Grundsteinlegung

Sogenannter Grundstein der Michaeliskirche in Hildesheim aus dem Jahr, datiert MX (1010)

Die Grundsteinlegung ist im Bauwesen eine Zeremonie um einen symbolischen Grundstein. Dieser erste Stein eines neuen Bauwerks, der oft in feierlicher Form mit Beigabe von Urkunden und Münzen bei Baubeginn gelegt wird, kann im Fundament vermauert oder sichtbar (manchmal als Eckstein) angeordnet sein.

Brauch und Begriff

Der Brauch der Grundsteinlegung ist seit jeher weltweit anzutreffen. In der Bibel wird in Psalm 118, Vers 22 ein „Eckstein“ erwähnt (Ps 118,22 EU). Der deutsche Begriff Grundstein ist allerdings nicht vor dem 14. Jahrhundert belegt.

Die Grundsteinlegung fällt nicht mit dem tatsächlichen Baubeginn – in den meisten Fällen dem Anfang der Erdarbeiten, das heißt des Aushubs der Baugrube – zusammen, der oft mit einer anderen Zeremonie begangen wird: dem Spatenstich oder Ersten Spatenstich.

In übertragenem Sinn wird „Grundstein“ gern gebraucht, um etwas Grundlegendes und Unverzichtbares für einen anderen Sachverhalt hervorzuheben.

Verwendung, Zeitkapsel

Die Grundsteinlegung wurde und wird insbesondere bei Kirchen und öffentlichen oder halböffentlichen Bauten (wie Rathäusern oder Verwaltungsgebäuden) gefeiert. Dabei kommt noch heute meist ein besonders kunstvoll gearbeiteter Grundsteinhammer zur Anwendung, mit dem „nach altem Brauch“ (Mothes 1882) von Bauherr, Architekt, Meister und Polier zu laut vorgetragenen Weihe- oder Segenssprüchen jeweils drei symbolische Schläge auf den Grundstein ausgeführt werden.

Grundsteine werden meist im Bereich des Fundaments oder des Gebäudesockels unsichtbar eingemauert, sodass sie erst bei einer Zerstörung des Gebäudes wieder zugänglich werden. Seit dem 20. Jahrhundert allerdings werden vielfach sichtbar beschriftete Grundsteinplatten ins Mauerwerk eingesetzt.

Hinter der Grundsteinplatte oder im hohlen Grundstein sind häufig sogenannte Zeitkapseln verborgen. Es handelt sich heute meist um ein verlötetes Blechgefäß, das eine Urkunde mit Angaben zum Bauprojekt, Zeitzeugnisse wie aktuelle Tageszeitungen und Geldmünzen sowie eventuell andere symbolische Gegenstände enthalten kann. Der Behälter konnte noch im 19. Jahrhundert auch aus einem Glasgefäß in einer Bleikapsel bestehen.

Beispiele aus der Geschichte

Siehe auch

Literatur

Commons: Grundstein – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Grundstein – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. ↑ Der Grundstein wurde 1908 bei der Neufundamentierung des südwestlichen Querhausarms gefunden und ist zur Anschauung heute darüber in der Mauer eingelassen. Vgl. Hildesheim, St. Michaelis, auf kirchengemeindelexikon.de, abgerufen am 13. August 2024.
  2. 1 2 Christine Wulf: Nr. 6, St. Michaelis, 1010. In: Deutsche Inschriften Online, Inschriftenkatalog: Stadt Hildesheim (DI 58: Stadt Hildesheim (2003)). 2003, abgerufen am 13. August 2024.
  3. ↑ Hans Koepf, Günther Binding: Bildwörterbuch der Architektur. Mit englischem, französischem, italienischem und spanischem Fachglossar (= Kröners Taschenausgabe. Bd. 194). 4., überarbeitete Auflage. Kröner, Stuttgart 2005, ISBN 3-520-19404-X (Digitalisat auf moodle.unifr.ch (Memento des Originals vom 27. April 2026 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis., abgerufen am 20. Januar 2024), S. 230: Grundstein.
  4. ↑ grundstein. In: Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1932), Bd. IV,I,VI (1935), Sp. 903, Z. 5 (dwds.de, abgerufen am 20. Januar 2024).
  5. 1 2 Oscar Mothes: Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und Kriegsbaukunst, sowie der mit dem Bauwesen in Verbindung stehenden Gewerbe, Künste und Wissenschaften … Band 2: C bis G. Otto Spamer, Leipzig/Berlin 1882, S. 542: Grundstein. (Digitalisat auf digi.ub.uni-heidelberg.de, abgerufen am 20. Januar 2024).
  6. ↑ Othmar Keel: Die Welt der altorientalischen Bildsymbolik. 5. Auflage. 1996, Abb. 369 und 370.
  7. ↑ Dritte Kathedrale an gleicher Stelle: Weihe am 30. September 1264. In: paulusdom.de. Abgerufen am 20. Januar 2024 (Mit Abbildung).
  8. ↑ Julius Erbstein, Albert Erbstein: Erörterungen auf dem Gebiete der sächsischen Münz- und Medaillen-Geschichte bei Verzeichnung der Hofrath Engelhardt’schen Sammlung. 1888, S. 224.
  9. ↑ Alfred Löhr: Bremer Silber. Ausstellungskatalog Focke-Museum. Bremen 1981, S. 154.