Głuchołazy

Głuchołazy
Wappen von Głuchołazy
Głuchołazy (Polen)
Głuchołazy (Polen)
Głuchołazy
Basisdaten
Staat: Polen Polen
Woiwodschaft: Opole
Powiat: Nyski
Gmina: Głuchołazy
Fläche: 6,83 km²
Geographische Lage: 50° 19′ N, 17° 23′ OKoordinaten: 50° 19′ 0″ N, 17° 23′ 0″ O
Einwohner: 13.780 (31. Dez. 2016)
Postleitzahl: 48-340 bis 48-343
Telefonvorwahl: (+48) 77
Kfz-Kennzeichen: ONY
Wirtschaft und Verkehr
Straße: Głuchołazy–Prudnik
Eisenbahn: Krnov–Głuchołazy, Hanušovice–Głuchołazy
Kędzierzyn-Koźle–Nysa
Nächster int. Flughafen: Breslau
Katowice

Głuchołazy [ɡwuxɔˈwazɨ] (deutsch: Ziegenhals, auch Bad Ziegenhals; schlesisch Ziegahols; schlonsakisch Gůchołazy, tschechisch Hlucholazy) ist eine Stadt im Powiat Nyski der Woiwodschaft Opole in Polen. Sie ist zugleich Sitz der Stadt- und Landgemeinde Głuchołazy mit etwas mehr als 24.000 Einwohnern.

Geographie

Die Stadt liegt am rechten Ufer der Biele auf 275 m ü. NHN am Fuß des Zuckmanteler Berglandes, etwa 21 Kilometer südlich von Neisse und 65 km südwestlich von Oppeln. In der Nähe verläuft die Staatsgrenze zu Tschechien. Stadtteile sind: Głuchołazy-Zdrój, Kamieniec und Kolonia Jagiellońska.

Nachbarorte sind im Norden Bodzanów (Langendorf), im Osten Charbielin (Ludwigsdorf), im Süden Konradów (Dürr-Kunzendorf) und jenseits der Grenze zu Tschechien Mikulovice (Niklasdorf).

Geschichte

Blick von der Bischofskoppe auf Bad Ziegenhals
Panorama Ziegenhals – Zeichnung aus der Mitte des 18. Jahrhunderts
Ring
St.-Laurentius-Kirche; ihre ältesten Teile stammen aus dem 13. Jahrhundert
St.-Franziskus-Kirche, 1865–1866 für die evangelische Gemeinde erbaut
Oberer Torturm

Um 1220 holte der Breslauer Bischof Lorenz deutsche Siedler in die Gegend im Vorland des Altvatergebirges, um das Bistumsland Neisse vor dem Eindringen des Markgrafen Vladislav Heinrich, eines Bruders Ottokars I., nach Norden zu schützen. 1241 durch die Mongolen zerstört, hatte das wiederaufgebaute Ziegenhals 1263 bereits das Stadtrecht. Im gleichen Jahr wurde der Ort als Cigenals erwähnt. Die Siedler waren vor allem Bergleute, die Nachrichten über Goldfunde in den Bergen bei Ziegenhals in die Gegend lockten. Goldbergbau ist aus dem 16. und 17. Jahrhundert belegt, ebenso Eisenerzbergwerke der Thurzo und Fugger. Jedoch war der Goldbergbau nicht so bedeutsam wie im benachbarten Zuckmantel. Das Mundloch des Stollens Heilige Drei Könige, der der Wasserhaltung der Zuckmantler Gruben diente, ist nahe der Stadt zu finden. Sein Wasser wurde auch für den Aufschlag einer Mühle genutzt.

Am 20. März 1428 brannten die Hussiten die Stadt nieder, wobei die Pfarrkirche aus dem 13. Jahrhundert zerstört wurde. An das Hochwasser der Biele von 1472 erinnerte die jährliche Prozession zu Mariä Heimsuchung. 1627 wütete die Pest in der Stadt; daran wurde in der bis 1945 abgehaltenen Pestprozession erinnert. 1635 suchte erneut die Pest die Stadt heim.

