Grete Jalk

Grete Juel Jalk (* 18. Juni 1920 in Kopenhagen; † 14. Januar 2006 in Skodsborg) war eine dänische Möbeldesignerin, Autorin und Mitherausgeberin der dänischen Zeitschrift Mobilia. Sie gehörte zu den Vertreterinnen des Danish Modern und wurde insbesondere mit ihren experimentellen Entwürfen aus Formsperrholz bekannt.

Leben

Grete Jalk war die Tochter des Börsenmaklers Axel Julius Jalk (1891–1945) und Ingrid Karla Tuxen Hansen (1886–1985).

Nach dem neusprachlichen Abitur 1939 begann sie an der Universität Kopenhagen ein Philosophie- und Jura-Studium, verließ die Universität jedoch wieder und besuchte 1940 bis 1941 die Tegne- og Kunstindustriskolen for Kvinder (deutsch Zeichen- und Kunstgewerbeschule für Frauen). Von 1941 bis 1943 absolvierte sie bei der Tischlermeisterin Karen Margrethe Conradsen eine Tischlerlehre und wechselte anschließend an die Möbelschule der Kunstgewerbeschule, die sie 1946 abschloss. Im letzten Ausbildungsjahr studierte sie ergänzend bei Kaare Klint an der Möbelschule der Königlich Dänischen Kunstakademie.

Jalk gewann 1946 den ersten Preis in dem jährlichen Wettbewerb der Kopenhagener Tischlerinnung. 1947 entwarf Jalk eine Reihe von Möbelstücken für das self supporting woman’s den, die „Junggesellinenbude“ der sich selbst versorgenden, unabhängigen modernen Frau, mit einem Sofabett, an der Wand befestigtem Stauraum sowie einem Schreibtisch, deren Kombination als Schlaf- und Arbeitszimmer für berufstätige Frauen konzipiert war.

Jalk nahm an den jährlichen Wettbewerben des Designmuseum Danmark und der Möbelabteilung der Kopenhagener Designschule teil, wo sie auch von 1950 bis 1960 lehrte. 1953 eröffnete Jalk ihr eigenes Designstudio. Inspiriert von den laminierten und gebogenen Sperrholzmodellen Alvar Aaltos und Charles Eames’ entwarf sie ihre eigenen geschwungenen Möbelstücke. Obwohl diese für Ausstellungen und Sammlungen gefragt waren, entwickelte sich das allgemeine Interesse an ihren unkonventionellen Modellen nur langsam. 1955 begann ihre Zusammenarbeit mit dem Möbelfabrikanten Poul Jeppesen, dem sie bereits damals Modelle mit kühn geschwungenen laminierten Formen zeigte; zunächst entstanden jedoch sieben Jahre lang konventionellere Möbel, bevor die experimentellen Laminatentwürfe umgesetzt wurden.

Jalk verfolgte das Ziel, einer breiten Bevölkerung qualitativ hochwertige Möbel anbieten zu können, und richtete ihre Entwürfe dabei gezielt auf industrielle Produktionsverfahren aus. Trotz ihrer eigenen handwerklichen Ausbildung befürwortete sie den Einsatz maschineller Fertigung, um eine gleichbleibend hohe Qualität zu erreichen, und nahm damit innerhalb des dänischen Möbeldesigns eine Position ein, die sich von der stärker handwerklich geprägten Haltung etwa Kaare Klints oder Finn Juhls unterschied. Ihre Möbel waren entsprechend auf eine einfache, zeit- und materialsparende Fertigung ausgelegt.

Im Jahr 1963 rief die englische Zeitung Daily Mirror gemeinsam mit dem britischen Möbelherstellerverband zu einem Wettbewerb für den Entwurf eines Sitzmöbels für Männer und eines für Frauen auf. Jalk erhielt hier erste internationale Anerkennung, als sie mit ihrem an Origami erinnernden He Chair und She Chair aus Formsperrholz den ersten Preis gewann. Die beiden Sessel bestanden jeweils aus einer einteiligen laminierten Konstruktion aus neun miteinander verleimten Furnierschichten. Der Möbelfabrikant Poul Jeppesen hatte hiervon einige Prototypen angefertigt, jedoch musste das Projekt beendet werden, als diese in einem Feuer verloren gingen. Das Museum of Modern Art in New York erwarb den She Chair für seine Sammlung.

