Gottfried Edel

Gottfried Edel (* 14. Februar 1929 in Adlerhorst bei Cosel, Oberschlesien; † 25. Oktober 2025) war ein deutscher Kulturphilosoph, Schriftsteller, Journalist und ZDF-Kulturredakteur. Er schrieb Gedichte, Aphorismen und religionsgeschichtliche Essays und Bücher. Auch seine Fernsehbeiträge hatten meist religiöse Inhalte.

Leben

Gottfried Edel wurde 1929 als Sohn von Elfriede Edel, geborene Scheurich, und des landwirtschaftlichen Sachverständigen Goetz-Gernot Edel im oberschlesischen Dorf Adlerhorst geboren.

Als Jugendlicher im Zweiten Weltkrieg zur Wehrmacht eingezogen, geriet er in Kriegsgefangenschaft.

Edel war evangelisch. Während seines Studiums der Religions- und Kunstwissenschaft sowie Philosophie und Geschichte von 1947 bis 1961 in Marburg/Lahn, Neuendettelsau, Tübingen, Zürich und Mainz erfuhr er von 1951 bis 1955 auch eine publizistische Ausbildung.

Von 1955 bis 1961 arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Europäische Geschichte in Mainz.

Seine Dissertation beschäftigte sich 1961 mit Martin Luthers „gemeinkatholischem mittelalterlichen Erbe“.

Bevor Edel von 1963 bis 1991 Kulturredakteur beim ZDF in Mainz wurde und dort neben der Moderation einer „Dialog-Sendung“ (nach heutigem Jargon: „Talkshow“) eine Vielzahl an meist halbstündigen Dokumentarfilmen zur europäischen Kultur- und Religionsgeschichte und Reportagen über ferne Kulturen und deren Glaubensrichtungen drehte, war er zwei Jahre (von 1961 bis 1963) Lehrer am Goethe-Institut in Rothenburg ob der Tauber.

Neben seinen Dienstreisen zu Filmzwecken bis in entlegene Gebiete der Erde schrieb Gottfried Edel Gedichte, Aphorismen und religionsgeschichtliche Essays und Bücher. Er gab zwei Bücher zur Strafvollzugsproblematik heraus, eine Prosa-Anthologie und mehrere Publikationen zur „Weltkultur“. Die 1967 in Mainz erfolgte Gründung der „Akademie für Weltkultur“, deren Vorsitzender er war, geht auf ihn zurück. Diese Einrichtung versteht sich als „Forum der interkulturellen Begegnung von Menschen verschiedener nationaler, religiöser und kultureller Herkunft, der Persönlichkeits- und Urteilsbildung mit dem Ziel weltbürgerlicher Offenheit und engagierter Humanität und der theoretischen Grundlegung und innovativen Zusammenarbeit der Wissenschaften, Medien und Künste“. Edel fungierte als deren Vorsitzender. Nach seinem Ableben soll Edels umfangreiche Bibliothek von circa 40.000 Büchern, in die er „seine Vorstellung von Weltkultur […] gegossen“ habe, in seiner früheren Mainzer Wohnung, als einem Ort, „der für Begegnung und die Vertiefung von Wissen stehen soll“, erhalten bleiben und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, so der Verein „Akademie für Weltkultur“.

Seine Philosophie beschrieb die Mainzer Allgemeine Zeitung als „eine einzige Revolte gegen die platonische Ideenlehre – und damit auch ein Aufbegehren gegen das Schöndenken und Glattreden einer vielgestaltigen Welt“. So laute sein Credo: „Kein Leben in der Enge penibel ausgetüftelter Regelwerke, sondern Forschen und Verstehen im Zeichen einer ‚übergreifenden Kultur‘ des Humanen und Humanitären“.

Edel hatte zeitweise einen Lehrauftrag für Geschichtsphilosophie an der International Academy of Manternach im Großherzogtum Luxemburg (nach Verlagerung in die Schweiz: International University Lugano) beziehungsweise ab 1978 einen für Religionsphilosophie und Medienkultur an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Außerdem moderierte er Gesprächsrunden („Leibniz-Forum“) am Institut für Europäische Geschichte an seinem Wohnort Mainz.

