
Godwi oder Das steinerne Bild der Mutter – Ein verwilderter Roman ist ein romantischer Roman von Clemens Brentano, der das Werk mit Unterbrechungen vom Frühsommer 1798 bis Anfang August 1801 verfasste. Der Roman erschien unter dem Pseudonym Maria bei Friedrich Wilmans in Bremen, der erste Band um die Jahreswende 1800/1801, der zweite Ende Oktober/Anfang November 1801.
Der erste Band des Romans ist als Briefroman ausgeführt.
Der zweite Band, in 31 Kapitel unterteilt, beginnt damit, dass sich der Ich-Erzähler zu Godwi begibt, um einigen Gerüchten nachzugehen. Godwis begüterter Vater soll nun in Italien leben, während Godwi selbst ein Landgut nahe der Stadt bewohnt, wo er einem Mädchen namens Violette, welches nicht den besten Ruf habe, ein prächtiges Grabmal errichtet haben soll. Von Dritten wird Godwi als „sehr einfach, ruhig und verschlossen“, mit einem „großen Kummer“ beschrieben. Der Erzähler übergibt den von ihm verfassten ersten Band des Romans an Godwi, wird von diesem auf dem Gut herumgeführt und erhält „mehrere Papiere aus dem Schreibpulte“, Godwis Familiengeschichte betreffend, damit der zweite Band deutlicher ausfalle.
Damit kann nun die Geschichte von Godwis Mutter, Marie Wellner, erzählt werden. Marie wuchs in einer Handelsstadt an der Ostsee als Tochter des reichen alten Wellner auf und wurde von Joseph, einem Angestellten ihres Vaters unterrichtet, wobei sich eine Liebesbeziehung zwischen Marie und Joseph entwickelte. Die Verbindung wurde mit dem Segen des alten Wellners durch Austausch goldener Ringe bekräftigt. Dann wurde jedoch Joseph vom alten Wellner auf Geschäftsreise nach Amerika geschick,t und nach einem Jahr blieben seine Briefe aus. Godwis Vater, ein reicher Engländer, der sich in der Stadt niedergelassen hatte, verliebte sich in Marie und half dem alten Wellner in einer finanziellen Notlage aus. Aus Dankbarkeit, weil Joseph inzwischen für tot erklärt wurde und um dem letzten Wunsch des todkranken Vaters zu entsprechen, heiratete Marie Godwis Vater. Godwis Vater führte Wellners Firma weiter und Marie gebar einen Sohn. Ihre Liebe zu Joseph blieb jedoch ungebrochen, und so ging sie oft mit dem kleinen Godwi zum Hafen und weinte. Als nun eines Tages tatsächlich Joseph auf einem Schiff zurückkehrte, streckte Marie die Arme nach ihm aus, stürzte dabei in die See und war tot. Dabei wird Joseph als Werdo Senne offenbart.
Danach berichtet Godwi, wie sein Vater nach Deutschland kam. Dieser hatte als junger Mann ein Verhältnis mit Molly Hodefield, aus dem der spätere Karl Römer hervorging. Dann aber verließ er sie, um nach Deutschland zu gehen. Darauf lebte Molly mit einem deutschen Adeligen zusammen, der dann in seine Heimat zurückkehrte, um sich hinter ihrem Rücken an Godwis Vater zu rächen. Er wurde im Duell von Godwis Vater getötet, schickte aber zuvor noch Werdo Senne nach England, der aus Molly „ein neues Wesen machte“. Dann segelte er nach Amerika ab. Godwis Vater aber fing Werdos Briefe an Marie ab und fälschte schließlich auch dessen Totenschein.
Nach seiner Rückkehr und dem Tod Mariens verband sich Werdo mit der Tochter eines Amtsmanns. Diese gebar die gemeinsame Tochter Ottilie, starb aber nach der Geburt. In seinem Kummer zog sich Werdo auf Burg Reinhardstein zurück. Molly begab sich nach Deutschland, in die Nähe Werdos. Auf ihrer Reise leistete sie der Italienerin Cecilia Geburtshilfe. Cecilia gebar den Knaben Eusebio, starb aber bei der Geburt. Molly verschaffte dem Kindsvater Franzesko Fiormonti, einem Maler, eine Anstellung bei Godwis Vater und zog das Kind zwei Jahre lang auf, bevor sie es Werdo anvertraute. Karl Römer wurde als elternlos zu seinem leiblichen Vater nach Deutschland geschickt. Franzesko erreichte, dass sich Werdo und Molly mit Godwis Vater versöhnten und ihm seine Missetaten verziehen. Darüber gerührt übergab dieser seine Firma an seinen Sohn Karl Römer und warb für diesen erfolgreich um die Hand Jodunos.
In einer überraschenden Wende der Handlung schickt Godwi nun seinen Vater, Werdo und Molly, Franzesko, dessen Sohn Eusebio und Ottilie, nun in Liebe mit Franzesko verbunden, nach Italien mit der Abschiedsbitte: „Glückliche Reise … kommt um Gotteswillen nicht wieder.“ Zum Abschluss bittet der Ich-Erzähler Godwi um Verzeihung und gelobt: „Ich will es nicht wiederthun.“
Brentano verfasst noch eine Fragment gebliebene, neun Kapitel umfassende Fortsetzung des Romans, aus der vor allem das berühmte, überaus wirkungsmächtige Gedicht „Zu Bacharach am Rheine“ bekannt ist, das erstmals von der Lore Lay spricht.
In der Fragmentarischen Fortsetzung erzählt Godwi – der Ich-Erzähler Maria stirbt unterwegs plötzlich –, wie er die 15-jährige Violette findet und der Geliebte von deren Mutter, der leichtfertigen Gräfin von G., wird. Dies bringt Violette gegen ihre Mutter auf. Schließlich verlässt Godwi die beiden, um nach Jahren zurückzukehren. Inzwischen hatte die Französische Revolution das gräfliche Schloss zerstört und Mutter und Tochter zu Huren gemacht. In der Schlossruine begegnet er der verwaisten Violette, die ihn bittet, sie umzubringen. Die beiden werden dennoch kurzzeitig ein Paar, doch eines Morgens findet er sie ihm Garten, inmitten der Blumen singend, ihn aber nicht mehr erkennend, um bald darauf zu sterben.
Das Fragment beschließen Einige Nachrichten von den Lebensumständen des verstorbenen Maria. Mitgetheilt von einem Zurückgebliebenen. Verfasser dieser Nachrichten und mehrerer der darin eingefügten Gedichte ist der mit Brentano befreundete Stephan August Winkelmann. Ein von Achim von Arnim verfasster Beitrag für diesen Anhang wurde damals nicht abgedruckt und erschien erstmals 1978 im Rahmen der Frankfurter Brentano-Ausgabe.
Mehrere der Verseinlagen des Godwi sind beeinflusst durch Ovids Metamorphosen; Brentano benutzte ganz offensichtlich eine versifizierte Paraphrase der Metamorphosen aus dem Jahr 1631.
