Gregory Baum

Gregory Baum OC, ursprünglich Gerhard Albert Baum (* 20. Juni 1923 in Berlin; † 18. Oktober 2017 in Montreal) war ein deutsch-kanadischer römisch-katholischer Theologe, Hochschullehrer und ehemaliges Mitglied des Augustinerordens.

Leben

Gregory Baum stammte aus einer deutschen Familie mit jüdischen Wurzeln. Beide Eltern waren konfessionslos (Dissidenten). Sein Vater Franz Siegfried Braun (1883–1924) war ein Ingenieur und Mitarbeiter von Fritz Haber. Er starb 1924 an den Spätfolgen einer Verwundung aus dem Ersten Weltkrieg. Seine Mutter Bettie, eine Krankenschwester, heiratete erneut; diese zweite Ehe hielt jedoch nicht lange. Sie starb 1942 im Israelitischen Krankenhaus in Berlin an Meningitis.

1939 emigrierte Gregory mittels eines Kindertransports zunächst nach England. Im Frühjahr 1940 wurde Baum wie alle enemy aliens in Großbritannien interniert. Nach kurzer Zeit auf der Isle of Man wurde er nach Kanada verschifft. 1942 kam er aus dem Internierungslager frei und konnte ein Studium der Mathematik und Physik an der McMaster University in Hamilton (Ontario) beginnen.

1946 trat Baum in die römisch-katholische Kirche und 1947 in den Augustinerorden ein. Im Orden erhielt er den Namen Gregory. 1954 wurde er zum Priester geweiht. Nachdem er 1978 die Augustiner verlassen hatte, heiratete er Shirley Flynn und lebte mit ihr bis zu ihrem Tod im Jahr 2007 zusammen. Die zivile Eheschließung ging seiner Laisierung voraus. Da er sich allerdings dem Ziel verschrieben hatte, „meine Sexualität auf unkonventionelle Weise zu erforschen“, nahm er bald eine Beziehung zu einem Mann auf, der ebenfalls laisierter Priester war.

Nach dem Zweiten Weltkrieg studierte er römisch-katholische Theologie, Mathematik und Physik an der McMaster University, an der Ohio State University und an der Universität Freiburg (Schweiz). Mit der Dissertation Christliche Einheit in päpstlichen Dokumenten des 20. Jahrhunderts wurde er 1956 promoviert. Seit 1959 lehrte er als Hochschullehrer für Katholische Theologie am St. Michael’s College an der University of Toronto sowie seit 1986 an der McGill University in Montreal. 1999 wurde er emeritiert.

1960 wurde er auf Anregung von Kardinal Bea zum Konzilsperitus ernannt und nahm am Zweiten Vatikanischen Konzil teil. Er gehörte der Unterkommission für den jüdischen Problemkreis des Päpstlichen Einheitssekretariats an, auf deren Vorarbeiten die Konzilserklärung Nostra Aetate zurückzuführen ist.

Von 1962 bis 2004 war er Mitherausgeber der Zeitschrift The Ecumenist. 1976 trat er aus dem Augustinerorden aus und legte sein Priesteramt nieder. 1977 heiratete er seine Freundin Shirley, eine ehemalige Ordensschwester.

1990 wurde Baum die Auszeichnung Officer des Order of Canada verliehen. 2016 erhielt er gemeinsam mit Francis Xavier D’Sa die Ehrendoktorwürde der Katholisch-Theologischen Fakultät der Eberhard Karls Universität Tübingen. Sie wurden dafür geehrt, dass sie „sich mit Beharrlichkeit für den interreligiösen und interkulturellen Dialog einsetzen“.

Gregory Baum starb am 18. Oktober 2017 im Alter von 94 Jahren.

Werke (Auswahl)

  • Vérité et pertinence : un regard sur la théologie catholique au Québec depuis la Révolution tranquille. 2014

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Gregory Baum: The Oil Has Not Run Dry: The Story of My Theological Pathway. McGill-Queen’s University Press, 2016, ISBN 9780773599963, S. XI
  2. ↑ Michael Swan: Canadian theologian Gregory Baum, participant in Vatican II, dies at 94. (Memento vom 21. Oktober 2017 im Internet Archive) In: Crux, 20. Oktober 2017, abgerufen am 22. Oktober 2017 (englisch).
  3. ↑ François Gloutnay: Le théologien Gregory Baum est décédé. In: Présence information religieuse, 18. Oktober 2017, abgerufen am 22. Oktober 2017 (französisch).
  4. ↑ Familiengeschichte nach Gregory Baum: The Oil Has Not Run Dry: The Story of My Theological Pathway. McGill-Queen’s University Press, 2016, ISBN 9780773599963, S. 13f
  5. ↑ Abschnitt: „Baum“, The Guardian, 19. Mai 2016
  6. ↑ Gregory Baum: The Oil Has Not Run Dry: The Story of My Theological Pathway. McGill-Queen’s University Press, 2016, ISBN 9780773599963, S. 13f
  7. ↑ Eine solche Freilassung, sei es zu einem Studium, sei es zum Dienst in bestimmten Bereichen der kanadischen Armee, genossen etliche dieser Personen, siehe generell Annette Puckhaber, Ein Privileg für wenige. Die deutschsprachige Emigration nach Kanada im Schatten des Nationalsozialismus. Lit, Münster 2002 Volltext
  8. 1 2 Werner Harenberg, Evenhuis: Wie mächtig ist der Papst? Spiegel-Gespräch mit dem Konzil-Peritus Pater Professor Dr. Gregory Baum. In: Der Spiegel. Nr. 47, 1963, S. 92–99 (online – 20. November 1963, ausführlicher Lebenslauf auf S. 95).
  9. 1 2 3 Norbert Mette: Kritisch – parteilich – kontextuell: der Theologe und Soziologe Gregory Baum. In: Feinschwarz, 1. Februar 2017, abgerufen am 22. Oktober 2017.
  10. ↑ Francis DeBernardo: Theologian's Autobiography Explains His Gay Journey. In: New Ways Ministry. 3. Mai 2017, archiviert vom Original am 7. März 2022; abgerufen am 7. März 2022 (englisch).
  11. ↑ Order of Canada: Gregory Baum, O.C., Th.D. Governor General of Canada, 6. Juli 2012, abgerufen am 22. Oktober 2017 (englisch).
  12. ↑ Ein Zeichen für Toleranz und Verständigung. Pressemitteilung, Universität Tübingen, 1. Dezember 2016, abgerufen am 21. Oktober 2017.
Personendaten
NAME Baum, Gregory
ALTERNATIVNAMEN Baum, Gerhard Albert (ursprünglicher Name)
KURZBESCHREIBUNG kanadischer römisch-katholischer Theologe und Autor
GEBURTSDATUM 20. Juni 1923
GEBURTSORT Berlin
STERBEDATUM 18. Oktober 2017
STERBEORT Montreal