf Gloydius brevicaudus.

Wikispecies: Gloydius brevicaudus – Artenverzeichnis
Commons: Gloydius brevicaudus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 Youngjoo Moon, Chaewan Kim, Sungsoo Yoon, Wanmo Kang: Identification of Risk Areas for Gloydius Snakebites in South Korea. In: Animals. Band 13, Nr. 12, 2023, S. 1959, doi:10.3390/ani13121959 (englisch).
  2. 1 2 Gloydius brevicaudus. In: The Reptile Database. Abgerufen am 7. Juni 2026 (englisch).
  3. 1 2 Hyo Sun Park, Jeong Mi Moon, Byeong Jo Chun, Yerin Min, Yong Soo Cho, Kwang-Hyun Park, Sujin Lee, Yeonjong Koo: Comprehensive molecular characterization and comparison of venom proteins and transcripts in three Gloydius species from South Korea. In: Scientific Reports. Band 16, 2026, 12299, doi:10.1038/s41598-026-XXXXX-X (englisch).
  4. ↑ Ming Gao, Xiangxing Zhang, Tianzi Jian, Cece Sun, Guangcai Yu, Yikai Gao, Baotian Kan, Xiangdong Jian: Medical management of a child treated for two unique envenomation episodes via captive snakes in a 60-day period: A case report. In: Heliyon. Band 10, Nr. 22, 2024, doi:10.1016/j.heliyon.2024.e40137 (englisch).