Im Ersten Schlesischen Krieg war die nahe der Festung Neisse gelegene Stadt mehrfach Schauplatz von Kampfhandlungen. Nach der Übernahme fast ganz Schlesiens durch Preußen wurde Ziegenhals 1742 zu einer preußischen Grenzstadt, während Zuckmantel bei Österreich verblieb. Dies führte zu einem wirtschaftlichen Niedergang; erst mit dem Anbau von Flachs entwickelte sich Ziegenhals zu einer Weberstadt. Die 1428 zerstörte Pfarrkirche wurde zwischen 1729 und 1733 im Stil des Barocks wieder aufgebaut. 1860 wurde die mittelalterliche Stadtmauer geschleift, wobei einige Stadttore wie das Obertor erhalten blieben. 1874 erhielt Ziegenhals einen Bahnhof an der Strecke von Deutsch Wette, wodurch sich Zelluloseindustrie im Ort etablierte. Ab 1875 erfolgte der Anschluss an die Mährisch-Schlesische Centralbahn nach Österreich Schlesien. Ende des 19. Jahrhunderts wurden Heilquellen im Stadtgebiet gefunden, wodurch sich der Ort zu einem bekannten Kurort entwickelte. Zur gleichen Zeit entstanden die ersten Sanatorien.

Am Anfang des 20. Jahrhunderts hatte Ziegenhals eine evangelische Kirche, eine katholische Kirche, ein katholisches Schullehrerseminar, eine Präparandenanstalt, ein preußisches Nebenzollamt, ein österreichisches Hauptzollamt, Zellulose-, Wollwaren-, Zwirn-, Maschinen-, Steinwaren-, Knochenmehl- sowie Zündwarenfabrikation und war Sitz des Amtsgerichts Ziegenhals.

In Ziegenhals entstand eine Landesheilstätte Oberschlesien, deren Direktor in den 1930er Jahren der Internist und Ober-Medizinalrat Ludgar Rickmann war, welcher sich auch als Mitarbeiter am Lexikon der gesamten Therapie beteiligte.

Im Jahr 1945 gehörte Ziegenhals zum Landkreis Neisse im Regierungsbezirk Oppeln der Provinz Oberschlesien. Bad Ziegenhals blieb bis kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs von Kriegshandlungen verschont. In der gesamten Kriegszeit fiel nur eine Bombe im Stadtgebiet. Erst nach der Kapitulation zogen sich die deutschen Truppen am 9. Mai 1945 zurück und die Rote Armee besetzte die Stadt. Sie unterstellte sie unter die zunächst wenig durchsetzungsfähige Verwaltung der Volksrepublik Polen, die den Ort in Głuchołazy umbenannte. Im Mai 1946 konnte sie mit der systematischen Vertreibung der Einwohner beginnen, die sich bis 1950 hinzog. Sie war verbunden mit der Ansiedlung von Polen, die teils aus Großpolen, teils aus der Gegend um Myszków sowie den Gebieten östlich der Curzon-Linie kamen. Viele der Vertriebenen kamen nach Goslar. Im Jahr 1950 kam der Ort zur Woiwodschaft Opole.

Im Zuge eines Gebietsaustausches wurde 1959 im Austausch gegen Krasów die zu Zlaté Hory gehörende Ansiedlung Skřivánkov (Lerchenfeld) von der Tschechoslowakei abgetreten und unter dem Namen Skowronków an Głuchołazy angeschlossen. Der westlich der Stadt in das tschechoslowakische Gebiet hineinragende Zipfel wurde hälftig der Gemeinde Kolnovice zugeschlagen, die dafür die östlichen Fluren von Vysutá an die Gemeinde Gierałcice abtrat.

Im Jahr 1997 war die Stadt vom Oderhochwasser betroffen.