Im selben Jahr entwarf Jalk den später als GJ Chair oder Bow Chair bekannt gewordenen Schalenstuhl aus gebogenem Sperrholz. Mit seinem technisch anspruchsvollen organischen Aufbau gewann der Entwurf 1963 einen Wettbewerb der britischen Zeitung Daily Mail und trug zu Jalks internationaler Bekanntheit bei. Wegen der aufwendigen Herstellung entstanden ursprünglich lediglich rund 300 Exemplare; erst etwa vier Jahrzehnte später wurde der Stuhl erneut in Produktion genommen. Exemplare befinden sich unter anderem im Designmuseum Danmark und im Museum of Modern Art. In der 2014 erschienenen Publikation 101 danske designikoner, die 101 überwiegend massenproduzierte Beispiele dänischen Designs vorstellt, zählt Jalks Stuhl von 1963 zu lediglich zwölf Werken, die von namentlich genannten Frauen entworfen wurden; in der chronologisch angeordneten Auswahl ist er erst das zweite Werk einer Frau.

Neben diesen experimentellen Arbeiten formgestaltete Jalk viele einfache Möbel für verschiedene Hersteller, darunter ein Stehpult und einen Hocker, eine Reihe von Regalen aus Oregon-Kiefer und eine Reihe von Stühlen mit gepolsterten Sitzen und Rückenlehnen auf einem gebogenen Stahlgestell. Ihre industriell gefertigten Möbel hatten angenehm klare Linien. Die Stücke eigneten sich besonders für schnelle unkomplizierte Produktionsabläufe, zudem machte sie sparsamer Materialeinsatz erschwinglich. Einige ihrer Produktlinien wurden von Manufakturen in den Vereinigten Staaten und in Finnland hergestellt. Durch die internationale Verbreitung dieser Möbel trug Jalk zum Ansehen des dänischen Möbeldesigns im Ausland bei.

Für den modernen Haushalt des Mid-century modern entwarf sie 1961 ein Wandsystem, 1962 ein Wohnzimmer mit Couchtisch sowie 1963 das Phonomöbel Watch and Listen. Mit Poul Jeppesen setzte sie zahlreiche Möbeldesigns um, darunter Sperrholzmöbel wie einen Beistellstuhl von 1962. Für den Möbelhersteller Fritz Hansen entwarf sie 1964 unter anderem den Stahlrohrsessel Easy Chair. Sie formgestaltete zudem Tapeten und Stoffmuster, etwa für Unika Væv, sowie Silberwaren für die Firma Georg Jensen.

Ausstellungen, auf denen Jalk ihre Arbeiten präsentierte, waren unter anderem Triennale di Milano (Mailand 1951); Vijftig jaar zitten (Stedelijk Museum, Amsterdam 1966); Two centuries of Danish Design (London 1968); Frauen im Design (Design Center Stuttgart 1989 und Berlin 1990) sowie Plywood: Material, Process, Form (2011–2013) und Designing Modern Women 1890–1990 (2013–2014), beide im Museum of Modern Art, New York.

Daneben betätigte sich Jalk als Ausstellungsarchitektin und vermittelte dänisches Design im Ausland. Eine von ihr 1974 für das dänische Außenministerium konzipierte Wanderausstellung wurde in mehr als 25 Städten außerhalb Dänemarks gezeigt; für die Präsentation entwickelte sie ein modulares System, bei dem weiße Wellpappkisten nach dem Transport der Exponate etwa als Podeste und Wandelemente weiterverwendet werden konnten. Zu ihren weiteren Ausstellungsprojekten gehörten Designs by Danish Women im Bella Center anlässlich der Weltfrauenkonferenz der Vereinten Nationen (1980), Wanderausstellungen über die Weberinnen Hanne Vedel und Vibeke Lind sowie eine Ausstellung über die Bildweberin Franka Rasmussen im Kopenhagener Gammel Dok (1987).

