Rzeczyca Wielka

Rzeczyca Wielka
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Rzeczyca Wielka (Polen)
Rzeczyca Wielka (Polen)
Rzeczyca Wielka
Basisdaten
Staat: Polen Polen
Woiwodschaft: Westpommern
Powiat: Koszalin
Gmina: Polanów
Geographische Lage: 54° 7′ N, 16° 45′ OKoordinaten: 54° 7′ 0″ N, 16° 45′ 0″ O
Einwohner: 300
Telefonvorwahl: (+48) 94
Kfz-Kennzeichen: ZKO
Wirtschaft und Verkehr
Straße: Woiwodschaftsstraße 206: Koszalin – Polanów ↔ Miastko
Eisenbahn: PKP-Linie 405: Bahnstrecke Piła–Ustka
Bahnstation: Przytocko
Nächster int. Flughafen: Stettin-Goleniów

Rzeczyca Wielka (deutsch Reetz, bis 1928 Groß Reetz) ist ein Dorf direkt an der Ostgrenze der polnischen Woiwodschaft Westpommern und gehört zur Stadt- und Landgemeinde Polanów (Pollnow) im Powiat Koszaliński (Kreis Köslin).

Geographische Lage

Rzeczyca liegt 19 Kilometer nordöstlich der früheren Kreisstadt Miastko (Rummelsburg) und 40 Kilometer östlich der heutigen Kreismetropole Koszalin (Köslin) an der Woiwodschaftsstraße 206, die von Koszalin über Polanów nach Miastko führt. Bahnanschluss besteht über die sechs Kilometer entfernte Bahnstation Przytocko (Pritzig) an der Bahnstrecke Piła–Ustka (Schneidemühl-Stolpmünde). Zwischen 1903 und 1945 war Rzeczyca Wielka selbst Bahnstation an der Reichsbahn-Strecke von Gramenz nach Zollbrück.

Ortsname

Der Ort Reetz (der Name kommt in Deutschland mehrfach vor) wurde vor 1928 zur Unterscheidung von dem nur zwei Kilometer entfernt gelegenen Ort Klein Reetz (heute polnisch: Rzeczyca Mała) mit dem Zusatz „Groß“ Reetz benannt. Die polnische Namensgebung greift diese Unterscheidung wieder auf.

Geschichte

Groß Reetz gilt als eine Siedlung in der großen Landnahme des 16. Jahrhunderts. 1717 waren hier vier Kossäten verzeichnet, erst im 18. Jahrhundert erscheinen auch Bauern. Anfang des 19. Jahrhunderts wurden die Vorwerke Karlshof und Amalienhof (später auch „Steinberg“ genannt) angelegt. Ab spätestens 1839 bestand die Walkmühle, die später ein beliebtes Ausflugsziel wurde und ab 1942 unter Denkmalschutz stand (heute wüst).

Erster Besitzer von Groß Reetz war Peter von Lettow auf Pritzig (Przytocko). Der Besitz wurde später häufig in der Familie geteilt, Teile kamen auch durch Verkauf und Verpachtung in den Besitz von Angehörigen der Familie von Glasenapp bzw. derer von Below. Später bildete sich genealogisch eine eigenen Familien Linie von Lettow-Groß Reetz heraus, die die Begüterung von Generation zu Generation vererbte.

Ab 1796 war Oberst Karl Ernst von Lettow alleiniger Besitzer von Groß Reetz. Die Umwandlung von Rittergutsbesitz in Eigentum der Familien erfolgte in den preußischen Provinzen zumeist Anfang des 18. Jahrhunderts. Bis 1914 war der General Hermann von Lettow Eigentümer der 1190 ha des Rittergutes Groß Reetz mit den Vorwerken Alt- und Neu-Karlshof sowie Steinberg. Ihm folgte seine Witwe, Frau General Hildegard von Lettow geb. von Selchow. Dessen Schwager wurde der General Julius von Groß gen. von Schwarzhoff, verheiratet mit Bertha von Lettow-Groß Reetz. Als Administrator auf Gut Groß Reetz stand Hr. Porrmann zur Seite. Nacherben wurde der Sohn, der kgl. preuß. Kammerherr und Hofmarschall des Prinzen Eitel Friedrich von Preußen, Klaus von Lettow (1870–1932). Ihm folgte dann wiederum sein Sohn Gert von Lettow-Reetz (* 1913 in Potsdam), zunächst als Verwalter für seine Mutter, Adda geb. Gräfin Finck von Finckenstein (1881–1965), dann als Gutsherr. Auch die 1909 in Potsdam geborene Lita von Lettow-Reetz war mit einem ehemals Königlichen Haus verbunden, den Wettinern, den Markgrafen von Meißen, denn ihr Ehemann Richard von Samson-Himmelstjerna (1903–1981) war Güterdirektor auf Schloss und Gut Sybillenort in Schlesien. Das Rittergut Reetz blieb Mittelpunkt der Familie bis zur Enteignung 1945. Die Nachfahren leben u. a. in Niedersachsen.

Politische Historie

Im Jahre 1812 zählte Groß Reetz 134 Einwohner. Ihre Zahl stieg bis 1843 auf 253, betrug 1885 und 1925 noch 225, stieg bis 1933 auf 330 und sank bis 1939 auf 275.

