| Hochschulinstitut für internationale Studien und Entwicklung | |
|---|---|
| Gründung | 1927 |
| Trägerschaft | Privat |
| Ort | Genf |
| Kanton | Genf |
| Land | Schweiz |
| Direktorin | Marie-Laure Salles |
| Studierende | 1077 (2020) |
| Mitarbeiter | 83 (akademisch, 2020) |
| davon Professoren | 71 (2020) |
| Jahresetat | CHF 98 Mio. (2020) |
| Netzwerke | APSIA, Europaeum, EUA, ECUR, EADI, AUF |
| Website | www.graduateinstitute.ch |
Das Hochschulinstitut für internationale Studien und Entwicklung (französisch Institut de hautes études internationales et du développement, IHEID; englisch Graduate Institute of International and Development Studies, GIIS) ist eine Hochschule mit dem Rechtsstatus einer privaten Stiftung. Das IHEID ist die Nachfolgeinstitution des 1927 gegründeten Institut universitaire de hautes études internationales (IUHEI) und des 2008 angeschlossenen Institut universitaire d’études du développement (IUED) in Genf.
Das IHEID gilt als die älteste Einrichtung für internationale Studien in Kontinentaleuropa. Seine Gründer, der Westschweizer Diplomat William Rappard und der französische Wirtschaftshistoriker Paul Mantoux versuchten, den Elan des seit 1920 in Genf beheimateten Völkerbunds zu institutionalisieren und schufen die Grundlagen für die späteren Forschungs- und Lehrangebote. Der aufkommende Nationalsozialismus in Deutschland vertrieb hervorragende Forscher aus Deutschland, von denen einige in Genf aufgenommen wurden. Unter diesen befanden sich beispielsweise liberale Ökonomen wie Wilhelm Röpke und Ludwig von Mises. Neben diesen beiden verstärkten aber auch Guglielmo Ferrero, Hans Kelsen, Hans Wehberg und Walther Schücking den Lehrkörper der Schule.
1945 übernahm Jacques Fremond die Leitung der Schule und führte diese für 23 Jahre, in denen er ein Afrikainstitut aufbaute, aus dem sich der heutige Zweig der Entwicklungshilfe entwickelte. Auch dieser Umstand führt dazu, dass es kaum ein Institut gibt, dass stärker internationalisiert ist, als die IHEID.
Von 1977 bis 1995 befanden sich Teile der Bibliothek im Centre William Rappard.
900 Studenten aus mehr als 100 Ländern besuchen heute das renommierte Institut, das sich heute auf mehrere Gebäude in Genf verteilt. Neuer Hauptcampus ist seit Herbst 2013 das Maison de la paix („Haus des Friedens“), das auf einem Grundstück im Genfer Quartier der internationalen Organisationen erbaut wurde. Die Landesregierung stellte Bundesmittel für den Bau zur Verfügung.
Das „Haus des Friedens“ beherbergt, neben einem Grossteil des IHEID, auch die drei Genfer Zentren, die dem Eidgenössischen Departement des Innern und dem Eidgenössischen Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport unterstellt sind: das Genfer Zentrum für Sicherheitspolitik, das Zentrum für demokratische Kontrolle der Streitkräfte und das Internationale Zentrum für Humanitäre Minenräumung.
Einige der rund 60 Doktorierenden, die am Geneva Graduate Institute als Lehrassistierende beschäftigt sind, werfen der Hochschule vor, sie zu unterbezahlen und das schweizerische Arbeitsrecht zu umgehen. Im September 2022 passte die Verwaltung der Hochschule die Verträge der Lehrassistierenden an die Genfer Mindestlohnvorschriften an, indem sie den vertraglichen Beschäftigungsgrad senkte, das Arbeitspensum jedoch unverändert beließ. Die Studierenden geben an, in «prekären» Verhältnissen zu leben und dass ihre Vergütung «für ein Leben in Würde unzureichend» sei. Einige berichten, sich Medikamente nicht leisten zu können und auf Lebensmittelhilfen angewiesen zu sein. Genf zählt zu den teuersten Städten der Welt. Die Genfer Gewerkschaft Syndicat interprofessionnel de travailleuses et travailleurs (SIT) unterstützte die Studierenden bei einer erfolglosen Petition an den Grossen Rat des Kantons Genf. Dieser stimmte gegen ein Tätigwerden. Die SIT erklärte, die Teilzeitverträge von 2022 würden «die Prekarität der Assistierenden in keiner Weise lösen», und forderte eine stundenweise Vergütung der Arbeit, welche die Studierenden dem Verfassen ihrer Dissertation widmen. Marie-Laure Salles, die Direktorin der Hochschule, erklärte, eine solche Tätigkeit «stelle keine berufliche Tätigkeit dar, sondern eine persönliche Ausbildungsarbeit, die ausschließlich der doktorierenden Person obliege». Einige Studierende kritisierten ihren Umgang mit der Situation, insbesondere im Jahr 2022, als sie die Verhandlungen unterbrochen haben soll, weil die Beteiligung der SIT «das Vertrauen in die Gespräche verletzt» habe.