Im Jahr 1999 kam der Ort zum wiedergegründeten Powiat Opolski. Am 4. Juli 2018 wurde im Kurpark (ul. Lompy 2) ein 15 Meter hohes Sole-Gradierwerk aus Lärchenholz eröffnet, das auch als Aussichtsturm dient.

Beim Hochwasser in Mitteleuropa im September 2024 wurde die Stadt erneut überflutet.

Demographie

Bevölkerungsentwicklung bis 1945
Jahr Einwohner Anmerkungen
1748962
17561097Katholiken
17681285
17761393
17831297
17841291Katholiken, in 233 Privathäusern
17901426
18031869
18101793
18161940davon 41 Evangelische, 1899 Katholiken, keine Juden
18212020
18252256in 304 Wohnhäusern, davon 44 Evangelische, 2197 Katholiken, 15 Juden
18282363
18433417am Jahresende (ohne Militär), davon 92 Evangelische, 3305 Katholiken, 20 Juden
18523533
18553348Zivileinwohner
18613762Zivileinwohner, davon 95 Evangelische, 3641 Katholiken, 26 Juden
18674329am 3. Dezember
18714922mit der Garnison (eine Schwadron Husaren Nr. 6), darunter 100 Evangelische; nach anderen Angaben 4918 Einwohner (am 1. Dezember), davon 153 Evangelische, 4740 Katholiken, 25 Juden
19058673darunter 599 Evangelische und 47 Juden
19108975am 1. Dezember
19339913
19399737
Anzahl Einwohner nach dem Zweiten Weltkrieg
Jahr1946195719702005
Einwohnerzahl7.50010.30013.40015.003

Sehenswürdigkeiten

St.-Rochus-Kirche

Wappen

Blasonierung: In Silber ein schwarzer goldgehörnter Ziegenbock.

Verkehr

Bahnhof Głuchołazy (2025)

Durch die Stadt verlaufen die Landesstraße Droga krajowa 40 und die Woiwodschaftsstraße 411.

Der Bahnhof Głuchołazy (bis 1945: Ziegenhals Hbf) ist ein Knotenpunkt der Strecken Nowy Świętów–Głuchołazy Zdrój, Krnov–Głuchołazy und Hanušovice–Głuchołazy. Einen regelmäßigen, täglichen Personenverkehr gibt es nur in der Relation Krnov–Jeseník. Auf der Strecke von Opole und Nysa verkehren nur an den Wochenenden einige Personenzüge nach Głuchołazy Miasto.

Der ÖPNV in Głuchołazy ist kostenfrei nutzbar.

Gemeinde

Die Stadt- und Landgemeinde Głuchołazy umfasst ein Territorium von 168 km². Neben der Stadt sind eine Reihe von Dörfern mit Schulzenämtern der Gemeinde zugehörig.

Partnerstädte und -gemeinden

Kuranlagen (1900)

Sport

Die Sportstätten sind das Städtische Stadion (ul. Konopnicka), die Sporthalle (ul. Skłodowska), der Freizeitkomplex „Nad Białką“ (ul. Kościuszki), die Eisbahn „Biały Orlik“ (ul. Bohaterów Warszawy), die Sportplätze ORLIK 2012 (ul. Bohaterów Warszawy) sowie Tennisplätze (al. Johannes Paul II.)

Sportvereine: MULKS Juvenia Głuchołazy (Leichtathletik), GKS Głuchołazy (Fußball), MUKS Chrobry Basket Głuchołazy (Basketball), Juve Głuchołazy (Volleyball), Głuchołaski Victoria Cycling Club (Radsport), KŁ Chrobry Głuchołazy (Bogenschießen) sowie UKS Hattrick Głuchołazy (Fußball).