Gottfried Edel sprach neben Deutsch auch Englisch, Französisch und Russisch. Er war in zweiter Ehe verheiratet. Er hatte zwei 1959 und 1961 geborene Töchter (Sabine und Susanne) aus seiner ersten, mit Mechthild Krebs geschlossenen Ehe.

Edels Aphorismus über Aphorismen

„Aphorismen sind beides – Musterkoffer der Wahrheit und Mausefalle der Bosheit.“

Auszeichnungen

Werke

Buchveröffentlichungen

Essays (Auswahl)

Lyrik-Anthologie-Beiträge (Auswahl)

Herausgeberschaft

Außerdem war er von 1966 bis 1980 Herausgeber der Zeitschrift Areopag. Politisch-literarisches Forum / Mainzer Hefte für internationale Kultur sowie dazugehörig Areopag. Jahrbuch für Kultur und Kommunikation, zuletzt bei Neske, Pfullingen.

Fernsehbeiträge (Auswahl)

Weitere Fernsehbeiträge über Calvin, Dostojewskij, Riemenschneider, Grünewald, Dürer und Chagall. Außerdem Reihe Leben wie Gott in … (Rußland, Amerika, Griechenland, Asien, Afrika, Israel, Lateinamerika, Australien); Reihe Theologie des/der … (Zauberflöte, Körpers, Gartens, Stadt, Weltkirchenrats); Reihe Das Nachtgespräch (Fernsehdialoge mit Werner Heisenberg, Walter Jens, Luise Rinser, Manès Sperber, Gabriele Wohmann, Will Quadflieg, Josef Pieper, Gustav Heinemann, Hans Küng, Haile Selassie u. a.)

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Traueranzeige in der Allgemeinen Zeitung Mainz vom 31. Oktober 2025, abgerufen am 31. Oktober 2025
  2. 1 2 3 4 5 6 7 8 Gottfried Edel. Biographie. In: gottfried-edel.de. Abgerufen am 29. Juli 2021.
  3. ↑ Alphabetisches Verzeichnis der Autoren mit ihren Gedichten. In: Kurt Morawietz (Hrsg.): Deutsche Teilung. Ein Lyrik-Lesebuch. Nachwort von Reimar Lenz. Limes Verlag, Wiesbaden 1966, Gottfried Edel, S. 343.
  4. ↑ Anke Hees: Edel, Gottfried. In: Konrad Feilchenfeldt (Hrsg.): Deutsches Literaturlexikon. Das 20. Jahrhundert. Biographisches-Bibliographisches Handbuch. Begründet von Wilhelm Kosch. Fortgeführt von Carl Ludwig Lang. Siebenter Band: Dürrenmatt – Ernestus. K. G. Saur Verlag, Zürich/München 2005, ISBN 3-908255-07-4, Sp. 137 f.
  5. 1 2 3 4 5 6 7 8 Redaktionsbüro Harenberg: Knaurs Prominentenlexikon 1980. Die persönlichen Daten der Prominenz aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft. Mit über 400 Fotos. Droemer Knaur, München/Zürich 1979, ISBN 3-426-07604-7, Edel, Gottfried, S. 94.
  6. 1 2 (Fre): Der Herr der Bücher. – Dem Philosophen Gottfried Edel zum 80. In: Allgemeine Zeitung. 14. Februar 2009, Kultur.
  7. ↑ Akademie für Weltkultur. In: stadtbranche.de. Jennifer Sieghan, abgerufen am 29. Juli 2021.
  8. ↑ Allgemeine Zeitung Mainz: Mainzer Privatbibliothek öffnet sich, vom 26. März 2026
  9. ↑ Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 254.
Personendaten
NAME Edel, Gottfried
ALTERNATIVNAMEN Kilbel, Eugen (Pseudonym); Orlowitz, Hubert (Pseudonym); Areopagita (Pseudonym)
KURZBESCHREIBUNG deutscher Kulturphilosoph und ZDF-Kulturredakteur
GEBURTSDATUM 14. Februar 1929
GEBURTSORT Adlerhorst bei Cosel, Oberschlesien
STERBEDATUM 25. Oktober 2025