
Guerrilla Girls ist eine anonyme US-amerikanische aus feministischen Aktivistinnen bestehende Gruppe von Kunstschaffenden, die sich 1985 gründete und seither spontan Straßenplakate, die sexuelle und rassistische Diskriminierung in der Kunstwelt aufdecken, produzieren und verbreiten.
Die erste Gruppe Guerilla Girls wurde 1985 in New York City mit dem Ziel gegründet, die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern in den Mittelpunkt der größeren Kunstgemeinschaft und des Kunstbetriebs zu rücken. Die Gruppe nutzt Culture Jamming in Form von Postern, Büchern, Plakaten sowie öffentlichen Auftritten und Aktionen, um auf sexistische, rassistische, diskriminierende und korrupte Strukturen in der Kunstwelt aufmerksam zu machen – insbesondere jene, die anhand der Ideale und Vorbilder weißer Männer geprägt sind. Um ihre Identität zu schützen, tragen die Mitglieder Gorillamasken und verwenden Pseudonyme, die auf verstorbene Künstlerinnen verweisen.


Mitglieder verwenden Pseudonyme, die auf gestorbene Künstlerinnen verweisen, wie beispielsweise Frida Kahlo, Eva Hesse, Paula Modersohn-Becker, Käthe Kollwitz, Gertrude Stein, Georgia O’Keeffe. Die genaue Anzahl und Identität der Mitglieder ist nicht bekannt. Die Guerrilla Girls machen mit ihren Plakaten, Postkarten und öffentlichen Aktionen darauf aufmerksam, dass Frauen und People of Color im Kunst- und Kulturbetrieb oft ausgeschlossen werden.
Bekanntheit erlangte die Gruppe durch ihren scharfen, ironischen Humor und die Bekleidung mit Gorillamasken oder -kostümen. Sie wahren die Anonymität, um Repressalien zu vermeiden und den Fokus auf die jeweiligen Themen und nicht auf die Persönlichkeiten der Aktivistinnen zu lenken. Gerüchten zufolge soll es sich bei ihnen um hochrangige Künstlerinnen, Kuratorinnen und Kritikerinnen innerhalb des von ihnen kritisierten Kunstbetriebs handeln.
Zum Konzept der Gruppe gehört es, dass sie für Auftritte und Workshops gebucht werden kann. Die Guerrilla Girls fördern Abspaltungen und Neugründungen ähnlicher Gruppen. So gibt es die Guerrilla Girls On Tour!, ein reisendes Theaterkollektiv, das drei ehemalige Guerrilla Girls als Guerrilla Theatre betreiben.
Die Guerrilla Girls wurden im Frühjahr 1985 von sieben Künstlerinnen gegründet, als Antwort auf die Ausstellung An International Survey of Recent Painting and Sculpture des Museum of Modern Art (MoMa), welche 1984 öffnete. Die Ausstellung war die Eröffnungsshow des neu renovierten und erweiterten MoMa-Gebäudes, und sollte einen umfassenden Überblick über die bedeutendsten zeitgenössischen und aktuellen Kunstschaffenden weltweit geben. Die sieben Künstlerinnen zeigten sich irritiert und tief betroffen ob der Tatsache, dass von insgesamt 165 vertretenen Kunstschaffenden nur 13 nicht männlich waren. Zudem kamen die ausgestellten Künstler mehrheitlich aus Europa und Amerika.
Der Name Guerrilla Girls setzt sich aus drei Begriffen zusammen: Guerilla, Girl und Gorilla. Der Begriff Guerilla bezeichnet Angehörige kleiner Kampfgruppen, die mittels überraschender Angriffe operieren und dabei die sogenannte Hit-and-Run-Taktik anwenden. Eine solche Form des unerwarteten Auftretens lässt sich auch im Vorgehen der Guerrilla Girls beobachten, die bei ihren Aktionen überraschend in Erscheinung treten und auf unterschiedliche Weise ihre Positionen artikulieren. In Bezug auf den Begriff Girl verweist Franziska Schößler darauf, dass sich die Gruppe diese Bezeichnung bewusst aneigne. So werde „[d]ie hate speech, das naive Girl, […] zu einem positiven, selbstidentifikatorischen Label umgewertet [...]“. Auch Ines Lindner hebt die Mehrschichtigkeit der Namensgebung hervor. Ihr zufolge sagt diese „nicht allein etwas über ihre Taktik (Guerilla), ihr Geschlecht (Girls) und ihren Anspruch (Conscience of the Art World) aus; gerade die seltsame Kreuzung von politischem Kampf, Revue und moralischem Anspruch darin produziert eine prickelnde bis ätzende Mischung, die für ihre medienwirksame, durchschlagende Wirkung gesorgt hat“.
Die ersten Aktionen der Gruppe waren immer in derselben Ästhetik:
In späteren Werken begannen sie, ironische und satirische Stilmittel einzusetzen, vergleichbar mit den künstlerischen Arbeiten von Jenny Holzer und Barbara Kruger. Bis in die heutige Zeit, setzt die Gruppierung ihren Kampf gegen verschiedene Diskriminierungsformen im Kunstbetrieb fort. Die Aktivitäten der Gruppe haben sich durch das Internet stark erweitert. Heute gehören auch Straßenprojekte, internationale Ausstellungen in Museen, Buchveröffentlichungen, öffentliche Auftritte und Vorträge dazu. Die langanhaltende Präsenz und Notwendigkeit der Gruppe bestehe darin, dass die einstigen Angriffspunkte nicht verschwunden seien; sie sehen immer noch guten Grund, gegen Diskriminierung – in Bezug auf Geschlecht, Rassismus und andere Themen – im globalen Kunstbetrieb und in der Kreativindustrie zu protestieren. Ihre Anonymität ist dabei zum prägenden Markenzeichen geworden. Im Laufe der Jahre sollen 65 Personen für unterschiedlich lange Zeit Mitglieder der Gruppe gewesen sein. In angloamerikanischen, englisch- und in deutschsprachigen Regionen sind Künstlerinnen und Kunstschaffende als Guerilla Girls aktiv. Sie widersetzen sich mit ihren Aktionen dem etablierten Kunstbetrieb, den herkömmlichen Kunstausstellungen sowie der Kommerzialisierung der Kunst und der Publizierung von Kunst. Dabei üben sie Kritik an den institutionellen Strukturen und Organisationsformen des Kunstbetriebs.
2025 wurde den Guerrilla Girls als erste institutionelle Auszeichnung der Gruppe in Deutschland der MO_Kunstpreis des Museum Ostwall Dortmund verliehen.