Gartenstadtsiedlung Großmutter

Häuser auf der Großmutterleite (Fotografie von Wilhelm Walther zwischen 1932 und 1935)

Die Gartenstadtsiedlung Großmutter, auch Großmutterleite, ist eine denkmalgeschützte Gartenstadtsiedlung in der Parkvorstadt im Nordosten von Weimar.

Lage

Die nördliche Begrenzung der Siedlung bildet die Tiefurter Allee, die südliche und westliche die Jenaer Straße, die zugleich Teil der Bundesstraße 7 ist. Östlich an der Großmutterleite vorbei führt die Bahnstrecke Weimar–Gera über das Ilmviadukt, das als technisches Denkmal eingestuft ist.

In der Nähe befindet sich die Altenburg, wo Franz Liszt seinen Wohnsitz hatte. Das östlich benachbarte Waldgebiet, das Webicht, reicht bis nach Tiefurt. Weitere Anhöhen in der Nachbarschaft sind das Horn, an dessen Fuß im Park an der Ilm Goethes Gartenhaus steht, und der „Lindenberg“.

Geschichte

Blick über den Flugplatz Weimar-Lindenberg auf die Parkvorstadt mit dem noch unbebauten Gelände der Gartenstadtsiedlung (grüne Markierung) im Jahr 1919

Die Bezeichnung Großmutter ist einer Verwandtschaftsbeziehung zu einer Person entlehnt, die 1727 starb und auf dortige Grundstücke übertragen wurde. Seit 1742 ist diese Flurbezeichnung nachweisbar. Das Areal der Siedlung war noch Anfang des 19. Jahrhunderts Ackerland, wie einem Plan der Stadt Weimar von Johann Valentin Blaufuß von 1824 zu entnehmen ist. Bevor dieses Gebiet bebaut wurde, befand sich auf einer Teilfläche die Spielstätte des Fußballvereins BC Vimaria 1910 Weimar.

Weimar wurde am 1. Mai 1920 Hauptstadt des neu gegründeten Landes Thüringen. Dies führte zum Zuzug zahlreicher Bediensteter des neu gegründeten Landes. Um den Bedarf an Wohnraum für die zugezogenen Beamten zu decken, wurde ab 1924 im Auftrag des Gemeinnützigen Beamtenbauvereins die Gartenstadtsiedlung Großmutter auf dem als Großmutterliete bekannten Areal als Eigentumssiedlung für Beamte errichtet. Die Verantwortung trug hauptsächlich der Architekt Ernst Flemming, weitere Architekten waren Julius Müller und Johannes Otto Berger. Flemming orientierte sich bei dem Projekt im Wesentlichen am Heimatschutzstil und am Konzept einer Gartenstadt nach Ebenezer Howard, welches er aber nur teilweise umsetzen konnte. Ursprünglich waren überwiegend Reihenhäuser vorgesehen, dies wurde aber aufgrund von Einwänden der künftigen Bewohner zu weiten Teilen verworfen.

Die Gartenstadtsiedlung Großmutter steht seit 1996 als Denkmalensemble auf der Liste der Kulturdenkmale in Weimar. Zum Ensemble zählen die Gebäude der Jenaer Straße mit den ungeraden Hausnummern 11 bis 53, der Krausweg, der Hellerweg und der Martin-Klauer-Weg komplett; die Gebäude der Tiefurter Allee mit geraden Hausnummern 10 bis 44, die Gebäude Webichtallee 1–8, 12–18, Großmutterleite 1–5, 5a, 5b, 6–25, 25a, 26–39 sowie der Zelterweg komplett. Der Schutzstatus wurde 2021 erweitert.

2022 schrieb die Stadt Weimar ein denkmalpflegerisches Rahmenkonzept aus.

Sonstiges

In der Mitte der Siedlung befindet sich ein Kinderspielplatz.

Ein Weg in der Siedlung trägt seit 1991 den historischen Flurnamen Großmutterleite.

Commons: Gartenstadtsiedlung Großmutter – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Denkmalliste der kreisfreien Stadt Weimar. (PDF; 130 kB) Archiviert vom Original; abgerufen am 1. Juni 2022.
  2. ↑ Günther Hänse: Deutsch-Slawische Forschungen zur Namenkunde und Siedlungsgeschichte. Ausgabe 24. Akademie-Verlag, 1970, S. 62 (google.de [abgerufen am 1. Juni 2022]).
  3. ↑ Johann Valentin Blaufuß: Stadtplan von Weimar, 1:4000, Kupferstich, 1824. 1824, abgerufen am 1. Juni 2022.
  4. ↑ Ein vergessener Sportplatz. 16. Juli 2021, abgerufen am 1. Juni 2022.
  5. 1 2 Gartenstadtsiedlung Weimar - Historische Erfassung, Bauhaus-Universität Weimar, abgerufen am 8. Februar 2026
  6. ↑ Annette Bona: Stadtmarketing als Instrument zur Revitalisierung der ostdeutschen Städte: Das Beispiel Weimar. diplom.de, 1997, ISBN 978-3-8324-0707-0, S. 44 (google.de [abgerufen am 1. Juni 2022]).
  7. ↑ Rainer Müller: Kulturdenkmale in Thüringen: Stadt Weimar, Bd. 4.2.: Stadterweiterung und Ortsteile, E. Reinhold Verlag, Erfurt 2009, S. 602 ff.
  8. ↑ Weimar - Gartenstadtsiedlung, Bauhaus-Universität Weimar, aufgerufen am 8. Februar 2026
  9. ↑ Denkmalliste Thüringen (Suchmaske)
  10. ↑ Susanne Seide: Mehr Schutz für die Weimarer Großmutter , Thüringer Allgemeine/Weimarer Allgemeine, 23.08.2021
  11. ↑ Gartenstadtsiedlung Großmutter erhält denkmalpflegerisches Rahmenkonzept, Stadt Weimar, 12. Juli 2022
  12. ↑ Ralph Anthes: Spielplatz Großmutterleite in Weimar. Abgerufen am 1. Juni 2022.
  13. ↑ Weimar - Straßen-, Platz- und Flurnamen damals und heute, Rainer Wagner, GLAUX Verlag Christine Jäger KG, Jena 1996

Koordinaten: 50° 58′ 54,5″ N, 11° 20′ 29,9″ O