Bis 1945 gehörte die Gemeinde Reetz zum Landkreis Rummelsburg der preußischen Provinz Pommern. Die Gemeinde bestand aus den Wohnplätzen Bahnhof Groß Reetz, Chausseehaus, Forth, Groß Reetz, Karlshof, Klein Reetz, Lattenkathen und Walkmühle.

Nach 1945 wurde es unter der Bezeichnung Rzeczyca Wielka ein Teil der Gmina Polanów im Powiat Koszaliński in der Woiwodschaft Westpommern (1975 bis 1998 Woiwodschaft Köslin). Der Ort zählt jetzt 300 Einwohner.

Kirche

Vor 1945 war der größte Teil der Bevölkerung von Reetz evangelischer Konfession. Im Dorf selbst gab es damals kein Gotteshaus. Die Dorfbewohner waren in das Kirchspiel Pritzig (heute polnisch: Przytocko) eingepfarrt, das 1940 insgesamt 1186 Gemeindeglieder zählte. Es lag im Kirchenkreis Rummelsburg (Miastko) im Ostsprengel der Kirchenprovinz Pommern der Kirche der Altpreußischen Union. Letzter deutscher Geistlicher war Superintendent Friedrich Dittmar.

Seit 1945 ist die Einwohnerschaft von Rzeczyca Wielka fast ausnahmslos katholisch. Im Dorf wurde 1998 eine Kirche gebaut, die auf den Namen „Barmherzigkeit Gottes“ geweiht ist. Sie ist Filialkirche in der Pfarrei Polanów (Pollnow) im Dekanat Polanów im Bistum Köslin-Kolberg der Katholischen Kirche in Polen. Hier lebende evangelische Kirchenglieder sind in die Kreuzkirchengemeinde in Słupsk (Stolp) eingepfarrt, die zur Diözese Pommern-Großpolen der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen gehört. Die nächstgelegene Filialkirche ist die Dorfkirche in Wołcza Wielka (Groß Volz).

Schule

Um 1730 wurde in Groß Reetz ein Schulmeister bestellt, auch wenn noch keine Wohnung vorhanden war. Lange Zeit mussten die Stelleninhaber bei Bauern wohnen, weshalb die Stellenbesetzung auch äußerst schwierig war. Von 1796 bis 1828 war Christoph Eggert Schulhalter, 1927 wurde ein neues Schulhaus errichtet, in dem 1937 ein Lehrer 41 Schulkinder unterrichtete.

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter des Ortes

Mit dem Ort verbunden

Literatur

Fußnoten

  1. ↑ E. von Glasenapp: Vollständige Genealogie des althinterpommerschen Geschlechts der Erb-, Burg- und Schlossgessenen von Glasenapp. Band 2, Vossische Buchhandlung (Strikker-Rudolf Stricker), Berlin 1897, S. 226.
  2. ↑ Vgl. Geschichte der Familie von Wrangel vom Jahre Zwölfhundertfünfzig bis auf die Gegenwart. Nach Urkunden und Tagebüchern bearbeitet. Band 2 (Zweite Hälfte), Wilhelm Baensch Verlagshandlung, Berlin / Dresden 1887, S. 936.
  3. ↑ Marcelli Janecki (Red. zug.). Jahrbuch des Deutschen Adels. Band 2, Hrsg. Deutsche Adelsgenossenschaft (D.A.G.), Vaterländische Verlagsanstalt-W. T. Bruer, Berlin 1898, S. 451 f.
  4. ↑ Ernst Seyfert: Güter-Adreßbuch für die Provinz Pommern 1914. Verzeichnis. Handbuch der Königlichen Behörden. 4. Auflage, In: Niekammer’s Landwirtschaftliche Güter-Adreßbücher. Band I, Reichenbach’sche Verlagsbuchhandlung, Leipzig 1914, S. 180 f.
  5. ↑ Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Derin Deutschland eingeborene Adel (Uradel). 1900. Erster Jahrgang, Justus Perthes, Gotha Januar 1900, S. 561.
  6. ↑ Ernst Seyfert: Güter-Adreßbuch für die Provinz Pommern 1914. Verzeichnis. Handbuch der Königlichen Behörden. 4. Auflage, In: Niekammer’s Landwirtschaftliche Güter-Adreßbücher. Band I, Reichenbach’sche Verlagsbuchhandlung, Leipzig 1914, S. 296.
  7. ↑ Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Zugleich Adelsmatrikel der D.A.G. Teil A (Uradel). 1941. Vierzigster Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1940, S. 270–271.
  8. ↑ Hans Friedrich von Ehrenkrook, Walter von Hueck, u. a.: Genealogisches Handbuch der Adeligen Häuser. A (Uradel). 1960. Band IV, Band 22 der Gesamtreihe GHdA. Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke Verlag, Limburg (Lahn) 1960, ISSN 0435-2408, S. 468–469.
  9. ↑ Vgl. Walter von Hueck, u. a.: Genealogisches Handbuch der Adeligen Häuser. A (Uradel). 1988. Band XX, Band 93 der Gesamtreihe GHdA. Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke Verlag, Limburg (Lahn) 1988, ISSN 0435-2408, S. 238–239.
  10. ↑ Gemeinde Reetz im Informationssystem Pommern.