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter der Stadt

Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben

Literatur

Commons: Głuchołazy – Sammlung von Bildern und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Band 20, Leipzig und Wien 1909, S. 917.
  2. ↑ Ivan Stupek: Josef Lowag (1849–1911), vor 100 Jahren ein populärer Schlesier. In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen 23, 2004, S. 499–504; hier: S. 499.
  3. 1 2 Johann Georg Knie: Alphabetisch-statistisch-topographische Uebersicht der Dörfer, Flecken, Städte und andern Orte der Königl. Preusz. Provinz Schlesien. 2. Auflage, Breslau 1845, S. 952–953.
  4. ↑ Walter Marle (Hrsg.): Lexikon der gesamten Therapie mit diagnostischen Hinweisen. 2 Bände, 4., umgearbeitete Auflage. Urban & Schwarzenberg, Berlin/Wien 1935 (Verzeichnis der Mitarbeiter).
  5. ↑ Włodzimierz Borodziej, Hans Lemberg: Die Deutschen östlich von Oder und Neiße 1945–1950. Dokumente aus polnischen Archiven. Band 2.: Zentralpolen. Wojewodschaft Schlesien (Obererschlesien). Herder-Institut, Marburg 2003, ISBN 3-87969-294-7, S. 682; zu den Anfangsschwierigkeiten der polnischen Verwaltung vor Ort S. 427–430.
  6. ↑ Historia Głuchołaz. (Memento vom 28. Januar 2016 im Internet Archive). Auf Glucholazy.pl (polnisch), abgerufen am 18. Mai 2022.
  7. 1 2 3 Felix Triest: Topographisches Handbuch von Oberschlesien, Wilh. Gottl. Korn, Breslau 1865, S. 1019.
  8. 1 2 3 4 Friedrich Gottlob Leonhardi: Erdbeschreibung der preussischen Monarchie, Band 3, Teil 1, Halle 1792, S. 131–132.
  9. 1 2 3 4 Alexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preussischen Staats. Band 5: T–Z, Halle 1823, S. 418–419, Ziffer 844.
  10. 1 2 Johann Georg Knie: Alphabethisch-Statistisch-Topographische Uebersicht der Dörfer, Flecken, Städte und andern Orte der Königl. Preuß. Provinz Schlesien, mit Einschluß des jetzt ganz zur Provinz gehörenden Markgrafthums Ober-Lausitz und der Grafschaft Glatz; nebst beigefügter Nachweisung von der Eintheilung des Landes nach den verschiedenen Zweigen der Civil-Verwaltung. Breslau 1830, S. 1044.
  11. ↑ Kraatz: Topographisch-statistisches Handbuch des Preußischen Staats. Berlin 1856, S. 708.
  12. 1 2 Felix Triest: Topographisches Handbuch von Oberschlesien, Wilh. Gottl. Korn, Breslau 1865, S. 967, Ziffer 103.
  13. 1 2 Königliches Statistisches Bureau: Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Schlesien und ihre Bevölkerung. Nach den Urmaterialien der allgemeinen Volkszählung vom 1. Dezember 1871. Berlin 1874, S. 398–399, Ziffer 3.
  14. ↑ Gustav Neumann: Geographie des Preußischen Staats. 2. Auflage, Band 2, Berlin 1874, S. 183–185, Ziffer 15.
  15. ↑ Landkreis Neiße. Gemeindeverzeichnis 1900. In: gemeindeverzeichnis.de. Uli Schubert, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 24. Februar 2023; abgerufen am 20. Februar 2026.
  16. 1 2 Michael Rademacher: Neisse. Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006. In: eirenicon.com.
  17. ↑ für 2005 Główny Urząd Statystyczny
  18. ↑ Geschichte der St.-Laurentius-Kirche (Memento vom 28. Januar 2016 im Internet Archive)
  19. ↑ St. Rochus (Memento vom 28. Januar 2016 im Internet Archive)
  20. ↑ Dehio-Handbuch der Kunstdenkmäler in Polen. Schlesien. Deutscher Kunstverlag, München u. a. 2005, ISBN 3-422-03109-X, S. 316.
  21. ↑ Bezpłatna Komunikacja Miejska. Gmina Głuchołazy, abgerufen am 14. September 2024 (polnisch).