Gretchen Bender

Gretchen Bender (* 1951 in Seaford, Delaware; † 2004 in New York) war eine US-amerikanische Medien- und Konzeptkünstlerin, die mit Druckgrafik, Fotografie, Video, Fernsehen und Skulptur arbeitete. Sie wird der Pictures Generation zugerechnet und befasste sich mit der Macht von Massenmedien, Technologie und Unternehmenskultur.

Leben

Bender wurde 1951 in Seaford, Delaware, geboren und schloss 1973 ein Studium an der University of North Carolina mit Schwerpunkt Druckgrafik ab. Anschließend arbeitete sie fünf Jahre lang in Washington, D.C., im aktivistischen Druckgrafik-Kollektiv P Street Paperworks, das sich für Frauen in der Kunst einsetzte. Im Jahr 1978 zog sie nach New York, wo sie ihre politische Kritik zunehmend auf die wachsende Präsenz und Macht der Massenmedien richtete. 1983 hatte sie ihre erste Galerieausstellung in Manhattan und schloss sich der East-Village-Galerie Nature Morte an; später stellte sie auch bei Metro Pictures aus. Neben ihrer freien Kunst arbeitete Bender für Populärmedien, inszenierte Musikvideos für Babes in Toyland und Martha Wash, schnitt Videos für R.E.M., New Order und Megadeth und gestaltete die Titelsequenz der Fernsehsendung America’s Most Wanted. 1997 erhielt sie den Anonymous Was A Woman Award. Bender starb 2004 im Alter von 53 Jahren in ihrem Haus in Manhattan an Krebs.

Wirken

Benders frühe Siebdruckserie The Pleasure is Back (1982) montierte Reproduktionen zeitgenössischer Kunst, Fernsehszenen, Werbung und andere vorgefundene Bilder so, dass sie den schnellen visuellen „Scan“ der Massenmedien nachahmten.

Ab 1982 verlagerte sie ihren Schwerpunkt auf das Fernsehen, das sie als besonders überwältigende visuelle Umgebung behandelte. In der Werkgruppe TV Text & Image (1986–1997) versah sie Monitore mit schwarzer Vinylschrift, während darauf laufendes Fernsehprogramm zu sehen war, wodurch Begriffe wie „People with AIDS“ mit dem wechselnden Nachrichten- und Unterhaltungsstrom kollidierten. Ihre mehrkanaligen Installationen bezeichnete sie als „electronic theater“ und zielte damit auf eine körperlich überwältigende Erfahrung des medialen Bilderstroms.

Das Hauptwerk Total Recall (1987) kombiniert 24 Fernsehmonitore und drei Projektionsflächen mit Werbung, Kriegsbildern, Senderkennungen, Filmfragmenten und Computeranimation zu einer 18-minütigen Bildchoreografie mit elektronischer Musik von Stuart Argabright. Bereits Dumping Core (1984) montierte auf 13 Monitoren Aufnahmen des Bürgerkriegs in El Salvador mit Logos von Konzernen und Fernsehsendern wie AT&T, CBS und NBC. Benders Arbeiten betrachteten damit, wie Bilder von Gewalt, Macht und Warenästhetik im massenmedialen Strom zirkulieren und dabei politische Wahrnehmung sowie Empathie beeinflussen. Für People in Pain (1988) übertrug sie 90 damals noch in Produktion befindliche Filmtitel aus Branchenzeitschriften auf eine lange schwarze Vinylfläche und hinterleuchtete die Schrift; das verlorene Werk wurde 2014 für die Whitney Biennale rekonstruiert. Total Recall nahm Beschleunigung, Bildschirmkultur und den Kampf um Aufmerksamkeit vorweg. Im Jahr 2015 wurde die restaurierte Installation im Schinkel Pavillon erstmals in Deutschland gezeigt.

Die Retrospektive So Much Deathless präsentierte 2019 in New York Videos, Siebdrucke, Fotografien, Skulpturen und multimediale Kooperationen und war Benders erste postume Retrospektive.

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 5 6 7 Gretchen Bender. In: americanart.si.edu. Abgerufen am 17. August 2026 (englisch).
  2. 1 2 3 Gretchen Bender Anticipated Our Banal Media Consumption. In: frieze.com. 18. Juli 2024, abgerufen am 17. August 2026 (englisch).
  3. 1 2 3 4 Gretchen Bender, 53; Artist Worked in Photography, Film. In: latimes.com. 25. Dezember 2004, abgerufen am 17. August 2026 (englisch).
  4. 1 2 3 4 Disinformation and the Death Star: The Legacy of Gretchen Bender. In: hyperallergic.com. 12. Juli 2019, abgerufen am 17. August 2026 (englisch).
  5. ↑ Recipients to Date. In: anonymouswasawoman.org. Abgerufen am 17. August 2026 (englisch).
  6. 1 2 3 4 Gretchen Bender’s ‘Visual Worlds at the Century’s End’. In: frieze.com. 26. März 2019, abgerufen am 17. August 2026 (englisch).
  7. 1 2 Glasgow International: screens lure eyeballs but it’s the sculptures that thrill – review. In: theguardian.com. 11. Juni 2021, abgerufen am 17. August 2026 (englisch).
  8. ↑ Flüchtiger als Kino. In: monopol-magazin.de. 27. Mai 2015, abgerufen am 17. August 2026.
Personendaten
NAME Bender, Gretchen
KURZBESCHREIBUNG US-amerikanische Medien- und Konzeptkünstlerin
GEBURTSDATUM 1951
GEBURTSORT Seaford, Delaware
STERBEDATUM 2004
STERBEORT New York