Im März 2026 forderte eine neue, von Studierenden unterzeichnete Petition erneut höhere Löhne für Lehrassistierende. Action Uni, ein Verband, der den akademischen Mittelbau an Schweizer Hochschulen vertritt, sprach sich unterstützend aus.
Am 5. Mai 2026 wurde die Frage im Kantonsparlament erneut aufgeworfen, mit der Bitte um Auskunft, wie die Genfer Regierung das anhaltende Problem am Institut zu lösen gedenke, insbesondere wie verhindert werden könne, dass die geringe Vergütung der Doktorierenden den Druck auf die Sozialdienste erhöhe. In seiner Antwort vom 17. Juni 2026 betonte der Staatsrat, dass das IHEID seit 2007 eine autonome Stiftung des Privatrechts sei, die für die Verwaltung ihres Personals selbst verantwortlich sei und ihr Doktoratsprogramm frei gestalten könne.
Bedenken hinsichtlich der Inklusion von Menschen mit Behinderung am Geneva Graduate Institute wurden in verschiedenen Quellen dokumentiert. Im Juni 2023 berichtete The Graduate Press, die unabhängige Studierendenzeitung des Instituts, über weitverbreitete bauliche Barrieren auf dem Campus Maison de la Paix, darunter das Fehlen automatischer Türöffner an schweren Flur- und Toilettentüren, ein unzureichendes und häufig außer Betrieb stehendes Aufzugssystem, Treppen ohne Rampen in den großen Hörsälen und in der Bibliothek, steile Gefälle in den Korridoren, die für Rollstuhlfahrende schwer zu bewältigen seien, sowie Raumaufteilungen in den Unterrichtsräumen, welche die Bewegungsfreiheit von Studierenden mit Mobilitätshilfen einschränkten. Der Artikel hielt fest, dass 2022 im Rahmen der Gender, Diversity and Inclusion Initiative des Instituts eine Disability Taskforce eingerichtet worden sei, um diese Probleme anzugehen, dass die Umsetzung ihrer Empfehlungen jedoch davon abhänge, ob die Institutsleitung die Barrierefreiheit zu einer finanziellen Priorität mache.
Im März 2026 berichtete die Schweizer Wochenzeitung WOZ Die Wochenzeitung über den Fall einer Forscherin am Geneva Graduate Institute mit einer schweren Sehbehinderung, die über zwei Jahre lang versucht hatte, grundlegende Anpassungen am Arbeitsplatz zu erhalten – darunter einen speziellen Bildschirm, einen geeignet platzierten Arbeitsplatz und eine schriftliche Unterstützungsvereinbarung –, wobei die Institution nur begrenzt reagierte. Die Forscherin, die zuvor an Universitäten in Deutschland und den Niederlanden tätig gewesen war, wo standardisierte Verfahren für solche Anpassungen bestanden, schilderte, sie sei auf institutionelle Unklarheit darüber gestoßen, ob der Arbeitgeber überhaupt eine Verantwortung trage. Letztlich beschaffte sie die benötigte Ausrüstung aus ihren eigenen Forschungsmitteln. Der Artikel kommt zu dem Schluss, dass dieser Mangel eine Lücke im schweizerischen Landesrecht widerspiegele: Obwohl die Schweiz ein internationales Übereinkommen zum Schutz der Rechte von Menschen mit Behinderung ratifiziert habe, verpflichte sie private Arbeitgeber nicht dazu, angemessene Vorkehrungen für Arbeitnehmende mit Behinderung zu treffen.