Jalk war von 1956 bis 1962 mit Gunnar Bratvold und nach dessen Tod erneut von 1968 bis 1974 Mitherausgeberin der Designzeitschrift Mobilia, die sich mit Möbeln, Kunsthandwerk und moderner Wohnkultur beschäftigte. Gemeinsam mit Eskild Pontoppidan veröffentlichte sie 1976 das Buch Om produktudvikling. Sie widmete sich zehn Jahre lang der Erstellung einer umfassenden, vierbändigen Veröffentlichung mit dem Titel Dansk møbelkunst gennem 40 år. Københavns Snedkerlaugs møbeludstillinger (40 Jahre dänisches Möbeldesign. Möbelausstellungen der Kopenhagener Tischlerinnung), die 1987 erschien. Das vierbändige Werk über die Ausstellungen der Kopenhagener Tischlerinnung gilt als ein Hauptwerk der dänischen Designgeschichtsschreibung.

Von 1981 bis 1983 gehörte Jalk dem Vorstand des Dansk Designråd (Dänischer Rat für Formgebung) an; zudem war sie 1977 sowie von 1979 bis 1987 Mitglied der Jury für den ID-prisen. 1990 wurde ihr die lebenslange Zuwendung des Statens Kunstfond (Staatlicher Kunstfonds) zugesprochen.

Nach Jalks Tod 2006 schuf die Kopenhagener Königliche Akademie der Schönen Künste (dänisch Det Kongelige Akademi for de Skønne Kunster) das Grete-Jalk-Legatet, ein Stipendium für vielversprechende Studenten des Möbeldesigns.

Möbeldesign (Auswahl)

Siehe auch

Literatur

Commons: Grete Jalk – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 Nina Bøgelund Schlünzen; Lily Kim Nguyen; Asbjørn Vind Stærke; Toke Riis Ebbesen: Grete Jalk. In: Lex. 3. September 2025, abgerufen am 22. August 2026 (dänisch).
  2. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 Søren Sass: Grete Jalk. In: Dansk Kvindebiografisk Leksikon. Abgerufen am 22. August 2026 (dänisch).
  3. ↑ Grete Jalk: A short biography. In: forestlondon.com vom 26. Mai 2015.
  4. 1 2 3 Great Danish Designers 101: Grete Jalk. vintagehomeboutique.ca vom 9. November 2016
  5. 1 2 3 Grete Jalk (1920–2006) In: retroobsessions.com vom 29. Dezember 2013.
  6. ↑ Kasper Iversen: Fagbog udpeger 101 danske designikoner. Kun 12 af værkerne er skabt af kvinder. In: Politiken. Abgerufen am 22. August 2026 (dänisch).
  7. ↑ Grete Jalk. Denmark. In: pamono.ca.
  8. ↑ Johnathan Woodham: A Dictionary of Modern Design. Oxford University Press, 2004. Eintrag Jalk, Grete.
  9. ↑ Grete Jalk. Danish, 1920–2006. In: Museum of Modern Art.
  10. ↑ Møbelstuderende løb med Grete Jalk legatet 2014. In: Königliche Akademie der Schönen Künste.
  11. 1 2 Moderne Klassiker. Möbel, die Geschichte machen, Gruner + Jahr, 18. Auflage, Hamburg, 1996, ISBN 3-570-01367-7
Personendaten
NAME Jalk, Grete
ALTERNATIVNAMEN Jalk, Grete Juel (Geburtsname); GJ
KURZBESCHREIBUNG dänische Möbeldesignerin, Autorin und Herausgeberin
GEBURTSDATUM 18. Juni 1920
GEBURTSORT Kopenhagen
STERBEDATUM 14. Januar 2006
STERBEORT Skodsborg