
Gotthard Erler (* 20. Juni 1933 in Meerane; † 23. Juni 2026 in Berlin) war ein deutscher Literaturhistoriker und Verleger. Er trat vor allem als Fontaneforscher und -herausgeber hervor und war von 1992 bis 1998 Geschäftsführer des Aufbau-Verlages.
Gotthard Erler wuchs auf einem Bauernhof in Waldsachsen bei Meerane (Landkreis Glauchau) auf. Schon als Schüler arbeitete er als Reporter und gestaltete Features beim Meeraner Stadtfunk. Von seinem Deutschlehrer wurde er ermuntert, Germanistik zu studieren. So begann er an der Universität Leipzig bei Hans Mayer und Hermann August Korff das Germanistikstudium. Seine von Korff betreute Staatsexamensarbeit schrieb er 1954 über Theodor Fontane und dessen Gesellschaftsromane.
Nach dem Studium arbeitete Erler von 1955 bis 1959 bei verschiedenen Zeitungen und Rundfunksendern der DDR, seit 1956 als freier Mitarbeiter für den Aufbau-Verlag, wo er unter anderem 1959 als Mitarbeiter von Hans Kaufmann bei der Vorbereitung einer zehnbändigen Heine-Ausgabe tätig war. 1964 erfolgte seine feste Anstellung beim Aufbau-Verlag. Dort wirkte er als Lektor und Herausgeber auf dem Gebiet der Literatur des 18. bis 20. Jahrhunderts und ab 1975 als Leiter des Klassik-Lektorats.
Mit einer Dissertation zum Thema Konzeptionelle und editionstechnische Aspekte von Lese- und Studienausgaben, in Verbindung mit vorgelegten Editionen bei Hans Jürgen Geerdts wurde Erler 1978 von der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald promoviert. 1980 reiste Erler im Auftrag von Buchexport Leipzig zur Welttagung der Germanisten nach Basel. Dass die Behörden der DDR ihm, obwohl er kein Parteigenosse der SED war, dazu eine Ausreiseerlaubnis erteilten, war eine seltene Ausnahme.
Erler war ab 1990 Cheflektor und von 1992 bis zu seiner Pensionierung 1998 Geschäftsführer des Aufbau-Verlages. Er trug maßgeblich dazu bei, in der Nachwendezeit den Fortbestand des Aufbau-Verlag trotz verworrener Eigentumsverhältnisse zu sichern.
Erlers besondere Vorliebe galt dem Werk Theodor Fontanes. Anlässlich der Feiern zu Fontanes 150. Geburtstages 1969 in Potsdam lernte er Charlotte Jolles kennen. Er bewirkte den Druck ihrer Dissertation, der vor ihrer Promotion 1937 nicht möglich gewesen war, weil sie in der NS-Diktatur als „jüdisch versippt“ gebrandmarkt war.
Als Günter Grass seinen Roman Ein weites Feld schrieb, half Erler ihm als Gewährsmann für historische Detailtreue. Im Vierteljahrhundert seines Ruhestandes hielt Erler zahlreiche Vorträge, unter anderem über Heinrich Mann und Thomas Mann und über den Verleger Fritz Landshoff.
Gotthard Erler lebte seit 1956 in Berlin. Seine Ehefrau Therese unterstützte ihn bei zahlreichen Publikationen und Editionen. Im Juni 2026 starb Erler im Alter von 93 Jahren.
Gotthard Erler war der wichtigste Herausgeber von Werken von Theodor Fontane. Mit zahlreichen Textausgaben vermittelte er nicht nur der Forschung wichtige Impulse, sondern trug auch zur Verbreitung und Popularisierung von dessen Werk entscheidend bei. Das bedeutendste Projekt war die Große Brandenburger Ausgabe (GBA), die auf Erlers Initiative hin seit 1994 herausgegeben wird und auf 75 Bände angelegt ist. Erler selbst übernahm die Edition der Tagebücher und des Briefwechsels zwischen Theodor und Emilie Fontane. Dass Emilie Fontane anlässlich ihres 200. Geburtstages 2024 die gebührende Aufmerksamkeit erfuhr, ist auch Erlers Biografie zu verdanken.
Gotthard Erler gab außerdem einige kleine Anthologien mit Texten von Theodor Fontane zu bestimmten Themen wie Reisen, Essen und Trinken und Kindergeschichten heraus.
Werkausgaben
Anthologien
Biographie
1971 erhielt Gotthard Erler mit einem Kollektiv des Aufbau-Verlages vom Vorsitzenden des Staatsrats der DDR Walter Ulbricht den Nationalpreis für „beispielhafte verlegerisch-schöpferische Leistungen bei der Entwicklung und Herausgabe der sozialistischen deutschen Nationalliteratur unter Einbeziehung des progressiven humanistischen Erbes der deutschen Klassik“.
2014 wurde ihm für sein „langjähriges Engagement als Verleger im Aufbau-Verlag und als Literaturhistoriker“ von Bundespräsident Joachim Gauck das Verdienstkreuz am Bande (Bundesverdienstkreuz) verliehen. Dabei wurde besonders „sein auch persönlich großartiger Einsatz für die Edition und Herausgabe der Werke Fontanes“ hervorgehoben.
2019 erhielt er den von der Gesellschaft der Freunde und Förderer des Theodor-Fontane-Archivs e. V. und dem Theodor-Fontane-Archiv der Universität Potsdam verliehenen Fontane-Wissenschaftspreis für herausragende Verdienste um die Erforschung von Werk und Leben Theodor Fontanes.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Erler, Gotthard |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Literaturhistoriker und Verleger |
| GEBURTSDATUM | 20. Juni 1933 |
| GEBURTSORT | Meerane |
| STERBEDATUM | 23. Juni 2026 |
| STERBEORT | Berlin |